Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1869)
- Date
- 1869-05-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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394 Königs Darias, nach einem glänzenden Gastmahl, während seines Mittagschlafes unter einander anstellten, was wohl im Leben das Stärkste und Unbesiegbarste sei, erkannte ein Jude, und zwar eine berühmte und hochgestellte Persönli feit, der nachmalige Erilöfürst Sernbabel, daß unter allen Schätzen, welche die Erde besitzt, die Frau das kostbarste und -lles dominirende Gut fei, wahrend die beiden andern beidnifchen Diener der eine den König, der andere den Wein alö das Mächtigste und Einflußreichste gepriesen haben. Gerade ein Ioraelit, und zwar»von so eminenter Größe in geistlicher wie weltlicher Beziehung, trat hier als der größte Panegyriker der Frauen auf und errang über feine beiden College» durch seine eindringende Beredtsamkeit den kostbaren Sregespreis. „Wie," ruft er aus, „sollte die Frau nicht größer sein als der König und der Wein?, *) der Mann verläßt seinen Baker. welcher ihn ernährt hat, und seine Gegend und ' schließt sich an seine Frau au. Und mit der Frau gibt er den Geist ans, ohne des Vaters, noch der Mutter, noch der Heimatl) eingedenk zu sein .... Und ferner: der Mann liebt seine Frau mehr alö Vater oder Mutter. Viele si d sogar schon wahnsinnig wegen ihrer Frauen geworden und sogar zu Sklaven gemacht um ihretwillen. Ja Biele kamen um, ließen sich durchbohren und sündigten um ihrer Frauen willen." Wenn daher gerade in dem Munde eines Juden ein solches überschwengliches Lob, von dem hier nur ein kurzer Auszug gegeben worden, der Frau gesperrt et wurde, so gebührt dem Iudenthum das Verdienst, daß cs, deren unschätzbaren Werth tief erkennend , ihr einen so hoben Rang in der menschlichen Gesellschaft eingeräumt hat. Denn was so hochgeschätzt und geliebt wird, kann keine Geringschätzung und Erniederung erleiden. Demnach hat die Bibel und die auszerkanonischen Bücher, die Apokryphen, dem weiblichen Geschlechte eine dein Manne gleiche Stellung im Leben, gegeben., die es mit ReRt in unserem erleuchteten Jahrhundert einninunt. Das Iuder.taum hat nicht erst auf seine Tochterreligion zu warten gebraucht, um kineo Bessern belehrt zu werden. (Forts, f.) Zeitungsnerehrrchterr rrnd Correspondenzen. Deuts ch l a u d. Aus V?estpHalen- Der Redakteur der^allgemeinen Zeitung des IudeuthumS, Herr Dr. Pbilippson. setzt seine für die Leser derselben bis zum Ueber- *j Honio patrem suuiu relinquit, qui cuatril iUum et suam rc-giomm ct ad aiulicrom se conjugit. Et cum nuiliere remittit auima.ni et neque patrem meminit, neque matrere, neque regionem . . . Etiterum diligit liomo uxorein suam niagis quam patrem aut matrem. Et multi dementes drusse langweiligen Erörterungen über die sogenannten: „Gottesdienstlichen Fragen und den CultuS," die der wahrscheinlich bald einzuberufeuden Synode als Basis der Discussion dienen und vielleicht auch später daS Material zu einer Fortsetzung seiner „Weltbewegenden Fragen" liefern werden — es sind davon schon zwei ziemlich starke Bände erschienen — mit unermüdlichen Fleiße fort. Um genannten Herrn Redactcnr aber die ihm so nöthige Rnbe und Zeit zu gönnen, um über derartige wichtige p?) und dringende (?) Fragen desto reiflicher Nachdenken und aus diesem Gebiete neue Forschungen und Entdeckungen machen zu können, wird derselbe von Zeit zu Zeit von andern, als Heroen der rel. Reform und als würdige Trabanten Philippsons bekannten Männern in diesem Geschäfte abgelöst, und dafür gesorgt, daß die Phantasmaaorien und Hirngesp'innste der letzteren dem, die Allgemeine lesenden Publikum nicht vorenthalten, sondern auch mit den Ansichten und Meinungen derselben, so wie mit ihren auf diesem Gebiete gemachten langjährigen Erfahrungen und Entdeckungen hinlänglich bekannt gemacht werden. So enthalt die Nr. 10 der wiederholt genannten Zeitschrift einen Leitartikel: „über den Zjährizen Cyklus und über die nvr.osn" von dem als pun to^o '.utt des sel. Rabbiners ö. Eg er zu Brauuschweig, so wie durch seine vor etwa 2j Jahren dem Inden thum insinnirle Blasphemie, die Nlm.u sei nickt ganz Gottes Wort, der Rabbinismus Unsinn so wie durch seine in den jüd. Codices gemachte Entdeckung, daß das Fahren auf Eisenbahnen am zu nicktgeichästüchen Zwecken erlaubt sei, bekannten braunschweigischen Landrabbiner I)r. Herzseld. Man sollte wirklich — wäre die Sache nicht so ernst und heilig — versucht werden, zu lachen, wenn man sieht, mit welcker Oberflächlichkeit und Geringschätzung dies' Leute über jüdisch-religiöse Institutionen urtbeilen; wie ne C’irnp a^nja, die Jahrtausende bestanden und die von jeher dem wahren 'm.-,' alö heilig gegolten haben, mit einem Federzuge hinwegstreicheu; wie sie endlich, um an Stelle des von ihnen Nieoergerissenen, wenigstens etwas Neues zu schaffen, solche Vor- und Nathschläge ertheilen, die der gläubige Iehudi gelinde gesagt, nur als puren Unsinn bezeichnen kann. Was nun die von PH. und Genossen projectirte aller Wahrscheinlichkeit nach sich im Lause des heranuahenden Sommers zu constiluircnde Synode anbetrisit, so scheint sich -unsere frühere Voraussetzung, daß sich dieselbe seitens der Gemeinden keiner großen Theilnahme zu erfreuen habenuud insbesondere nur von wenigen westphälischen facti sunt propter exores suas, et servi facti sunt propter illas. Et multi perierunt et jegulati sunt et peeeaverunt propter mulieres etc. Diese ganze Geschichte berichtet auch Joseph, -v.ltiquit. libundecirnus und Josipon Cap. 3, S. 10 mit unbedeutenden Variationen.