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Der Israelit · 1869-05-19 · Heft 20 (19.5.1869) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 20 (19.5.1869)
Date
1869-05-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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X. Jahrgang. Beilage zu Nr. 26 des Zsraelit. Leitender Artikel. Die jüdische Che nach biblischen und talmudischen Grundsätzen. Von Dr. Aron Hirscbfeld. (Fortsetzung.) Sollte der neugebildete und jugendliche Staat vor Unheil und bösen Einflüssen und die denselben begründende Religion vor jedem fremden, ihr schadenden Beisatz bewahrt werden: so war zuvörderst nöthig, jedes Fremdartige und Alles nicht aus jüdischem Grund und Boden Gepflanzte aus dem Weinberge des Herrn anszureißen. Darum konnte Esra, der Restaurator des jüdischen Volkes, als ein zweiter Moses, und seiv energischer Gesinnungsgenosse Nebemiah, keine größere Wohltkat dem Volke erweisen, als daß sie eine durchgreifende Revision und theilweise Umgestaltung der jüdischen Ehe vorgenommen hatten, wobl wissend, daß nur eine, auf Gleichheit der Gesinnung und socialer Stellung basirende Ehe die Grundlage eines sittlich und religiös sich sortbildenden Volkes sein könne. Denn die Ehe hat nicht nur zum Zweck die Befriedigung sinnlicher Triebe, als vielmehr die Fortpflanzung des Menschengeschlechts zu dessen immer weiteren Entwickelung, und Veredlung, der aber nur erreicht werden kann durch das Zusammenwirken beider, des Vaters und der Mutter, wie es Salomo der Weise in seinen Sprüchen so oft uns vor die Seele ruft. Streben Beide, Mann und Frau, bei der Kindererziehnng nach einem und demselben Ziele, dann stehen sie beide auch auf einer und derselben Stufe, lösen sich beide in der Erfüllung ihres hohen Berufes ab und sie gehen beide in einander auch moralisch aus. Nur durch diese allgemeine, durchgreifende und energisch durchgesührte Verordnung der a.rszuscheidenden fremden Frauen ist es dem damaligen Israel gelungen, sich bald wieder aus seiner armseligen und nieder» Stellung auf eine niegeahnte Höhe, umgeben von einem Glanze, emporzuschwingen, der bald den Neid und den Haß des gegen sie unvermögenden Völkerthums rege gemacht hat. Denn Israel verließ mit großer Ueberwindung das heidnische Völkerthum und zog sich ganz in sich selbst zurück. Sogar die Polygamie, wenn sie auch nur sporadisch in Israel früher sich gezeigt hatte, verlor nun jeden Halt auf dem heiligen Boden und hörte mit der Rückkehr von Babylon fast ganz auf. Demnach hat auch die Ehefrau eine desto größere Gewalt auf das Herz ihres ihr um so mehr ergebenen Mannes ausgeübt. Nur in seinem Hause, an der Seite seiner ihm gleichgestellten Gattin" fand jeder Familienvater seine Freuden und seine ganze Glückseligkeit. Es gab in Israel weder Theater noch Eoncerte, wo sie sich zu zerstreuen suckten. In der Familie, deren Vorsteherin und Ptiesteriu die Gattin war, mußte jeder Einzelne Alles suchen und finden. Auch diese Periode ist nicht arm an Heroismus, der auch manche jüdische Frau beseelt und begeistert hat. Die Namen der Judith und der Esther werden ewig in der jüdischen Geschichte wie Sonne und Mond am Firmamcnte unserer Rationalität glänzen. Zur Zeit der allgemeinen Erhebung, um die snrisch maceoonischen Heere des fast wahnsinnigen AntiochuS Epiphanes aus den Grenzen Iudäa's zu treiben und das heilige Land von diesen Schändern unseres Heiligthums und Verwüstern nuferer gottgeheiligtcn Nation zu säubern, waren es vorzüglich Frauen, die heldenmüthig für ihren Glauben sich geopfert"') und auch durch diese angefeuert, erfochten die glorreichen Maccabaer die größten Siege über die Feinde. Wer kennt nicht die Geschichte der Mutter mit ihren sieben Söhnen? Verdient nicht diese Mutter den größten Heldinnen aller Jahrhunderte beigezählt zu werden? *) **) Vermögen aber Frauen sich so zu erheben und so heilsam und wohlthätig einzuwirken aus ihr Zeitalter, so können sie unmöglich zu einer niedrigen Stellung auch in dieser Zeit verdammt gewesen sein. — Wenn uns auch in dieser Periode die Bibel, weil ihre geschichtlichen Daten nicht weiter reichen, verläßt, und uns eigentlich keine Belege und Beweise über die wahre Stellung der damaligen Frauen mehr geben kann; so finden wir doch in den Nachklängen des Kanons, dm sogenannten Apokryphen, den einzigen Ueberresten dieser an Geistesproducten so armen Zeit, belrerzigenSwertbe Winke und unverkennbare Spuren über diesen Gegenstand, wie in dem Buche Tobias und der Susans in dem babylonischsyrischen Reiche, und ganz vorzüglich in den Sprüchen Sirachs, den lieblichen Echo's salomonischer Weisheit. AuS allem Diesem geht klar und deutlich hervor, daß auch damals die Frauen das Centrum des Hauses bildeten, in welchem sie alle Sonnestrahlen der Freude sammelten und nach allen Theilen auosckickten. ***) Aber auch in dem sogenannten dritten Buche Esra (Cap. IV) bei dem Wettstreite, den drei Diener des *) Maccab. 1, 63. **) 2. B. d. Macc. 7. Joseph. Oe ratiouis imperio Cap. VUl Gittin 8. 57. ***) Voll des Lobes über die Frauen ist Sirach Cap. 7, 16. 25: 25, 1,8. und vorzüglich 26. 1. 2. 3.

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