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Der Israelit · 1869-05-19 · Heft 20 (19.5.1869) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 20 (19.5.1869)
Date
1869-05-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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3S2 AlexiuS das Alles aus der Schrift sonnenklar bewiesen."" Ein Diener meldete den Patricir^ Roman Argyropolus, der auch alsobald emtrat, als der Kaiser zustimmend gewinkt halte. „Was bringst Du Roman?"rief ihm Basil entgegen. Der Patricier beugte sein Knie; dann erhob er sich wieder und sprach: „„Großmächtigster Kaiser, ich komme, um unter göttlichem Beistände der Prinzessin Theodora Leben und Gesundheit wiederzuschaffen!"" „Da würde ich Dir sehr, sehr dankbar sein! Doch wie vermöchtest Du das?" „„Es lebt hier in Konstantinopel ein weiser, fränkischer Arzt, vor dessen Kunst der Todesengel entflieht und jede Krankheit entweicht!"" „O, geh mir mit den Aerzten! Haben sie mein armes Kind nicht schon genug gequält?" „„Verzeiht, großmächtigster Kaiser! Dieser Arzt ist nicht wie die andern. Während die Pest wüthete, ist kein Pestkranker gestorben, zu dem er rechtzeitig gekommen!"" „Und wie heißt dieser Wundermann?" „„Rabbi Gerschom, der Franke."" „Der Goldschmied?" ftagtc der Kaiser verwundert." „„Der Jude!"" rief Johann verächtlich. „„Derselbe,"" entgegnete Roman. „„Er ist gelehrt und in allen Wissenschaften und Künsten erfahren, wie kein anderer Mensch. WaS er unternimmt, gelingt, und was er versprochen, hat er noch stet« gehalten."" „„ES wird ein Zauberer sein,"" rief Johann zornig, „„der mit sündhaften, höllischen Künsten Euer Reich versündigt, gnädigster Kaiser! Laßt ihn nicht kommen; hütet Euch vor den Künsten der Hölle."" „Erlaubt, Herr Ministcr," entgegnete Roman, „daß ich Euch hierin widerspreche. Der Rabbi ist kein Zauberer; aber gelehrt, geschickt und erfahren in Allem, was der Menschengeist erforschen und ergründen kann. — „Gut," sagte der Kaiser, „ich will ihn kommen lasten und ihm die Behandlung der Prinzessin anverkrauen. Aber schwören muß er zuvor, daß er keine Laubermittel anwenden wird, und eröffnet sei ihm, ^aß er sein Leben verwirkt habe, wenn ihm die Heilung mißlingt. Gelingt sie ihm aber auf natürlichem Wege, durch die Mittel seiner Wissenschaft, so werde ich ihn kaiserlich belohnen. Rufe ihn, Roman." Der Patricier eilte in seine Wohnung, wo Rabbi <8erschom seiner harrte. Beide gingen nach dem kaiserlichen Palast. Rabbi Gerschom verneigte sich tief vor dem Kaiser; allein er beugte sein Knie nicht. „Wqrum," herrschte ihn der Kaffer an, „beugst Du Dein Knie nicht?" „„Ich bin ein Jude, gnädigster Kaiser; nur vor dem Gotte des Himmels und der Erde dürfen wir knien. Aber glaubet mir, wir verehren die Majestät Eures Thrones ebenso tief und aufrichtig wie die Bekenner anderer Religionen."" „Wie heißest Du?" „„Gerschom, Sohn des Jehudah. Hier nennt man mich der, Franken."" „Stanimst Du auö Frankreich?" „Aus Metz, hoher Herr, das in Lotharien liegt und dem deutschen Kaiser unterworfen ist." „Wie kömmst Du nach Konstantinopel?" „„Ich habe an den Usern des Euphrat meinen Studien obgelegen. Als ich von dort zurückkehrte, gefiel es mir am Besten in der Nähe Eures glanzvollen Thrones, in der Hauptstadt der Welt."" „Du verstehst zu reden, Jude. Warst Du nicht ehedem ein Goldschmied?" „„Wohl, großmächtigster Kaiser; allein die Wuth der verderblichen Krankheit, der Pest, ließ mich meiner medicinischen Studien wieder gedenken."" „Ich habe vernommen, daß Du mit Erfolg jene fürchterlichen Seuche bekämpft hast. ES stehen Dir wohl höhere Mächte, Zaubermittel zu Gebote?" „„Das sei ferne von mir, gnädigster Herr; ich kenne keine Zaubermittel, gebiete nicht über höhere Mächte. Allein Gott, der Einige, Einzige, Allmächtige, hat mein Gebet erhört und mich meinen Mitmenschen nützlich lasten werden."" „Und Du willst Dich unterfangen, die Prinzessin Theodora, an der die geschicktesten Aerzte vergeblich ihre Kunst versucht haben, zu heilen?" „„Ich hoffe, daß der allmächtige Gott meinen Geist erleuchten und mich lehren wird, die richtigen Mittel anzuwenden."" „So schwöre mir bei Gott, dem Herrn, den auch Ihr Juden fürchtet, daß Du keinerlei Zauberei anwenden wirst!" „„Ich schwör eö bei Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden."" „Und wenn es Dir nicht gelingen sollte, die Prinzessin zu heilen?" „„So sei mein Leben verwirkt."" „Gut, ich werde Deiner nicht schonen; wird aber Dein Mühen von guter Wirkung sein, so werde ich Dich *aiserlich belohnen! Roman, führe den Juden zu der Kranken; Gott sei mit Dir, Gerschom!" (Fortsetzung folgt.) Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: Dr. Leihmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellprcfsrndruck von I. SottSleben in Mainz.

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