Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1869)
- Date
- 1869-05-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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388 Aber ich habe noch eine Bemerkung zu machen, die mir hier unumgänglich nothwendig scheint, und mit der ich zugleich Ihre gewiß nur von bestem Eif-r für die heilige Sache deS orthodoxen Iudenthums dictirte Frage und Besorgniß beantworten kann. Sie fragen in Ihrem letzten Schreiben, was die orthodoxe Iudenheit der mit so vielem Eclat auftretmden berüchtigten jüdischen Synode entgegensetzen wird? Auch nach Ihrer Gemeinde, sagen Sie, sei die Einladung zur Beschickung dieser Synode gekommen, und Sie werden wohl Ihren ganzen „gemcindevorsteherlichen" Einfluß aufwenden, daß von Ihrer Gemeinde jener moschab lezim nicht beschickt werde; allein die Residenzgemeinde sei einmal mit dem Beispiel vorangegangen, und da werden wohl auch die Landgemeinden ihr Nachfolgen. Lieber Freund! WaS das orthodoxe Iudenthum thun wird gegenüber dieser Versammlung? WaS es durch mehr denn 30 Jahre *r"03 mit Erfolg thut; durch Belehrung und Bekämpfung daö Falsche, das Niedrige und Selbstische dieser eitlen Reformversuche in ihrer ganzen Hohlheit dem verblendeten Volke darstellen, und jenen Neformheroen die Maske der Heuchelei, des Lugö und des Truges herabreißen. Diese Thätigkeit, lieber Freund, wird wohl genügen, um so Manchem dir richtige Aufklärung zu bringen. Dann aber auch wird daö orthodoxe Iudenthum noch nach einer anderen Seite den durch diese Synode aufgestellten Principien entgegentreten /durch p o s itive Wissenschaft und durch Belehrung in der unserem Geschlechte gänzlich fremden Lehre des wahren Judenthums! Und der schönste Anfang zu dieser schönen großen Aufgabe ist die Bibel von Hirsch. Wollen Sie, mein Lieber, Hkrsch's Antwort auf di^. Synode in seiner Bibel lesen, so hören Sie seinen Bemerkungen zu “p „Jedoch an der Spitze des Iudenthums fleht: ~p „daö für sich gehen" als das noch Höhere. Niemand darf sagen: ich bin so gut, so gerecht, als eS eben Mode ist. Jeder ist Gott für sich selbst verantwortlich. Wenn nöthig: „mit Gott — allein!" wenn es sein muß, wenn daö in der Majorität vergötterte Princip nicht das wahrhaft göttliche ist — dies Bewußtsein, warb von Abraham alö der Ausgangspunkt für seine und seines einstigen Volkes Bestimmung geforderte" ^,Wie hätten wir existiren können und könnten wir existiren, hätten wir nicht von vornherein von Abraham den Muth einer Minorität erhalten! „Zeitgemäßes Iudenthum!" Der lauteste Protest dagegen ist das erste jüdische Wort: gv -,d! War Abrahams erstes Auftreten zeitgemäß? In Mitten von Chaldäa, Babylon. Assyrien, Phönizien, Aegypten! Vergötterung der Sinnlichkeit und der Macht war da die zeitgemäße Predigt, vergöttertes Genußleben in Asten, Vergötterung der Menschenmacht und Ertödtung des freien Menschen in Aegypten; der Gedanke „Gott" war bis auf wenige Spuren verschwunden, — da soll ein Abraham auftreten, und während die ganze Welt sich fest anzustedeln, sich anzubürgern trachtet, soll er feine Heimath, sein Bürgerrecht aufgeben, sich freiwillig zum Fremdling machen, den von allen Nationalitäten vergötterten Göttern den Protest in's Angesicht sprechen: das erfordert den Muth und die Ueberzeugung von der Wahrhaftigkeit der inneren Gesinnung und des Gottesbewußtseins, das fordert das jüdische Bewußtsein, den jüdischen „Trotz" — und das war daö erste, worin Abraham seine Berufung zu bewähren hatte." Lesen Sie gefälligst, lieber Freund, diese und ähnliche Stellen aus dem vortrefflichen Buche Hirsch'- Ihren synodesüchtigen Gemeindemitgliedern vor, und ich hoffe-Sie werden cS nicht nöthig haben, neben Philippson, Löw und Szanto zu sitzen! Auf Wiedersehen, mein Bester! — AerturrgsnochrichLen und Corresponderrzerr. Deutschland. Mainz, den 18. Mai. Wie alljährlich wurde auch am eben verflossenen Schabuoth-Feste die feierliche Confirmation in der Orgel-Synagoge vollzogen. Da während der Feierlichkeit Regmwetter eintrat, so standen Droschken und Equipagen vor der Synagogenthüre, und Constrmanden und Constrmandinnen, welche soeben die Heilighaltung der jüdischen Religvn feierlichst beschworen hatten, fuhren nach Hause, den heiligen Festtag sofort öffentlich entweihend! Welch ein frevelhaftes Spiel! — Jchenhaufen, Ende April. Unsere israelit. Gemeinde befand sich dieser Tage in der größten Aufregung. Es verbreitete sich nämlich die Kunde, daß unser hochverehrter Rabbiner, Herr vr. Loeb, als erster Candidat um das Oberrabbin t zu Creseld zur Probepredigt berufen sei. Die Gemeinde begriff sofort, welch' ein Verlust ihr drohe, wenn ihr Rabbiner, der seit seiner siebenjährigen Amtsführung so Großes hier geleistet und sich hierdurch die Sympathien aller Mitglieder ohne Ausnahme in höchstem Maße erworben, den hiesigen P:atz, der ein so schönes Feld der Wirksamkeit bietet, verlaffon würde. Von diesem Gedanken geleitet, richtete der Vorstand und eine große Zahl der ehrcnwerthesten Gemeindemitglie-