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Der Israelit · 1869-05-12 · Heft 19 (12.5.1869) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 19 (12.5.1869)
Date
1869-05-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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576 Breslau, 26. April. Die hiesige Stadtverordnetenversammlung beendete heute die vertagte Debatte über die dem CultuSmimster zu ertheilende Antwort wegen Eröffnung der beiden confessionlosen höheren Lehranstalten. Der Oberbürgermeister Hvbrecht wies darauf hin, daß die Frage, ob man im Allgemeinen den christlichen Character der beiden Schulen anerkennen wolle, sofern man dabei practifch an den Consequenzen der Confessionslosigkeit festhalte, eine reine „Etiquettenfrage" sei. [?| Der König habe daS lebhafteste Interesse für die Sache und glaube, daß fein Recht bestehe, die städtischen Behörden mit ihren Forderungen zurückzuweisen; er, der Redner, habe ausdrücklich hervorgeyoben, daß man auch für jüdische Lehrer das Recht der Anstellung beanspruche. Wenn eS dem CultuSmimster nachträglich gelungen, die fragliche CabmetSordre zu erhalten, so dürfe man von der Ueüerzeugurrg ausgehen, daß sie in Einklang gebracht werden kann mit den Forderungen, die bisher verfolgt worden. Schließlich wurde folgender, von dem Professor Rkpell gestellte Antrag angenommen: „Die Versammlung wolle erklären, sie sei mit der Mittheilung des Magistrats unter der Voraussetzung einverstanden, daß durch Anerkennung des christlichen Characters der neuen Anstalten die unter 1 und 2 des Magistratsschreibens formulirten Forderungen, (daß keine Religiousgesellschasi ein Anrecht auf die Schulen habe, und daß Lehrer aller Confessionen augestellt werden dürfen) in keiner Weise beschränkt oder abgeschwächt werden dürfen; sie verwahre sich im Voraus gegen alle aus jener Anerkennung etwa abzuleitenden Folgerungen jeder Art und behält sich vor, bei der zu erwartenden Vorlegung der Statuten ausdrücklich zu prüfen, ob in diesen Statuten eine ausreichende Sicherstellung hiergegen vorhanden sei." Greiz. Die „Börsenzeitung" berichtet, daß die Regierung des Fürsten Reuß älterer Linie die Wahl des Kaufmanns S. Schwarz als Stadtrath in Greiz bestätigt hat. Herr Schwarz ist der erste Jude, ,der in diesem Fürstenthume zum Gemeinderath erwählt wurde. H o l l a n d. Amsterdam Die Großherzogin von Sachsen- Weimar-Eisenach, geborne Prinzessin Sophie der Niederlande, hat zu der Lotterie zu Gunsten des Vereins zur Beförderung von Handwerken unter den Israeliten im Haag eine sehr feine Porzellan-Blumenvase mit einer vergoldeten Standarte (?) gegeben. Amsterdam Herr Banqmer G. Rosenthal von hier hat vorn Kaiser von Rußland den Anna-Orden 2. Elaste erhalten. (N. I. W.) Frankreich. Paris. Vor wenigen Wochen starb Herr Jakob Bloch in dem hohen Alter von 106 Jahren. Der Verstorbene, der Vater des verdienstvollen Chef-- Redacteurs des „Univ. Jsr.", war ein strenggläubiger Jude, ein allgemein geachteter und beliebter Mann nicht nur bei seinen Glaubensgenossen, sondern auch bei seinen christlichen Mitbürgern. Derselbe war nie krank gewesen. n"n'W'n. Paris. Von Juli 1868 bis April 1869 hat Herr Blumenthal im Namen deS Centralcomitss zu Paris für die Schulen in Jerusalem und zur sonstigen Dertheilung 24958 Fr. an Herrn I. Prager in Jerusalem geschickt. (Univ. Jsr.) Spanien. Madrid, 5. Mai. In der heutigen Sitzung der Cortes wurde bei Berathung des Versassnngsentwurfs die Freiheit der Religionöculte mit 164 gegen 40 Stimmen genehmigt. Feuilleton. Aas Wochenfest. Groß muß das Fest sein, dem so viele Wochen Mit hehrem Ernst entgegen wird gezählt. Das uns gemahnt an heilige Epochen, Als Jsrall war zum Gottesvolk erwählt, An jene Zeit, in welcher angebrochen Ein neues Licht, das alle Welt beseelt, Das Finsierniß gemacht zur Tageshelle Die Menschheit hingeführt zur Wahrheit Quelle! Es ist das Fest der geistigen Erlösung Auö Glaubensirrthum, Nacht und Nebelwahn, Das einst den -Völkern kündigte Genesung Von ihrer Sündenleiden Siechthum an. Das ew'gen Tod geschworen und Verwesung Der Lüge auf des Lasters HevchlerbcHn: Das Fest, das uns befreit aus WahneSbanden Als Israel verjüngt ist neu erstanden! So wie das Peßachfest auö Knechtschaftsketten Erlöst hat unser Volk in frühster Z-it, Gott selber ausgezogen, es zu retten Aus dumpfer Tyrannei und Dienstbarkeit: So führt uns dieses Fest zu jenen Stätten, Wo Sinai geprangt in Herrlichkeit, Um Jsra'ls Seelenfreiheit anzukünden, Die Welt zu säubern von des Geistes Sünden! Das Licht in seinem schönsten Morgenglanze, Das dort gezündet war zum hellen Tag,

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