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Der Israelit · 1869-05-12 · Heft 19 (12.5.1869) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 19 (12.5.1869)
Date
1869-05-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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375 Revision eines Gesetzes, das feit 1828 refp. 1831 existirt und dessen Novelle vielleicht wiederum 4 Decennien Geltung haben soll? Warum nicht eine allgemeine, birecte Wahl aller Bürger und Domicilianten zur Absendung eines Delegirten, der den schönen Namen Vertrauensmann führen darf? Bei dieser Wahlart ist es mebr als ungewiß, ob der Abgeordnete auch wirklich das Vertrauen der Kirchengenofsenschaft besitzt. Eine zweite Abnormität besteht darin, daß jeder der 12 RabbinatSbezirke, die dock nach ihrer Seelen- und Gemeindenzahl so sehr verschieden sind, je einen Delegirten zu wählen hat. Es gibt aber Bezirke mit 9—12 Gemeinden und solche, die nur Eine Gemeinde umfassen. Der eine Bezirk hat 260—300, der andere 14—1600 Einwohner. Cs hätten deshalb zu diesem Zwecke Wahlkreise mit je etwa 1000 Einwohnern geschaffen werden follen, wie bei der Delegirtenwahl in den weiteren Rath der Oberkirchrnbehörde (§. 35 Abs. 1 deö Entwurfs). Wenn das geistliche Element unter den Gewählten zu der einzuberufenden Commission nicht genügend vertreten sein wird, so bebält sich daö Ministerium vor, nach Rücksprache mit der Oberkirchenbehörde einige Rabbiner der Delegirtencommission beizugeben. Unter diesen Umständen versteht es sich wohl von selbst, daß in keinem Bezirk ein Geistlicher gewählt werden und man es vielmehr der Behörde überlassen werde, die Tüchtigsten dieses Standes einzuberufen, die sie leichter herausfinden kann, als die Vorsteher, welche ohnehin nur auf ihren Rabbiner sehen möchten. Es hätte deshalb auch bei dieser Wahl die Bestimmung getroffen werden sotten, daß ein Rabbiner innerhalb seines Bezirks und schon als Vorstand der Wahlcommission von der Wählbarkeit ausgeschlossen werden solle, wie die Mitglieder der Wahleommisston (L>. 35 des Entwurfs Abs. 3). So viel für heute über die Wahlverfügung. Auf den Entwurf selbst werden wir später zu sprechen kommen. Aus AKefkPhalen. Zeder, der mit den Verhältnissen der Unterrichts - und Erziehungsanstalten nur einigermaßen vertraut ist, weiß, daß an einer, wie die in Rede stehenden Anstalt, an der mehrere Lehrer wirken, sobald diese eines DirectorS und Leiters — der eigentlichen Seele derselben — entbehrt, ein einheitliches und harmonisches Zusammenwirken der verschiedenen Fachlehrer, besonders wenn diese aus den verschiedensten Elementen zusammengesetzt sind, nicht möglich und eine gedeihliche Entwickelung der Schule nicht zu denken ist. An beiden Uebelständen hat die frühere „Vereinsschule" zu Münster lange Jahre empfindlich gelitten. Seit dem Tode des Professor Haindorf und auch sogar schon bei dessen Lebzeiten — derselbe wohnte nämlich schon viele Jahre vor seinem Tode in Hamm, war noch dazu Mediciner und was bon einem Lehrer-Seminar durch einen solchen Mann geleitet, Erspriesliches erwartet werden kann, ist leicht einzusehen — entbehrte erwähnte Anstalt deö eigentlichen DirectorS und war zudem das Lehrer-Collegium aus den verschiedensten, heterogensten Elementen zusammengesetzt. Was Wunder da, daß unter solchen Umständen an eine gedeihliche und fruchtbringende Entfaltung und Entwickelung genannter Anstalt nicht im Mindesten zu denken war! Daher denn die Masse der in den letzten 20 Jahren aus derselben hervorgegangenen D’D~<pcN7, daher die Unzufriedenheit vieler bei dem Vereine betheiligten rheinisch-westphälischen Gemeinden mit oftmals erwähnter Anstalt, und der Mißcredit, in welchen die auS ihr cntlasienen Lehrer gekommen; daher denn endlich daS Vorgehen vieler rh. Gemeinden mit der Gründung eines eigenen Seminars und die Um- und Neugestaltungen, die gegenwärtig in der früheren vorgcnommcn werden. Wir und gewiß Jeder, dem die Erstarkung und Kräftigung deö Vereins in wahrhaft jüdischem Geiste warm am Herzen liegt, begrüßen deßhalb mit Freuden die Seitens des Curatorinms der jetzigen Marks-Haindorf'schen Stiftung erfolgte Ernennung und Berufung des Herrn Dr. . roner, der, soviel man hört, auf positiv jüdischem Standpunkte stehen und dabei ein tüchtig pädagogisch, wie wissenschaftlich gebildeter Mann sein soll. Ein angeblich das Interesse der Lehrer vertretendes Blättchen nltrareformatorischer Richtung und seine Correspondenten schreien Zeter über Zeter und 'önnen immer noch ihren Aerger und Ingrimm über diese Wahl nicht verbeißen. Dem Einen ist es nicht Recht, daß der Gewählte auf conservativem und nicht auf dem Standpunkte des aus Rand und Band gegangenen Nihilismus steht; dem Andern nicht, daß derselbe einen großen Theil der Unterrichtszeit für die hebräischen Fächer zu verwenden versprochen und dem dritten nicht, daß er sich daö Ziel vorgesteckt — wir erlauben uns, hier dessen eigene Worte anzuführen — „solche Lehrer heranzubilden, die mit tiefempfundener Religiosität, genügendem religiösen Wissen allgemeine- und pädagogische Bildung verbinden; die da wissen, was, wie und 'warum sie so und nicht anders unterrichten sollen; und endlich dem 3. nickt, daß man zwei frühere Lehrer der Anstalt gekündigt. Hatte aber das verehrl. Curatvrium sich dazu verstanden, statt des Dr. K. einen der beiden gekündigten Lehrer, oder einen andern Reformhelden zum Direktor des Münster'schen Seminars zu wählen, dann hätte man das Jubeln und Frohlocken im Lager der Reform und in den ihre Interesse vertretenden Blättern hören sollen! Dann hätte ein Andersgesinnter auch nur ns naiD fein und diese Wahl einer Kriti' unterziehen sollen! Hierzu glauben ja die Herren al ein das Privilegium zu besitzen. Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer.

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