Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1869)
- Date
- 1869-05-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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572 scripte ergriff, und eilte dann mit seinen Weibern zu einem Freunde in einen entfernten Stadttheil. Hier ließ er die Frauen in Sicherheit zurück, um schleunigst die Brandstätte wieder aufzusuchen. In der kurzen Zeit seiner Abwesenheit hatte das Feuer eine furchtbare Ausdehnung gewonnen; viele Straßen waren schon ein Opfer desselben geworden. Zu der Wuth des entfesselten Elementes gesellte sich die der menschlichen Leidenschaften; Räuber durchzogen die Straßen, um zu morden und zu plündern. Da gedachte Rabbi Gerschom seines Schwiegervaters Menachern. der zwar ziemlich entfernt von den Brandstätten, aber einsam in seinem Hause wohnte. Er eilte, ihn aufzusuchen; doch fand er die HauSthüre erbrochen, den Greis in feinem Blute schwimmend. Räuber batten ihn getödtet, um die Gold- und Silberwaaren zu rauben, die er in seinem Hause gehabt hatte. Am andern Morgen bot die reiche und glänzende Hauptstadt ein Bild des Jammers. Dreißig- ' tausend Menschen hatten Habe und Obdach verloren; viele Hunderte waren in den Flammen umgekommen; wohl nicht weniger waren von verruchten Räuberhänden erschlagen worden. Rabbi Gerschom bangte davor, seiner geliebten Melitta den schrecklichen Tod des Vaters anzuzeigen. Allein sie nahm die Trauernachricht gefaßter auf, als Rabbi Gerschom erwartet hatte. Er pries sie ob ihrer Ruhe und GemütheSkraft; allein Deborah kannte ihre Gefährtin bester; sie wußte, daß das, was Ergebung und Geisteskraft schien, nichts als Selbstsucht und Leichtsinn war; doch Deborah schwieg, wie sie es sich gelobt hatte. Melitta grämte sich mehr um den Verlust ihrer schönen Gewänder als um den Tod ihres Vaters. Auch war ihr der Gedanke fyrchterlich, daß sie, weil ihr Gatte einen großen Theil seines Vermögens verloren, sich künftig einschränkcn müsse. Die Feuersbrunst sollte ein noch viel schrecklicheres Nebel im Gefolge haben. Die vielen obdachlosen Menschen hatten in Kirchen und öffentlichen Gebäuden untergebracht werden müssen, woselbst sie, eng zusammengepfercht, nur schlechte Luft athmeten; zugleich kam die heiße Jahreszeit heran, diesmal ganz ungewöhnlich heiß. Da brach die Pest aus, der furchtbarste Feind der Menschheit. Die unglücklichen Opfer dieser gräßlichen Krankheit starben zu Tausenden, und es gab nicht Hände genug, um die Leichen zu verscharren. Rabbi Gerschom, der den größten Theil feiner Habe verloren hatte, dachte daran, seine Werkstatt wieder einzurichten, als die Pest ausbrach. Da gab er sofort den Gedanken daran auf, um den unglücklichen Kranken zu helfen. Er hatte während ieines Aufenthaltes in Pumbeditha auch die Arzneikunde studirt. Er eilte von Haus zu Hans, von Kranken zu Kranken, und wo er erschien, da wich fast immer der Todesengel. Seine Arzneimittel, die er selbst bereitete und mitbrachte, linderten in den meisten Fällen sofort die Schmerzen und hoben nach wenigen Tagen die Krankheit. Es wäbrte nicht lange und sein Ruf als Arzt war begründet. Schon fein Erscheinen erweckte Vertrauen; sein freundlicher Zuspruch erquickte die Kranken, belebte die Hoffnung der Angehörigen; seine Arzneimittel bewirkten stets, wenn die Krankheit nicht sä on zu weit vorgeschritten war, die Genesung. Unterdesherrschte in Konstantin opel die düsterste Stimmung. Der Eunuch Johann hatte aussprengen lassen, daß das Feuer in dem Hause eines Juden ausgebrochen; es bedurfte nicht mehr, um den Pöbel mit Feindseligkeit gegen die Nachkommen Jakobs zu erfüllen. An jedem Tage zogen Pöbelhaufen vor den Palast des Kaisers unt verlangten die Bestrafung der Juden. Lange weigerte sich Kaiser Basil, dem Verlangen des Volkes nachzugeben. Der Eunuch Johann aber wußte geschickt die Juden zu beschuldigen; er verstand es, einflußreiche Geistliche für seine Pläne zu gewinnen; er ängstigte selbst den Kaiser so lange mit dem Schreckbilde einer Revolution, bis dieser dem vereinten Drängen des Ministers, der Geistlichen und der Volkshaufen nachgab und ein Edict erließ, das die Juden nach einer Frist von drei Monaten aus dem ganzen oströmijchen Reiche verbanne; sollte später noch ein Jude oder eine Jüdin itn ganzen Reiche betroffen werden, so sollten sie den Tod durchs Sckwert finden, es sei denn, daß sie es vorzögen, die Taufe zu empfangen. Wer malt den Schrecken und das Entsetzen der armen, unglücklichen Juden — die zu Hunderttausenden in den zahlreichen Provinzen des großen, oftrömischen Reiches wohnten — als sie diese furchtbare Kunde erhielten.' Auswandern sollten sie, ohne zu wissen, wohin sie sich wenden könnten! Zwar war es ihnen gestattet, ihr Eigenthum mit sich zu führen — wer aber wollte ihre unbewegliche Habe kaufen, da sie dieselbe verkaufen mußten? Im ganzen, großen Reiche wurden in den Synagogen Gebete, in den Gemeinden Fasttage festgesetzt. Ach, die Tage des Haman waren wiedergekehrt, und Elend und Noth bedrohten das Volk des Herrn. Keine Waffe blieb den Unglückichen zu ihrer Vertheidigung als einzig ihr Gebet zu dem Herrn des Weltalls, der Seine Lämmerheerde weidet und sie vor den hereinbrechendm Wölfen schützt. (Forts, folgt.) S Si ln söge Geb maö das gern lidjei beut« in k< tan er trieb des j gibt fter j Schn geht Mazc und r zende hohe räthe, Gewis „ berü Mänr besten heutig« liche E ritterth eine u mit eii sich üb Hinsicht heilige Man l Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: ln. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpreff endruck von I. Gott sieben in Mainz. — UN als eb« liSmus bodenlo jeden r Reform em Sel