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Der Israelit · 1869-05-12 · Heft 19 (12.5.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 19 (12.5.1869)
Date
1869-05-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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371 Schweden. Stockholm. Herr Carl Heinemann von hier, Consul für Bayern und Generalconsul für den Norddeutschen Bund, wurde vom König von Württemberg mit dem Kronenorden decorirt und wurde ihm der persönliche Adelstand verliehen. Herr Heinemann kam vor ungefähr 20 Jahren ganz vermögenslos hierher und ist jetzt einer der angesehensten Bürger hiesiger Stadt und Inhaber von 7 Orden. (Hamagid.) Pas Licht der Piaspora. in. Aie Iseuersörnnst. Wir haben schon erfahren, daß der Eunuch Johann, der erste Minister des Kaisers Basil H., ein ehrgeiziger, ränkevoller Mann war; dock lebte ein Gefühl in feiner Brust, das noch stärker war als sein Ehrgeiz, noch größer als seine Habsucht: daS war sein Haß gegen die Juden. Von griechischer Abkunft, theilte er das Vorurtheil seiner Stammesgenossen gegen die Nachkommen Jakobs; dazu kam noch, daß ihn ein Jude einst vor ganz Konstantinopel lächerlich gemacht hatte. Als nämlich Johann noch nicht der einflußreiche Minister war, saß er eines Tages mit mehreren Freunden in einer Taverne. Die Gesellschaft war wohlgemuth, denn sie hatte dem edlen Cypernweine wacker zugesprochen. Da trat ein armer, barfüßiger Jude herein und bot den Gästen seine geringen Maaren an. Johann wollte den Juden verspotten und rief ihn zu sich; als der Haunrer vor ihm stand und ihm die Maaren anpries, sagte Johann: „Behalte Deine Maaren, ich kaufe sie nicht; aber belehren will ich Dich. , Siehe, wer hoch zu Roß sitzt, ist ein Fürst, wer zu Magen reist, ein Edelmann, wer fest in seinen Schuhen auf tritt, ist ein Mensch. Was ist aber der, welcher nicht einmal ein Stück Leder hat, die Blöße seiner Füße zu bedecken? — Weißt Du's nicht? ich willlsDir sagen: ein elender, schmutziger Jubel" Da flammte das Auge des Juden voll Zorn; doch er mäßigte sich und antwortete ruhig: „Ich danke Euch , hoher Herr, für Eure gütige Belehrung; doch will ich Euch eine andere, nicht minder gute. Lehre dafür geben. Seht, des Mannes Zierde ist der Bart, seiner Augen Luft ist sein Weib, seines Herzens Freude sind seine Kinder! Gelobt sei Gott, der Dir, Eunuch, das Alles versagt hat!" Eilig raffte der Jude seine Maaren zusammen und verließ die Taverne. Johann saß wie erstarrt da, bis ihn das Gelächter seiner Gefährten wieder zu sich brachte. Da knirschte er mit den Zähnen, da hallte er die Faust und schwur Rache nicht nur diesem, sondern allen Juden. Wie ein Lauffeuer hatte sich das Zorneswort des armen Hausirers durch Konstantinopel verbreitet. Der Eunuch Johann war schon damals sehr verhaßt; er war zu jener Zeit ein Parteigänger des Usurpa-i tors Nicephor II., den spater Johann ZimeSces in seinem Schlafgemache ermordete. Die Gegenpartei bemächtigte sich sofort jenes Ausspruches, der den Eunu-. chen bis in's Herz getroffen hatte, und oftmals mußte; Johann es hören, daß einer seiner Gegner ihm znrief: „Des Mannes Zierde ist der Bart!" Rasch fiel dann ein Anderer ein: „Seiner Augen Lust ist sein Weib!" und ein Dritter rief: „Seines Herzens Freude sind seine Kinder!" „Gelobt sei Gott," schrieen dann Alle, „der Dir, Eunuch, das Alles versagt hat!" Und jedesmal, wenn Johann so verhöhnt wurde, knirschte er mit den Zähnen und ballte die Faust und schwur Rache den Juden. Jetzt nun war Johann der mächtige Minister des Kaisers Basil II.; jetzt glaubte er die Zeit der Rache gekommen; allein all sein Mühen scheiterte an dem festen, gerechten Sinne des Kaisers. Er bedurfte eines Vorwandes, um den Juden zu schaden, und dieser wollte sich lange nicht bieten. Unterdeß sollte die Hauptstadt des oströmischen Reiches von einem furchtbaren Unglücke heimgesucht werden. Es war in einer dunklen Nacht, als plötzlich ein Lichtschein am Horizont aufleuchtete. Bald erschollen die Sturmglocken in der ganzen Stadt; eine Feuersbrunst war ausgebrochen. Die vielen hölzernen Häuser, Tavernen und Läden wurden bald vom Feuer ergriffen , das sich wie eine ungeheure Riesenschlange durch die Stadt wälzte. An Löschen war kaum zu denken; die Lö scharr statten waren in jener Zeit im höchsten Grade unvollkommen, und die hölzernen Hütten der Armen wären auch durch die vortrefflichsten Löschmittel nicht zu retten gewesen. — Ach, welch' herzzerreißender Jammer durchtönte da die Stadt! Da das Feuer mitten in der Nacht ausgebrochen, so hatte es viele Leute im Schlafe überrascht. Manche retteten noch das nackte Leben, Andere kamen im Feuer um, wieder Andere stürzten sich in die Flammen, um Weib und Kind zu retten und wurden von dem brennenden, zusammenstürzenden Gebälk begraben. Mütter riefen verzweiflungsvoll nach ihren Kinder«^ Kinder jammerten um die verbrannten Eltern, Alle um die verlorene Habe. Rahbi Gerschom's Haus war eins von den ersten, das vom Feuer bedroht w/»r; er hatte sich aber noch nicht zu Bette gelegt — er schrieb an seinem Talmudcommentar. Das rettette ihn und die Seinen. Nasch weckte er seine Frauen, belud sie mit Gold und Edelsteinen, während er selbst seine kostbaren Manu-

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