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Der Israelit · 1869-05-05 · Heft 18 (5.5.1869) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 18 (5.5.1869)
Date
1869-05-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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356 wie viel hätte da die große und reiche Gemeinde München geben müssen, um solch ein Lob zu verdienen? — Red.) Spanien. Madrid 13. April. Der Redner der Ultramontanen, Canonicus Monterola, hatte den Verfassungsentwurfangegriffen und zu Gunsten der katholischen Glaubenseinheit alle die vulgären Beweisgründe, historischen Unwahrheiten und schwachen Sophismen zu Felde geführt, die man hierzulande noch vorzubrmgen Pflegt. Er überschritt aber das gewöhnliche Maß dieser Abgeschmacktheiten noch, indem er den Katholicismus für die einzige Grundlage der Wissenschaft, die deutsche Wissenschaft für mit Recht discreditirt erklärte und einen Judenhaß an den Tag legte, wie er kaum in den finstersten Zeiten des Mittelalters bestand. Rach ihm haben die Juden nie etwas für die allgemeine Gesittung und Bildung geleistet; die Juden sind nur fähig. Pantoffeln zu machen (Anspielung auf die hier hausirenden jüdischen Pantoffelverkäufer aus Marokko); die früheren Judenverfolgungen waren nur die gerechte Strafe für die von den Juden ausgeübten Gräuel und Bedrückungen; der Talmud befiehlt den Juden, dreimal des Tages die Christen zu verfluchen, ihnen durch List und Gewalt Güter und Leben zu nehmen; die Juden h .ben viele Kinder auf barbarische Weise geopfert. Nachdem mit der Revolution bereits der Cancan in Spanien Eingang gefunden, würde Trennung von Staat und Kirche den MahomedaniSmus, die Vielweiberei, heidnische Culte und Pagoden bringen. Monterola stellte am Schluß seiner dreistündigen Predigt das Dilemma: Entweder Katholicismus als Staatsreligion oder Atheismus Die Majorität war inzwischen sichtlich immer unruhiger geworden, aber keines ihrer Mitglieder ergriff das Wort zur Widerlegung. Jedermann aber fühlte sich wie von einem Alp erlöst, als Ca stelar das Wort verlangte, und mit steigender Aufmerksamkeit, mit immer mächtiger wachsendem Beifall folgte die ganze Kammer dem großen Redner, der ein Argument seines Gegners nach dem andern zerstörte , alle seine geschichtlichen Fälschungen widerlegte, seinen Anekvoten sogar der Reihe nach neue entgegensetzte und in improvistrter Rede den Grundsatz der Glaubensfreiheit ebenso glänzend als erschöpfend vertheidigte. Unterstützt von seinem seltenen Gedächtniß, berief er sich bald auf die Kirchenväter, bald auf die Bibel, bald auf die Männer der französischen Revolution, um alle Citate Manterola's aus dem Felde zu schlagen. Da dieser behauptet hatte, die katholische Kirche habe zuerst und immer den Grundsatz der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aufgestellt, so führte Castelar das Inventar des Klosters von San Damian an, in welchem als Besitz zuerst 50 Stuten, 30 Mauren und 20 Maurinnen registrirt waren. Gegenüber ^er Behauptungen, nicht die Kirche, sondern die Civilgewalt habe die Ketzer getödtet, rief Castelar unter allgemeinem Beifall aus: „ Dies ist, wie wenn ein des Mordes Angeklagter sagen wollte, nicht er, sondern sein Dolch habe gemordet; die Inquisition war der Dolch der Kirche"! Monterola hatte gemeint, wenn Castelar in Rom gewesen wäre, so würde er anders von Rom denken; darauf entgegnete er: „Ja, ich bin in Rom gewesen und habe dort Folgendes gesehen: In dem von Baffari gemalten königl. Saale befindet sich eine Freske, auf der die Abgesandten des Königs von Frankreich gemalt sind, welche dem Papste das Haupt Coligny's überbringen; dort befindet sich neben anderen Kirchen - Berühmtheiten die Apotheose der yenker und Mörder der Bartholomäusnacht." Er sagte, die katholische Kirche dürfe sich nicht, wie Monterola meine, eines Malebranche, Cartesius und Origines rühmen, da sie dieselben verfolgt habe oder nicht mehr als die Ihrigen anerkenne. Er berief sich auf Spinoza, Disraeli, Daniel Manin, Abkömmlinge der spanischen Inden, um die Befähigung dieser Race zu beweisen. In Livorno habe er Juden gesunden, die heute noch Spanisch sprechen und das undankbare Spanien nach vier Jahrhunderten der Ungerechtigkeit noch als ihr Vaterland ansehen. Ein unbeschreiblicher Auftritt folgte auf diese Worte, mit denen Castelar schloß. Topete brach in lautes Weinen aus. Serrano, Prim erhoben sich, um Beifall zu rufen, Figuerola eilte durch den Saal die Treppen der Linken hinauf und umarmte Castelar, ebenso Sagafta; die ganze Mehrheit, Ri o s Rosas selbst, erhob sich von dem Sitze und ging zur Linken hinüber, um Castelar die Hand zu drücken. Posada Herrera ries aus: „Seit vierzig Jahren parlamentarischen Lebens habe ich einen solchen Triumph nicht gesehen!" Die Mitglieder der Mehrheit verlangten, man solle eine Million Abdrücke von der Rede Castelar'S im ganzen Lande verteilen. Inzwischen war Manterola mit zwei Bischöfen und drei anderen Mitgliedern dieser Partei ganz allein auf den Bänken der Rechten geblieben. Rach einigem Zögern erhoben auch sie sich, und verließen die Hände faltend und gesenkten Hauptes den Saal. Asien. Jokohama (Japan). In dieser Stadt wohnen ungefähr 50 jüdische Familien, die gegenwärtig im Begriffe sind, eine Synagoge zu erbauen und einen Friedhof anzulegen.

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