Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1869)
- Date
- 1869-05-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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355 — (um so die leichtgläubige oder ungläubige Menge zu ködern), wird doch bald darauf mit jenem liebenswürdigen Egoismus gesagt: „Sie (die Beschlüsse) besitzen allein die Autorität, welche jede Vereinigung in sich trägt und zugleich aus der Bedeutung der Mitglieder und aus der Weisheit der Beschlüsse selbst fließt." Ist das nicht ganz jenes Gtf -jb r.tfyjn der Thurmbauer? Wünschen wir, nun diesen Herren viel Glück zu ihrem Unternehmen; unbesorgt dürfen wir aus ihre Zusammenkunft blicken, wie auf ihre Beschlüsse, denn wir stellen das von ihnen selbst ausgesprochene Proguostikon: „Ihre Beschlüsse haben keine Gesetzeskraft, „sie haben nur die Autorität, die aus der Be- „deutung der Mitglieder und aus der Weisheit „der Beschlüsse selbst fließt." Altona. E. Munk. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, im April. „Mein Freund ging in seinen Garten, Rosen zu sammeln." Also heißt es ihm hohen Liede, und unsere Weisen bemerken dazu, daß „mein Freund" der Heilige, gelobt sei Er, „Sein Garten" die Welt und „die Rosen, die Er bricht" die Frommen seien, die nach Seinem heiligen Rathschlusse hinweggenommen werden sollen von dieser Welt. Ach, eine solche Rose ist vor einigen Wochen in unserer Nachbarstadt Wiesbaden gebrochen worden! Dorthin hatte sich die Familie des durch seine Frömmigkeit, feine hohe Tugenden, seinen Edelmuth mit Recht so berühmten Freiherrn Wilhelm von Rothschild ■w n: begeben, um in dem milderen Klima daselbst Linderung des Keuchhustens zu suchen, von welchem die Kinder waren befallen worden; da ward die älteste Tockter, Fräulein Sara Georgine von Rothschild, von einer Gehirnentzündung betroffen, und nach wenigen Tagen hauchte die Edl,e in einem Alter von 17 Jahren, ihre reine Seele aus. Wir sagen nicht zu viel, wenn wir behaupten, daß durch diesen frühzeitigen Tod das Iudenthum einen großen Verlust erlitten. Wer dem Hause des Freiherrn Wilhelm v. R. näher steht, der weiß es, in welchem Sinne und Geiste derselbe seine Kinder erzieht, der weiß es, daß die edle Dahingeschiedene, wenn Gott ihr das Leben erhalten, ein echt jüdisches Haus würde begründet haben. Eine siebenzehnjährige Baronin, deren Herz durchglüht war von der strengsten Pflichttreue, — was hätte diese Edle noch Alles leisten und wirken können in einer Stellung, welche die Mittel zu segensvollem Wirken so reichlich bietet! Gott hat es anders gewollt; Sein heiliger Name fei gepriesen! Wir hatten Gelegenheit, die wahrhaft religiöse Ergebung und Fassung des so tiefverwundeten Vaterherzens zu bewundern. — Möge der allgütige Gott die so hart geprüften Eltern künftighin nur Freudiges erleben lassen! — □ München 21. April. Von zuverlässiger Quelle wurde mir das vorläufige Resultat der hiesigen Sammlung für unsere nvthleidenden Brüder in Rußland und Ostpreußen mitgetheilt. Ein bestimmtes Endergebni kann ich deßhalb noch nicht berichten, weil die Hauscollecte, zu welcher Se. Maj. der König unserm Hrn. Rabbiner H. Aub, dem Herrn I. Gemeindevorstande, Consul rc. M. Willmersdörffer, und dem Herrn Vorstand des FrommenvereinS Joseph Billmann die gnädigste Erlaubniß ertheilt hatte: noch fortdauert. ' Es wurde bis heute einstweilen die bedeutende Summe von 1837 fl. 30 kr. an die betreffenden Comitö's abgeschickt, und dürften sicherem Dernebmen, noch ca. 500 fl. zu erwarten sein. Von ersterer Summe wurden direct -mrch Hrn. Rabbiner geschickt: An das Eomito zu Memel Thlr. 450. „ „ „ „ Lyck „ 450. „ „ „ „ Königsberg „ 450. Voriges Iabr wurden durch Hrn. Rabb. gesandt: An das Unterflützungscomite nach Memel 488 Thaler und nach Lyck 487 Thaler, Summa 1706 fl. 15 kr., außerdem was Einzelne bereits früher gegeben. Diese Zahlen beweisen hinlänglich, daß die edle israelitische Gemeinde Münchens nicht nur Wohlthätigkeits-Sinn in reichem Maaße besitze, sondern daß sie diesen auch — und nicht erst seit heute — durch die That beurkunde. Es wurde in diesen gesch. Blättern von der Redaction mit Bedauern bemerkt, daß in dieser Angelegenheit, in der es für jeden Angehörigen unseres Volkes Herzenspflicht sein muß, das Seinige beizutragen, die Reichen zurückgeblieben und ihr Vermögen zu sehr geschont; ich conftatire daher mit Freude, daß sie hier das Ihrige redlich gethan zur Linderung der Noth ihrer Glaubensbrüder! nteV -tritt 2N «ln Zum Schluffe muß ich noch bervorheben, daß vorzugsweise den Bemühungen des Herrn Billmann es zu danken, daß ein so günstiges Resultat erreicht wurde. — .v6k /-i 1212' ntn i2in '2 (Wir können mit unserm Herrn Correspondenten nicht einstimmen in ein überschwengliches Lob, das unserer Ansicht nach durchaus unverdient ist. Wenn die iör. Gemeinde Greußenheim, die aus 10 wenig bemittelten Familien besieht, 120 fl. beigesteucrt hat,