Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1869)
- Date
- 1869-05-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447395-2447413--07184-2462773- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
354 heißt nicht, die einzelnen Personen sprachen unter einander, sondern eine Nation in ihrer Vertretung zu der andern Nation. Also eine Synodalversammlung von verschiedenen Nationen beschlossen, dieses Denkmal der Errungenschaft ihrer Zeit zu setzen. Und was war der löbliche Zweck des Ganzen? dp u1? nspj/Ji r"y -rd-r o& 'payDtin "n ’Jn — wir wollen uns einen Namen machen. Es lehrte N. I. „Name" ist nichts anderes als Götzendienst. Der verwerflichste Götzendienst ist die Selbstvergötterung, wenn der Mensch seine von Gott ihm verliehene Vernunft als das Höchste setzt, sie als Nichterin seiner Thaten anerkennt und sie unabhängig von jenem höchsten Wesen wähnt. Diese Selbstvergötterung, welche in der geselligen Vereinigung daö höchst - Ziel und die Hauptaufgabe des Menschen setzt, war jener Götzendienst der Thurmbauer. Nach dieser Darstellung dürfte wohl die Zusammenstellung der ersten Synode unserer heutigen Reformer mit dem babylonischen Thurmbau gerechtfertigt sein. Doch sehen wir zu, was die Veranlassung zur Synode und was ihr Zweck sei. „Ihr Ursprung", heißt es Nr. 14 d. all. Z. d. I., ' „liegt durchaus in der freien Vereinigung." — Dem gegenwärtigen Menschen wohnt eine zweifache Richtung inne, die nach der persönlichen Freiheit und die nach der Association, nach der Vereinigung; die eine treibt auch zur anderen hin. Die persönliche Freiheit betätigt sich erst recht in der freien Vereinigung, was die erste individuallsirt, isolirt und auslöst, also an Können und realer Kraft verlustig macht, das gibt die zweite wieder zurück; die persönliche Freiheit ohne Association hat geringe Wirksamkeit, die freie Association eröffnet der persönlichen Freiheit das Feld der Thatkraft und Verwirklichung." Soweit der Urheber der neuzubegründendeu Association im Iudenthume. Ohne weiteren Commentar wird jeder Leser wohl selbst über diese Worte staunen. Von der ursprünglichen Einheit und Zusammengehörigkeit der Juden und von dem göttlichen Bündnisse kein Wort, eine neue Vereinigung soll geschaffen werden, heißt das nicht DipD DVDJ3 tpi , daß man vom Göttlichen sich entfernt? Und was ist die Veranlassung und der Zweck dieser Synode? Hören wir weiter. „Sie (die Synode) will Vergangenheit und Gegenwart in Ihrem Widerstreit ausgleichen und versöhnen." Machen wir einen Augenblick Halt und erwägen den Satz genau. Vergangenheit und Gegenwart in ihrem Widerstreben sollen ausgeglichen und versöhnt werden. Zwischen zwei Parteien soll eine Ausgleichung herbeigeführt werden und die Synode soll das Schiedsrichter-Amt übernehmen. Betrachten wir uns dieses Trifolium. Zunächst also die Parteien. Die Vergangenheit und Gegenwart, beide nach der Meinung des Verfassers, gleichberechtigt. Um diese Gleichberechtigung würdigen zu können, haben wir den Rückweg einzuschlagen von der Gegenwart auf die Vergangenheit. Die Gegen- *—* (ur wart hat die Gewissensfreiheit zur Devise, eine Forde- 8*^ köd, rung, die unbedingt von jedem Edeldenkenden als eine würdig gerechte anerkannt wird; doch haben wir Gewissensbesitzen freiheit von Willkür genau zu unterscheiden. Ge- /ich Wissensfreiheit oder die Freiheit des Gewissens setzt M(tg also voraus, daß Jemand ein Gewissen habe, dasselbe scklüsse zur Richtschnur seines Lebens gemacht und deshalb jedes ihm entgegen tretende Hinderniß zu bekämpfen . ® sucht. Ein Gewissen setzt aber auch ein Wissen voraus, ihrem ein Kennen wenigstens seiner eigenen Persönlichkeit. Zusami Ist das wirklich bei der großen Masse der Jetztzeit Ä!r und besonders bei der größeren Zahl der Mitglieder Prognc der Synode der Fall? Ist es nicht vielmehr, wie unsere Alten sagen? 'd wvj «-oy der „ Sklave — und wer ist mehr Selave, als der, der n nicht Herr seiner Sinnlichkeit ist — hat an seinem « ungebundenen Treiben Wohlgefallen, so daß er dieser All seine persönliche Freiheit selbst zum Opfer bringt? Diese große Masse, die Sklaven ihrer Sinnlichkeit, - die Partei der Gegenwart, welche im Widerstreite . mit der Vergangenheit ist, weil diese gerade ihrer SSW&t Willkür Schranken setzt, diese nun soll das SchiedSrichter-Amt führen? Diese Männer der Gegenwart, die gerade im Widerstreit mit der Vergangenheit sind? Weißt Du, lieber Leser, einen analogen Fall, daß die eine der Parteien das Schiedsrichter-Amt übernimmt? N Doch sehen wir von diesem parteiischen Richteramt seinen < ab und sehen uns noch einmal die Parteien an. In ihm ho! wie fern kann die Gegenwart in ihrem Widerstreit daß „m mit der Vergangenheit gleichberechtigt sein, daß letztere Garterll ihr zu weichen habe? Doch nur dann, wenn man Frommt das Vergangene als ein Product eben der Vergangenhinwegg heit setzt und daher nur der Zeit angehörend be- Aö zeichnet. Ist das aber etwas anderes als jene Dnm unserer! O'-inrr des Thurmbaues? Heißt es nicht sprechen gegen Dorthin den l?*nitn ’piVx lj’ppN Sind es nicht ferner migkeit, □mn« Qnan (nach einer anderen Erklärung) verso berül schlossene verborgene Reden, wenn man einerseits *’>]«'’ nj sagt: „Sie will das Ueberlieferte der Vorzeit mit den Linderur Erzeugnissen und der Richtung der Gegenwart in die Kind Einklang bringen — also das Alte höchstens mvderni- Tollster, siren, ihm einen neuen modernen Anzug geben — schild, und anderseits bald darauf sagt: „Sie will weder die nach wei Vernichtung, noch die Vereinigung, sondern die Entvon 17 Wicklung" — also nicht die Erhaltung und Moderni- Wi sirung, sondern das Aufgehen des Alten in das Neue. daß dm Sind nun Charaeter und Wesen jener rauhen Horden einen gr und die der Feingebildeten der Gegenwart noch ver- Freiherri schieden? Auch jene Selbstvergötterung soll dieser welchem Versammlung nicht fehlen; denn wenn auch der Schöpfer zieht, bei dieser Synode in Bezug auf deren Beschlüsse mit Gott ihi einer stolzen Zufriedenheit sagte: „Ihre Beschlüsse Haus r haben keine Gesetzeskraft und beanspruchen diese nicht" Baronin, st en Ps