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Der Israelit · 1869-05-05 · Heft 18 (5.5.1869) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 18 (5.5.1869)
Date
1869-05-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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349 Nachbaur auS München wollte sein Gastspiel m Breölau als Lohengrin eröffnen!, erhielt aber vom Theaterdirector Lobe wörtlich folgende Depesche: „Wagner gegenwärtig wegen seiner Broschüre nicht zu riskiren. —. Lobe." Aus VFestphalen. Dem Beispiele anderer größern Städte gemäß hat sich kürzlich auch in der Stadt Münster, der Hauptstadt der Provinz Westphalen, ein Comitö zur Linderung des leider! noch immer fortdauernden Nothstandes unter unseren Glaubensgenossen in Rußland und Polen constituirt. Dasselbe hat vor einigen Tngen an sämmtliche jüd. Gemeinden Westphalens eine Aufruf erlassen und bereits 190 Thlr. au das Coinite in Königsberg gesandt. Ncurvred am Rhein, im April. Ein höchst seltener Todesfall ist in dem eine Stunde von hier entfernten Dorfe Rodenbach vorgekommen. Die beinabe 80 Jahre zählenden Eheleute Jacob Löb von dort starben im fünfzigsten Jahre ihrer glücklichen Ehe am 12. d. M. fast in einer stunde. Die Verstorbenen standen in gleichem Alter — der Mann war nur zwei Tage äiter als seine Gattin -- und waren gleichzeitig erkrankt. Gleich diesen wichtigen Momenten hatten auch ihre geistigen und sittlichen Anlagen eine so merkwürdige Aehnlichkeit, daß man glauben 'nockte, in den beiden Gatten wohne nur eine Seele. Dieses macbte denn ibre Eb", auch ohne den Segen irdischer Güter, zu einer recht glücklichen. Fleiß, Anspruchslosigkeit und eine aufrichtige Religiosität hatten ihnen die Achtung und Liebe Atter, die sie kannten, erworben; häusliche Eintracht und eine gegenseitige, noch in den Lebensstnnden sichtbare, fast kindliche Zärtlichkeit ließen sie als oas Bild einer echt jüdischen Ehe erscheinen. Die Menge, welche den beiden Särgen bis;um Gottesacker folgte, wo die irdischen Reste der im Leben und im Tode Vereinten liehen einander ruhen sollten, sah es bewahrheitet, daß mw fco omoa on^ro D’anwn „die im Leben sich liebenden auch im Tode nicht getrennt werden." — Nach der östern Aeußerung der Dahingeschiedenen hatten sie in ihrem hoben Alter täglich um ein kurzes Krankenlager und einen gemeinsamen Tod gebetet, ojtkw yotc” oryw nw rwjr r*rp psn. Oösterreichischer Kaiserftaat. ZVieN Es vl gerade ein Jahr, daß eS den Juden erlaubt ist, sich in d r Milittirgreuze gstderzulaffen. Bis jetzt hat aber noch kein Jude von dieser Erlaubniß Gebrauch gemacht aus Furcht vor Bedrückungen. Di? „Agramer Amtszeitung" veröffentlicht daher nochmals die vorjährige Verordnung mit dem Zufügen, daß man die Juden ersucht, sich in der Miliiärgrenze zu besetzen, Häuser und Felder anzukaufen, und sollten sie durch Brand und Raub beschädigt werden, so müsse der Schaden aus der Gemeindekaffe er-! setzt und im Falle eines Mordes an die hinterlaffenm Frau und Kinder eine jährliche Pension bezahlt werden. (Schöne AuSsi bten!) Pesth In den ungarischen Reichstag wurde unser Glaubensgenosse, Herr Wahrmann aus Pesth, gewählt. Pesth 20. April. M. H. „ES ist ruhig^ — in Ungarn; doch herrscht hier nicht, wie einst in Spanien „ vie Ruhe eines Friedhofes," auch nicht jene „vollkommene Ruhe, die Du, o Herr, willst," sondern diejenige Sabbatruhe, deren man nach vollbrachten mühevollen Arbeiten und vor bevorstehenden heißen Tagen bedürftig ist. Eine heiße Schlackt ist geschlagen, die jetzt um so mehr einen zeitweiligen Waffenstillstand vorschreibt, als sie durchaus nicht entscheidend war. Wohl sind viele besiegt, viele gefallen, dock nur einzelne Individualitäten und individuellen Ansichten; im Großen uud Ganzen aber hat ans dem Schlachtfelde des Congresses, wo die Hauptfactoren: gemäßigte Reform und culturfreundliche Orthodoxie, die Ultrareform und äußerste Orthodoxie aber nur kurze Zeit im Kampfe waren, im Großen und Ganzen, behaupte ich, bat keine von diesen Parteien entschieden gesiegt. Daher die sich in Ruhe hüllende Unzufriedenheit ans fast allen Seiten, ausgenommen diejenigen Söldlinge, die in Kriegszeit „befördert wurden. Wenn aber auch kein Princip entschieden gesiegt, so sind dennoch zwei entschieden besiegt worden, nämlich die Ultra re form und culturfeindliche Orthodoxie. In diesem Siege theilen sich nun die beiden andern sich gegenüberstehenden Parteien. Die gemäßigte, d. h. cnlturfreundlicke Orthodoxie kann mit Recht den Sieg über die Ultrarcform sich zuschreiben, während die gemäßigte Reform die äußerste Orthodoxie besiegt zu haben glaubt. Uebrigens wollen Biele behaupten, daß die Extreme, nachdem sie sich berührt, einander verdrängt haben. — Wohl möchte mancher fragen, wie weit denn am Ende von eulturfreundlicher Orthodoxie zu gemäßigter Reform eigentlich sei? Denjenigen, der so fragt, will ick nur darauf aufmerksam machen, daß ich unsere ungarisch s. g. Fortschrittspartei nicht etwa glaubensfeste, traditions getreue, sondern gemäßigte. Reform nannte — gemäßigt, aus Opportunitatsgründen. Die entschieden gefallene Ultrareform - Partei ist namentlich von dem Dolche, den ihr der Beschluß von coufessiouellen Schulen ins Herz stieß, tödtlich verwundet worden; und bedarf es zur Zeit von rrTin Dvcn nur des Rusts: „Simultansckulen! auf! Simultanschulen! um diese nun tief schlummernden Herren zu erwecken, welcher Ruf übrigens damals um so mehr wird ertönen können, als es von dieser Zeit beißt: nnsr ia«n in« 'n nw wnn ora. —

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