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Der Israelit · 1869-05-05 · Heft 18 (5.5.1869) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 18 (5.5.1869)
Date
1869-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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347 chmcrzlich empfunden habe, daß in der hiesigen Grillende seine Briefe an. den. Fürsten von Hohenzollern wrgtn ünirer armin Glaubensgenossen in Rumänien si> wenig Theilnahme hervorgerufen hätten und wie aus der ganze großen Gemeinde nur 1 Mann bei ihm sich eittgefundeN, um ihm den tiefgefühlten Dank für seine Verwendung auözusprechen; und dieser Mann war gewiß ein Mitglied des Vorstandes oder der Rabb. — nein der sel'ge Rosenstein Und nun Virchow und Eckardtwas hat denn das Judenthum mit diesen zu thun? Nichts, aber sie mit ihm. Und sonderbar. Der Mcdicincr Virchvw, der gewiß den zahlreichen indischen Aerzten aller und neuer Zeit die bedeutendsten Verdienste um seine Wissenschaft nicht absprechen kann, greift das Zudcnthum an, der Aesthetiker Dr Ludwig Eckardt, der in seinem speciellen spache wenigere Leistungen der Juden zu verzeichnen hat, tritt als Lobredner derselben auf. Es würde zu weit führen, wollten wir den Vortrag Eckardts: „Die Juden in der Kunst des Alterthums," den er anr vergangenen Samstag gehalten, ausführlicher mittheilen. Es genüge daö eine Wort, daß er eine ähnliche Apologie des IuventhumS und seiner ßtteratuv, besonders der poetischen hielt, wie das im „Jsr." schon nuhrmalS von dem Pater Ahcicinth in Paris gemeldet wurde, und daß er der hebr. Dichtung vielleicht mehr bmbitiri als ihr gebührt, wie den Hexameter u. dgl. — Virchow hingegen griff das Iudenihüm in einer Anmerkung seiner gedruckten Vorträge an und rief dadurch ein offenes Sendschreiben des Dr. D. Cassel hervor, das gewiß gewaltiges Aufsehen erregen und endlich alle leichtfertigen und lächerlichen Angriffe auf daö Judentbum und seine Religion, alle Behauptungen, daß die Gibst einen Gost der Rache und den Geist der Intoleranz lehre, verstummen machen wird. Wenn wir H. Dr. Cassel hierfür den innigsten Dank aussprechen, wenn wir ihn überhaupt als einen der cdelstetr, leutseligsten und gefälligsten der hiesigen Gelehrten nicht geuUc, loben können, so zwingt uns andrerseits unser religiöses Bewußtsein, auch ihm, und spricht er uns vielleicht auch jedes Recht zu einem solchen Beginnen ab, die Frage vorznlegen, uns6 DK “DK Aber, was gibt utiö in der That das Recht hierzu? Antwort: Dr. C. hat sowohl hier als außerhalb den Namen eines orthodoxen Mannes, und dieser Ruf trägt gewiß sehr viel dazu bei, seinen sehr zeitgemäßen und praktischen Schulbüchern: Sabbatstunden und Leitfaden für jüdische Geschichte, auch in orthodoxen Schulen die weiteste Verbreitung zu verschaffen. Wer aber in dem genannten Sendschreiben den geheiligten GotteSnamensganz ohneGründ ausgeschrieben lieft und dafür bei dem besten Willen keine solche Entschuldigung, wie für viele andere anstößige Stellen dieser Schrift finden kann, wer dazu die in der „Übersetzung des Kusari" MedkrDlSgte Annahme eines 2. Jesaia rechnet, wer weiß, daß C. an den DicnstagSvorlesungen sich betheiligte und dabei, um nicht Farbe bekennen zu müssen, sein Thema ans einem ganz neutralen Gebiete gewählt hat; der wird nur nach der sorgfältigsten Prüfung die genannten Bücher der Jugend in die Hände geben, um nicht Zweifel und Unglauben in ihnen hervcrzubringen. Es ist rn der That nicht nur vom Standpunkte der Religion, es ist selbst vom Standpunkte der Pädagogik zu verurteilen, in Büchern, die für Kinder bestimmt sind, irgend Etwas in zweideutiger und zweifelhafter Form auszudrücken. Die Jugend ist ohnehin zweiselsüchtig und mit absprechenden Urtheilen über Dinge, die.sie gar nicht versteht, sehr rasch bei der Hand. Ern Zweifel über die einstige Ankunft des Messias (in den „Sabbatstunden" *) ift daher den Kindern ein absoluter Beweis feines Nichterscheinens; solch schiefe Urtheile über den Talmud und andere dem Juden heilige Bücher, gänzliche Auslassung der Geschichte Esthers, geringschätzende Urtheile über berühmte Rabbinen und ganze Epochen der jüdischen Geschichte und ganze Paragraphen des Lobes und der Auszeichnung der neuern Reformhelden, wie sie der „Leitfaden" enthält, bringen unwillkürlich in den Kindern Anschauungen hervor, wie sie auch Herr Dr. C. unmöglich wünschen kann. Eine Persönlichkeit angreifen müssen, fällt jedkm ehrenhaften Menschen schwer; zu dem Schritte, Dr. Cassel, den wir als Menschen verehren, als Juden anzugreifen, hat uns nur unser religiöses Pflichtgefühl gezwungen. IV. Sonntag den 15. April fand, wie bereits berichtet, in der neuen Synagoge unter der Mitwirkung der Primadonna, Frau Jachmann-Wagner, ein Concert statt, dessen reichhaltiges Programm Compositionen von musikalischen Größen — mit Ausnahme Wagners — enthielt. Dieses Ereigniß, das in der jüdischen Geschichte vereinzelt dasteht, bildet selbstverständlich in allen Schichten das allgemeine Tagesgespräch. Doch hat daö heilige Wetter keinen großen Schaden angerichtet und die Sonne wird um keinen ihrer Meridiane verkürzt dadurch werden! Die Absurdität dieses Factums zu illustriren, überlassen wir der allgemeinen Entrüstung, die non voos darüber herrscht; doch die Consequenzen und die daraus resultirenden, unabsehbaren Folgen wollen wir überschauen. Die lieblichen klänge und die heiligen Töne haben auf die Gemüther wenig gewirkt, eö herrschte vielmehr Verstimmung und Dissonanz, weil ein Geiger fehlte! Man gibt sich al- *) Die Bücher sind uns nicht zur Hand, um diese Stellen näher anzugeben oder wörtlich anzuführm.

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