Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1869)
- Date
- 1869-05-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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346 'euburge urck der alten Synagoge begnügen würden, wenn sie nicht auch von dort ungerechtes LHeise durch pif Pxedigtez; Ihres schon vor seiner Thßlllzghuzß an tzer Cgsseler Syr n'ode als Neologe bekgplMi Pretzzger^, dG Herrg D$. Aub, vertrieben würden. Mit der Gewißheit in diesen Zeiten als das Organ einer bedeutenden Anzahl von Gemeindemitgliedern vor Ihnen zu erscheinen, bittet bie:>offene unumwundene Sprache nicht falsch zu deuten höflichst I) r. L. Sternheim, Spandauerstr. 65. Berlin, 26. April 1869. XU. Berlin, am 12. Jjar 5629. Der Leser wird wohl nach den früheren Berichten des „Isr." von hier die Meldung gewaltiger Veränderungen erwarten und solcher Thaten, <-ie beweisen, daß man endlich Ernst zu machen gewillt sei. Allein bis setzt ist noch, nichts. Entscheidendes geschehen, aber ziemlich viel geredet und geschrieben und gedruckt. Doch ist auch das schon erfreulich, und wird am Ende auch zum Ziele führen. Den Anfang machte die Warnung des Hrn. Dr. Sternheim, die auch der „Isr." im Inseratentheile brachte. Einer solchen Frechheit hätte sich freilich hier Niemand versehen. Bei solch trefflichen Zuständen, daß gar kein Gemeindeangehöriger oder ein älterer Mann etwas auözusctzen hatte, wagt eS ein junger Mensch, der nicht Rabbiner, nicht Gemeindemitglied ist, eine Brandfackel in dieselbe zu werfen, die Aufsicht des Rabbinates für null und nichtig zu erklären, dem Publikum den herrlichen Genuß der Aub'schen Predigten verbieten zu wollen rc., und dieses Pamphlet sogar nach auswärts zu versenden, Berlin in Verruf zu bringen und vom Beziehen Berliner Waaren abzurathen! Nur der Vorstand in Ratibor hat *) da seine Pflicht richtig erkannt, muthig den frechen Menschen in seine Schranken gebührend zurückgewiesen und diesem „Erzmucker" derb die Meinung gesagt. So vernünftig waren freilich nicht Alle: es gab hier und in der Umgegend ungebildete und dumme Männer genug, die auf die „Warnung" hörten unh ihre, nmv aus Hamburg, Filebne, Grätz, Breslau rc. kommen ließen. — Ueberhanpt geschehen hier noch Dinge, die nicht allzusehr für die Intelligenz eines ziemlich großen Tbeiles der Gemeinde sprechen. An Peßach fand nämlich, die Neuwahl für 2 austretende Mitglieder des Beth-Hamidrafch.Vorstandes statt. Das Beth- Hamidrasch besitzt bedeutende Mittel und die Stifter, die einer entschwundenen, in kindlicher Einfalt hinlebenden Zeit angehörten, hatten als Zweck den Unterricht im Talmud und die Unterstützung der Talmuds jünger festgesetzt. Der Vorstand der Gemeinde weiß *) In einem Inserate der „Z. d. I." sehr rvohl, daß, wenn sie heute noch lebten, sie eher protestantische Theologe^ als Leute unterstützen würden, bif mit solch veralteter^ Kxame sich befassen, und wollte dzrum ßine Nevitzirung der Statuten vornehmen. — Die Zeit ist aber doch noch nicht reif für solche Ideen, Und es blieb vorerst beim Alten. DaS Beth. Ham. liegt überhaupt in einer sehr eng^n, duyrpfen Gegend, der Haihereutergasse, und das schmase Gäßchey läßt wie das Sonnenlicht so auch die Aufklärung nur spärlich zu. Waö Wunder also, wenn aus der Wahl 2 Männer hervorgingen, die der krassesten Orthodoxie angehören, am Sabbat nicht zur Börse gehen und nicht nur an diesem Tage, wo sie keine Uhr bei sich tragen, sondern überhaupt nie wissen, was an der Zeit ist. Der Leser hat auch wohl schon errathen, daß sie keine geborene Berliner sind; in der Stadt der Intelligenz bekommen die Kinder klarere Anschaunngey des Lebens. Um das Maß vollzumachen, wollen diese Männer nun gar noch einen Finsterling ersten Schlages bernsen; und was ist natürlich, als daß ein solcher nur in einem der uncultivirtesten Länder, in Ungarn, und in einnn Krähwinkelorte, in Eisenstodt zu finden ist? Doch lasset ihn nur g.etMH das Aub'sche Licht wird ihn schon gehörig in Schulten stellen, und wenn er ein orthodoxes Rabbinerseminar in's Leben ruft, so wird er die Zöglinge dazu aus Ungarn recrutiren müssen. Deutschland ist für solche Unternehmungen nicht der geeignete Boden. Der „ Warnmrg" ist nun auch eiue Broschüre gefolgt, unbegreiflicher Weise von einem reichen Uflte sehr achtbaren und gebildeten GemeindemitgliehK vi.rfaßt, mit dem Motto-: Wahrheit. Recht und Frieden und zum Besten der russischen Nothleidendeu. Sie ist der Redaction gewiß zugegangen und hsttxn yür, dieselbe im „Isr." veröffentlichen zu wollen, damit die Leser sehen, wie doch diese Orthodoxen intolerant und sriedestö.rend sinh. Eine Spaltung in der Gemeinde soll dadurch hervorgerufen werden , zur Nennung wird aufgefordert und Zustände herbeigewünscht, wie in Mainz, Frankfurt a. M. und Hamburg. — Doch gernzg, h$r Ironie-; baffen wir,, haß ditz hiesigen Gesetzeötreuen, deren es G. s. D. noch eine bedeutende Anzahl gibt, die in dieser Broschüre ausgesprochenen Erwartungen ebenso üb?rtreffen, xol: die meisten Gaben den auf dem Dlelvlcttte angegebenen Preis von 1 Sgr. übersteigen. Es ist bereits eine ansehnliche Summe beisammen und wird dieselbe dem ,§Isr." zur Weiterbeförderung übermittelt werden. Ueber diese' wichtigsten Ereignissen bieten die folgenden weniger Interesse, obgleich sie mit den pompösen Namen auftreten: Auerbach, Virchow, Eckardt. Der Dichter Auerbach war jüngst bei der Stiftungsfeier desl HilfSvereins iür jüdische Studirende. Undda erzählte er im Beisein der meisten Vorstandsmitglieder, des. Reob. Aub und C., wie er es so