Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1869)
- Date
- 1869-04-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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X. Jahrgang. Beilage zu Nr. 17 des Israelit. Zeitungsnachrichten «nd Correspondenzen. Deutschland. Vom Rhein. (Curiosum.) In ***) wurde der Synagogendiener, welcher eine lange Reihe von Jahren treu und redlich der Gemeinde gedient bat, von seinem Amte vorläufig auf die Dauer von drei Monaten suspendirt, weit er die Erub-Mazzcch — aufgegesfen hat. Welch' ein gesegneter Appetit! Wie man vermuthet, war die Absicht des so hart Bestraften die beste. Es ist nämlich in vorigem Jahre in ***) ein Orgel in die Synagoge gebracht worden. Der arme Gemeindediener war nun der Meinung, dap Orgel und Erub unversöhnliche Gegensätze seien, und da er doch unmöglich die Orgel aufessen konnte, so hat er diese Procedur mit der Erub-Mazzah vorgenommen, nur um die Gegensätze zn versöhnen und um des lieben Friedens willen. Daher hätte der Gemeindevorstand, in richtiger Würdigung dieses sortschrittfreundlichen Strebens, den synagogendienerischen, radicalen Reformator und gründlichen Erub Vertilger nicht bestrafen sondern ihm vielmehr eine Belohnung, — etwa in einem Dutzend ausbewahrter Apbikomen bestehend — zuerkennen sollen. — Da der Tod nicht unmittelbar nach dem Schüsse erfolgte (H. lebte noch einen halben Tag und starb aus seinem Bette in Gegenwart eines großen Theiles der Gemeinde unter Anerkennung des Einig - Einzigen "3"? j/Dfir), da ferner der Selbstmord höchst wahrscheinlich, aber doch nicht unzweifelhaft nachgewiesen werden konnte, so erzeigten wir dem Dahingegangenen alle Liebesdienste, die wir auch einem anderen Todten schuldig sind. — Der Einsender dieser geilen sprach an der Bahre einige Worte über das tragische Ende des Dahingegangewn. Ausgebend von den Worten: "d''i dud rr2 -ps» f.-pia’ suck-te er vor dem Wahne zu warnen, als ob dieses Leben das ganze Ziel des Menschen, als ob mit dem Tode Alles abgeschlossen sei rc. re.; er suchte aber auch nachzuweisen, daß wir in unserem Urtheile über die Handlungen des Nächsten nie zu strenge sein dürsten, da wir Alle menschlichen Schwächen unterworfen, und einst vor dem Könige aller Könige Rechenschaft über unsere Handlungen abzulegen haben. Unser Streben müsse nur dahin gerichtet sein, für alle, auch für die unglücklichsten Fälle des menschlichen Lebens.,. eine Stütze zu haben, welche uns nie sinken lasse! Diese Stütze bilde der Glaube, maaso pnai nm — Der Fromme lebt in und für seinen Glauben, und er bleibe aufrecht in den heftigsten Stürmen des Lebens. a. d. Bergstr. Ein nicht freudiges Ereigrüß h-t sich am verflogenen v".i"ii in hiesiger Gemnnde zugetragen: Herr Albert Hirsch ans Mannheim, Ingenieur und Eisenbahnunternehmer an der ihrer Vollendung nahen Worms-Bensheimer Bahn, hat am 30. März, orV'rn '3, seinem jungen thatkräftigen Leben durch Erschießen ein Ende gemacht. Herr H., ein 'UN', aber leider nur dem Ramm nach, war den Vorschriften unserer hl. Religion ganz entsvemdet. Sogar am verflossenen 3".n"' sah man denselben auf der Bahnstrecke seinen gewöhnlichen Beschäftigungen obliegen. In seinem sonstigen Leben soll er sehr menschenfteundlich, sehr tüchtig in seinem Fache und gewissenhaft in seinen Geschäften gewesen sein. Das zeigte sich auch bei seinem Leichenbegängnisse, an welchem sich fast alle hiesigen Honoratioren, das ganze Aufsichts- Personal der zu erbauenden Eisenbahn, viele Mitglieder des hiesigen Ortsvorstandes und noch viele andere Christen betheiligten. Daß sich die hiesigen nnrp, obwohl Herr H. ihnen im Leben ferne gestanden, nicht zurückzogen, ist selbstverständlich. Diese wenigen' Worte, verbunden mir der Beiheiligung der ganzen hiesigen Gemeinde am Leichenbegängnisse, machten einen wohlthuenden Eindruck auf den gebildeten Theil der ganz katholischen hiesigen Bevölkerung; nur die Geistlichkeit soll sich mißbilligend darüber geäußert haben, daß man einen Selbstmörder wie einen anderen Menschen behandele! — (Nach jüdischem Religionsgesetze wird nur Derjenige als Selbstmörder betrachtet, welcher vor Zeugen vorher die Absicht deö Selbstmordes dargethan und denselben in Gegenwart von Zeugen ausgeführt hat. — Jore Deah Cap. 345, § 2. — Reb.) In GreuHenheim bei Würzburg wohnen 10 nicht sehr bemittelte isr. Familien. Angeregt durch den Artikel „Wohlthätigkeit" von Maskil el Doll in Nr. 12 und 13 d. Bl, welchen der Vorsteher, Herr Emanuel Hirvheimer, in der Synagoge vorgelesen hat, haben diese 10 Familienväter 117 fl. 33 kr. gesammelt und nach Wnrzburg geschickt. Dies zur Nachahmung! St. - Buttenwiesen im Monat Jjar. Ich komwe heute, mich einer traurigen Pflicht zu entledigen, der Pflicht, den Heimgang eines pnsr, eines nvn on 2"« O'pv-r xin zu beklagen, 'ns p o'n'D -ubid i'b 'i