Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1869)
- Date
- 1869-04-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Herr Bürgermeister v. Heim. Da ttmt «tim größere Theil der Gemeinde eine Synawill, so wird bald zum Abbruch des H^udeS geschritten worden, daS die Gemeinde MDiesem Zwecke käuflich erworben hat. Der ^enus ist ansteckend. Der Aufwand dürste mni00,000 fl. zu stehen kommen, um den AnspxLeS Luxus zu genügen, während vorerst die Ang eines würdigen BetsaaleS auch genügt i nzLadelnSwerth bleibt es h ebet jedenfalls, daß 1 Heinde-Vorsteher sich nicht gleich opferwillig zeijpt die übrigen unentbehrlichen Einrichtunaftt jüdischen Gemeinde zu schaffen und zu ver- Mit dem Bau der Prachtsynagoge wird ein Zttgottesdienst eingestVrt werden wollen. Die ^doxie wollte nur dann zum Bau zeichnen, wenn fReformen eingefübrt werden wollten; darauf ist .aber nicht eingegangen (sio!). Sie wird nun Mittel zur Befriedigung ihres religiösen Bedürfs aufbewahren, wenn sie verhindert sein sollte, dem Gottesdienst Antheil zu nehmen, tik IU2 n^pax tjiVk rpa ^2 tu mntt 'jni. LaupHeim. Unser Herr Rabbiner hat bereits a Fall in seinem Bezirke erlebt, daß in Ulm 3—4 itern sich weigern, ihre Kinder konfirmiren zu lasten, -gleich bei denselben nicht angenommen werden kann, aß religiöse Skrupel sie davon abhalten, vielmehr die ^ermuthuug begründet ist, eS geschehe aus Jndifferen- ^mus u,d Bequemlichkeit. Herr Wälder hat nun it einem Eifer gegen diese Renitenz zu Ulm gepreigt, der einer besteren Sache würdiger wäre und «denfalls von größerem Erfolg auch hier begleitet sein ürfte, wenn er konsequent mit derselben Energie für njere anderen heiligen und unerläßlichen Institutiolen, als mpo, no'rntr, mv, min imbn rc. in die Schranken getreten w ire. Der Redner citirte auch »erstorbene Rabbinen als Autoritäten, welche die Konflrmation eingesührt hätten und daß er selbst ne nicht zulasten würde, wenn er etwas Unrechtes in ihr zu erkennen vermöchte. Die Zuhörer sagen, sie hätten den H^rrn Rabbinen noch nie mit solchem Eifer predigen hören. Es wird als möglich angenommen, es sei ihm gelungen, er habe die Herze« bezwungen. Andere Rabbinen benützen die jetzige Omer- und ^onstrmationSzeit dazu, den neuesten Erlaß der Oberkirchenbehörde , welcher KirchendiSciplin gegen die Widerspenstigen anordnet, den Kindern so zu interpretiren, als ob der Zwang nach wie vor fortbestehe. Allein die Geister, die nun wach gerufen, werden sie schwerlich wuder loS. Frankfurt a. M., 21. April. Die „Emanuel Westend-Union," an deren Spitze Herr Dr. Stein steht und die der Volksmund als die „englische Kirche" bezeichnet-, hat ihre au» 28 Paragraphen bestehende Synagogenordnung pMicirt. Wir 'geben einige Punkte daraus wieder: / „Der Morgengottesdienst soll an allen Sabbaten und Festtagen um halb gehn Uhr beginnen und einschließlich der Predigt llli Stunde dauern." (§. 4 u. 5.) „Kinder unter acht Jahren werden nicht eingelassen, selbst nicht in Begleitung ihrer Verwandten. Des Schammeß schätzt das Alter der Kinder ab und weist die Kleinen zuickck." (§. 8.) „Die Gemeinde soll nicht mit beten und nicht mitsingen" (§. 12.) „Bei Borchu, Schema, Schemone Eßre, beim AüSheben und beim „Trauer-Kaddisch" (sie) muß AllcS stehen, sonst muß Alles sitzen." (§ 13 u. 14.) „Während der Predigt muß Alles ohne Kopf— bedeckung sitzen. (§. 16.) „Beim Vortrage aller Gebete mit Ausnahme von Schemone Esreh, hat sich der Vorbeter der Versammlung zuzuwenden." (§. 18.) „Alle Gebete und deutschen Vorträge sollen nur durch den Prediger oder den Vorbeter abgehalten werden." (§. 19.) (Die Andächtigen müssen stumm sein wie die Fische; wer den Mund öffnet, wird hinauSgewoifen.") (§. 11.) „Das Aufrufen zur Thora unterbleibt an Sabbat- und Festtagen gänzlich" (§.25.) „Wo das Kaddisch .... erscheint, ist es in deutscher Sprache vorzutragen." (§. 26.) (Welch' klastisches Deutsch!) „Der Verein soll nichts in Zeitungen inseriren." (§. 28.) (Was hat das mit der Synogogenordnung zu thun?) Vorstehendes sind die hauptsächlichsten Punkte der E. W. U.; die Bestimmungen sind so allerliebst, daß sie der Philippson'schrn Synode als mustcrgiltigeS Vorbild dienen werden. Oesterreichifcher Kaiserstaat. Wien. Bezüglich der in den letzten Tagen verbreiteten Nachrichten über Juden-Exzeste in Galizien versichert jetzt die „Wiener Abendp.", daß die genauesten Informationen ergaben haben, daß Exzesse gegen JSrealiten in Iaroslau, Radymnv und WieSlin vorgekommen sind, aber nirgends sonst im Kronlande. Hn den beiden letztgenannten Ortschaften wurden nämUch mehreren Israeliten bei Nacht die Fenster eingeworfen. Die Thäter, Bauernbursche, sind eruirt und an das Gericht abgelie ert worden. Mit dem blutigen Raufexzeß in RzeSzow, über welchen fast alle Blätter berichteten, hat es allerdings seine Richtigkeit: nur war es eine Rauferei von vier Juden untereinander. Christen betheiiigten sich an dem Exzeß gar nicht, man müßte eS denn eine Betheiligung nennen, daß das Gemeindeamt die Exzedenlen arretirte und als auöweis- und beschäftigungslos in deren Heimat abschob. DaS Eingreifen