Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1869)
- Date
- 1869-04-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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308 £uur Rechensckaftsberichts hat die iSr. Cultusgemeinde Pesth eine Einnahme von 96,396 fl. Aus JaroSlaw, 4. d., wird gemeldet: Heute erneuerte sich die Judenhetze; die Fenster jüdischer Wohnungen wurden eingeschlagen, Juden mißhandelt und gewaltsam genöthigt, ihre Handlungen zu schließen. Das Militär trieb die Exzedenten auseinander. Schon am 26. März begann wegen der früheren Exzesse das Bezirksgericht seine Amtshandlungen anläßlich der Exzesse dom 25. März; am 29. Marz langte der Staatsanwalt und eine Untersuchungskommission beim Przemysler Kreisgerichte an; bis jetzt sind gegen 45 Personen (sowohl Juden als Christen) arretirt. Aus Jaroslair, 7. April, berichtet mau, daß die Judenhetzen daselbst wieder ausgebrochen sind. Der Militär-Intervention gelang die Herstellung der Ruhe. Da der Militärschutz sich als unzureichend erwiesen hat, ist eine Deputation der Jaroslauer Juden, bestehend aus dem Rabbiner und dem Kultusvorstand, nach Lemberg gereist, um den Statthaltereileiter um Hilfe zu bitten. Die „Gazetta Norodowa" sagt aus Anlaß der Judenkrawalle in Jaroslau Diese Judenhetzen haben die weitesten Kreise beunruhigt, das Landvolk ist überall aufgehetzt, daher die größte Vorsicht unumgänglich nothwendig. Die Vermittlung autonomer Behörden wäre höchst erwünscht. Nach einem zweiten Berichte fanden in Rzeszow selbst Exzesse zwischen Bauern und Juden statt. Ein Jude ward durch mehrere Messerstiche gefährlich verwundet, zwei andere erbärmlich durchgebläut. Andere Juden, welche ihren zerschlagenen Glaubensgenossen zu Hilfe eilen wqpten, wurden von den Bauern in den Straßen verfolgt und in die Flucht geschlagen. Die bei der Rauferei Betheiligten konnten indeß nur durch die Gendamerie zu Paaren getrieben werden, welche vier Juden und zwei Bauern verhafteten, wovon einer der Ersteren seiner Wunden wegen nach dem Spital gebracht werden mußte. Auch in dem Flecken Lancitt im Rzeszower Kreise, wo das Stammschloß des Ackerbauministers Grafen Potocki ist, gab es fast gleichzeitig mit den Exzessen in Jaroslau einen kleinen Judenkrawall. Das Motiv desselben war, wie in Jaroslau, das Oeffnen der jüd. Läden an den Osterseiertagen. Die Sache verlief indeß in Lancut mit einer unbedeutenden Schlägerei. Italien. Ravenna. Die jüdische Gemeinde zu Ravenna ist genöthigt, einen neuen Begräbnißplatz anzulegen. Sie hat sich an den Stadtrath um eine entsprechende Subvention hierfür gewendet, welche auch in einem Betrage von 5090 Fr. gewährt wurde. (Jew. Record.) England. London. 6. April. Seit einigen Tagen weilt hier ein Mann, der sich um das Judenthum in eigenthümlicher Beziehung ein außerordentliches Verdienst erworben. Es ist dies Joseph Halövy, der erst vor Kurzem von einer Forschungsreise in Abessynien .zurückgekehrt, die er unter den Auspizien und der Aegide der, ihre edle internationale Ausgabe mit so regem Eifer und bewundernswerther Energie verfolgenden „All. Jsr. Univ." unternommen hatte. Wenn wir bedenken, welche dunkle Vorstellungen die bisher so spärlich und so nebelhaft, so verworren und so widerspruchsvoll zu uns gedrungenen Sagen über unsere armen Brüder, die Falaschas —in unS erzeugten, so müssen die gründlich klaren und erschöpfenden Ausschlüsse des Herrn Halsvy, dessen Bereisung dieses seltsamen Landes nach verschiedenen Richtungen und vorzüglich nach den von den Falaschas zumeist bewohnten Partien, unter Entbehrungen und Gefahren aller Art nahezu ein Jahr in Anspruch genommen — von unschätzbarem Werthe. und das Herrn Halevy eingangs vindiclrte Attribut sicherlich als ein in vollem Maße Gerechtfertigtes erscheinen. In einem Zirkel von für dies rühmliche Unternehmen sich interessirenden Freunden, welche der liebenswürdige und geistvolle vr. Benisch für den gestrigen Abend, eigens zu oem Zwecke in sein gastliches Haus geladen hatte, dem beigezogen worden zu sein ich mich glücklich schätze, hatte der geehrte Reisende — der nebenbei bemerkt, ein Mann von höchst einfachem und bescheidenem Character — die Güte, die Gesellschaft mit seinen überaus anregenden und merkwürdigen Mittheilungen über diese Brudersecte, ihre politischen, socialen und besonders religiösen Verhältnisse, ihre Traditionen und Gebräuche, ihre physischen und sittlichen Zustände — zu unterhalten; mit immer gesteigertem Juieresse lauschten wir bis in die späteste Abendstunde den fesselnden Erzählungen des schlichten Mannes, die er mit Vorlesungen von einzelnen, durch ihn übersetzten Gebeten aus einigen mitgebrachten, in der amharischen, der einzigen von den Falaschahs gekannten Sprache — die Herr Halövy sich vollständig eigen machte — geschriebenen Gebetbüchern^ abwechselte; diese Gebete sind besonders durch ihre rührende Gemüthstiefe, durch eine überraschende Sinnigkeit, so wie durch den in ihnen überhaupt vorwaltenden kindlich naiven und herzlichen Ton von unbeschreiblich ergreifender Wirkung. Es würde den Raum dieser Spalten bei Weitem überschreiten und hieße zum Theil auch den ohnedies durch die „All. Jsr. Univ" demnächst in einem eignen Werke zu veröffentlichen Expose über das durch Hrrr. Halevy mit so günstigem Erfolge eben vollzogene, so