Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1869)
- Date
- 1869-04-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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306 durch Treue und alle ehelichen Tugenden ins Leben zu rufen, und darum eiferte er durch den Propheten Maleachi (2, 10 ff.) gegen das Heirathen fremder Frauen. Denn Niemand kann es wohl in Abrede stellen, daß sobald Mann und Frau nicht ein und demselben Volke angehören, sie auch auf keinem gleichen freundschaftlichen Fuße in ihrer Ehe stehen können. Denn zu einer vollkommen glücklichen Ehe gehört vor Allem gleiche Gesinnung und gleiches Streben, Uebereinstimmung in Herz und Geist und in der Bethätigung eines und desselben Willens, was aber bei Personen verschiedener, oft heterogener Gesinnung, wie sie zwei ganz entgegengesetzten Völkern innewohnt, nicht möglich sein kann. Mit Recht donnert, die unter gleichen Gesinnungen, gleichen Streben und gleichen Erwartungen geschlossene Ehe für die Grundlage eines auf fester Basis bestehenden, dauernden Staates haltend, der letzte der Propheten bei der Erneuerung und Wiederbelebung des israelitischen Staates nach dem babylonischen Exil gegen das Heirathen ausländischer Frauen, weil durch diese das Band der Einheit zerrissen und die gedeihliche Entwickelung des ganzen Volksbewußtseins, seine geistige nnd physische Wohlfahrt gestört wird. Aber vor Allem muß die Religion Gottes, die Grundlage alles Erdenglückes durch solche Mischehen bald zu Grunde gehen. „Haben wir denn nicht All Einen Vater, hat Ein Gott uns nicht geschaffen? Warum sollten wir treulos uns gegenseitig behandeln, zu entweihen den Bund unserer Vater?" Treulos, meint der Prophet, handeln wir gegen unsere eigene Schwestern, die mit uns sich desselben Vaters, desselben Schöpfers zu erfreuen haben, und daher mit uns in gleichem Range und gleichem Ansehen stehen, wenn wir diese verachten und um die Gunst ftemder Töchter buhlen würden. Abgesehen, daß wir dabei einen gewalttgen Verstoß gegen sie selbst begehen, zerstören wir nicht nur unser eigenes Glück, sondern verletzen noch den von Gott mit unsern Ahnen geschlossenen Bund, in welchem er uns gewarnt hat, Mit Götzendienern einen ehelichen Vertrag einzugehen. „Treulos ist Iehuda und Abscheuliches ist geschehen in Israel und Jerusalem; denn entweihet hat Iehuda bas Heiligthum des Herrn, das er liebt, und sich vermählt die Tochter ftemden Gottes." Israel macht sich, soll hiermit gesagt werden, hierdurch eines doppelten VerratheS, an seinem eigenen Volke sowohl wie an seinem Gotte schuldig, mrp rnn bezieht sich auf die Treulosigkeit Israels an seinen eigenen Landestöchtern, roj»ni auf den hierdurch emgeführten Götzendienst, der als eine Abscheulichkeit in den Augen GotteS dargestellt wird. Aber was ist die Folge solch doppelten Abfalls? Unheil sowohl im Hause als Unglück und Jammer in allen Unternehmungen. Darum fährt der Prophet in seiner warnenden Strafj rede weiter fort: „Den Altar des Ewigen bedeckt ihr mit Thränen, mit Weinen und Jammern. .Nichts als Trübsal und Elend ist jetzt euer Loos! „Ihr aber sprechet: Warum?" Haben wir denn solche Noth durch unsern Anschluß an das Völkerthum durch gegenseitige Vermählung verdient? Wir wollen gewissermaßen aus unserer Zurückgezogenheit und Abgeschlossenheit endlich einmal heraustreten; wir wollen human werden und uns an fremde Völker anschmiegen, ja wir wollen die veralteten und verrosteten Vorurtheile ablegen, die den Gegenstand unserer Verachtung bildeten. Solche und ähnliche Entgegnungen mochten sie dem Propheten gemacht haben. Aber was erwidert er ihnen auf ihre Frage: Darum (trifft euch dies Alles) weil der Ewige Zeuge zwischen'Dir und dem Weibe"') deiner Jugend, an dem Du treulos wurdest und sie war Deins Genossin und das Weib deines Bundes!" Mischehen, meint der Prophet, hemmen die eigene Wohlfahrt sowohl wie die Entwickelung des gesammten NationalwesenS. Mischehen können, so lockend sie auch zu sein scheinen, kein wahres Heil Hervorrufen; sie sind vielmehr die Träger der gegenseitigen Treulosigkeit und führen Sittcnlostgkeit und Verderbniß ein. Gott will, daß Mann und Frau auf gleicher Stufe der menschlichen Gesellschaft stehen, daß beide gleiche Pflichten und gleiche Ansprüche an einander habend, ein einheitliches Bündniß gegenseitig eingehen und gleichmäßig im Leben sich ergänzen mögen. Das kann aber nur geschehen durch Verbindung zweier gleichgesinnten Personen aus Einern und demselben Volke. Eine Ehe aus zwei verschiedenen, gewaltsam zusammengebrachten Elementen ist und bleibt eine Mesalliance, die verderblich in ihren Folgen ist. Darum fügt der Prophet hinzu: Nur die Frau deiner Jngend, Mit der Du zusammen ausgewachsen bist, die mit Dir unter einem und demselben Himmel geboren, in denselben Glaubenslehren gebildet und erzogen worden ist, kann Deine wahre Genossin, Deine Gespielin und Deine Vertraute werden, weil sie zugleich die Frau Deines eigenen . Bundes, Deiner Religion, Deines Glaubens ist! — (Fortsetzung folgt.) *) Vergl. Das Rabbinische w:c >21 r>tt>> t>6. Wenn Mann und Frau es werth sind, dann ruht die Gottheit unter ihnen. Denn, wenn man von vb das?>> und von das 6? wegnimmt, so erhalten wir den Namen Gottes (?*); jnhaif» tbf»b sind sie nicht tugendhast, so geht die Gottheit von ihnen und es blekbt dann von beiden Theilen das Wort dt Feuer übrig, das sie gegenseitig verzehrt.