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Der Israelit · 1869-04-21 · Heft 16 (21.4.1869) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 16 (21.4.1869)
Date
1869-04-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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X. Jahrgang. Beilage zu Rr. Leitender Artikel. Dir jüdische Che nach biblischen und talmudischen Grundsätzen. Von Dr. Aron Hirsehfeld. (Fortsetzung.) Ziehen wir indeß die Propheten in Betracht: so stellt sich bei diesen, vermöge ihrer eigenthümlichen und besonderen Ausgabe ein ganz anderes Ergebniß dar. Denn diese waren nicht, wie die Priester, beim Gottesdienste die Vertreter und Repräsentanten des Volkes, als vielmehr umgekehrt die Abgesandten und gewissermaßen die Vermittler Gottes beim Volke. Jene vertraten durch die Handhabung des ganzen Eultus das Volk, diese durch ihre göttlichen Verkündigungen und Verheißungen die Gottheit selbst. Jene sollten das Volk zu Gy4t erheben, diese die Gottheit zum Volke herunterbringen, jene auf die Gottheit, diese auf das Volk wirken. Darum mußte auch das Privatleben des Propheten ganz anders sich gestalten als düS des Priesters. Weil nun der Priester die Aussöhnung und vollkommene Ausgleichung zwischen Gott und Israel zu vermitteln hatte: so mußte diese innige Verschmelzung auch sinnbildlich durch seine Ehe in seinem Hause zum Abdrucke kommen. Doch da Israel sich dem Götzendienst ergeben, demnach durch Anbetung und Verehrung eines fremden, mit sich nicht verbundenen Gottes, gewissermaßen des Ehebruchs sich schuldig gemacht: darum mußte mancher Prophet, als das Organ Gottes, um Israels Abfall von Gotr, seinem geistigen Gemahl, klar und deutlich vor die Seele zu rufen , von Widerwillen erfü llt, mit unzüchtigen Personen sich in die Ehe einlassen. Dies mußte vorzüglich der Prophet Hosea (Cap. 3) auf Befehl Gottes thun, weil zu seiner Zeit der Götzendienst unter Ahas, unter Jerobeam II. den Kulminationspunkt erreicht haben mochte, und er als der größte (Peö. 27) in dieser Periode geblüheten Propheten gehalten wurde. — Aus demselben Grunde mochte auch in dieser Zeitepoche des zweiten größten Propheten, des königsgestnnten Jesaias Che keine so innige, harmonische gewesen sein, um durch sein ganzes Hauswesen den da- , maligen zerütteten Zustand Israels in Betreff seines j Abfalles von Gotr und seiner Hinneigung zu den; Götzen zu versinnbildlichen (Jes. 7 , 15. 8, 2). Ja, j um die scheinbare Losreißung Gottes von Israel zur! Zeit der Zerstörung des ersten Tempels dem Volke noch d klarer und deutlicher zum Bewußtsein. zu bringen, ließ Gott die Frau des zur selben Zeit 18 des Israelit. j in Babylon weissagenden Propheten Ezechiel (24, 10) - eines plötzlichen Todes sterben, über deren Verlust ihm I sogar alles Wehklagen verboten worden ist. So wie j diese Prophetenfrau dem Propheten, so ist gleichsam! Israel seinem Gotte abgestorben. Doch da Gott trotz- } dem seine alte Liebe zwischen Ihm und Israel und dem-; nach das frühere Eheverhältniß mir iim wiederberge-! stellt wissen will: so will Er fick zum zweiten Male, : aber desto intensiver und herzlicher wieder mit ihm; verbinden und drückt diese seine künftige Vermählung in ' den schönen Worten ans (Hos. 2, 2t) w -pnsnon j ’t? Dnamai loroi l>3s?ö:si piss 'v TnKnso! "n rirr nyn n::D20: „Ich will mich Dir auf ewig! verloben, ich verlobe mich Dir durch Recht und Gerechtigkeit, in Liebe und Erbarmen; ich verlobe mich! Dir in Treue und Du wirft den Ewigen lieben!" i Dieselben Momente, die eine glückliche und zufriedene i Che bedingen, ganz dieselben wird dann Gott bei einer; künftigen Vermählung zwischen sich und Israel hin-! stellen. Aber welche ist die erste und Hauptbedingung! eines zu schließenden Ehecontractes? Beständigkeit und > Unwandelbarkeit, daher zuerst hier Ldiz-v 'd ‘vnxnw! I Ich werde mich auf ewig Dir verloben! Welche Bedingung folgt wohl auf diese der ewigen Dauer des - Verhältnisses? Daß die Frau gleiche Rechte und! gleiche Ansprüche an den Mann zu machen! hat! Daher Bs&'rai p-ys 'd -pnanNi. Ich verlobe | mich Dir durch Recht und Gerechtigkeit. Aber, : wie, wenn der flüchtige Reiz der Liebe schnell ver-! weht und der Sinnenrausch geschwunden ist, darf da das Derhältniß lockerer werden? Nein, darum derZui satz cnarroi iDnn:. „Mit Liebe und Erbarmen!" Hier! scheint absichtlich für Liebe der Ausdruck non und nicht | ronx gewählt worden zu sein. Denn letzteres zeigt, wenigstens unter Eheleuten, die sinnliche, krasse! Liebe an. der mit der Zeit wohl die Spitze abgebrochen i werden tnm. Doch "Dn zeigt mehr eine im Geiste - wurzelnde Liebe, ein Wohlgefallen an Jemandem finden,! das auf dessen Eigenschaften und Tbaten beruht, ja endlich eine durch Geduld und Ausdauer sich verdient machende Liebe, eine wohlberechnete, aus persönlicher Neigung hervorgegangene Huld und Gunstbezeigung. Doch vor Allem und zum Schluß sind D'Dm Erbarmen, Mitleidsgesühle, so wie endlich Treue als unumgängliche Bedingungen in der Ehe erforderlich, ohne welche sie nicht bestehen kann. In demselben Sinne aber wie Gott Seine Liebe und Anhänglichkeit an Israel wieder erneuert zu haben wünscht: eben so sehr ist sein Begehren, das durch heidnische und ausländische Frauen eine Zeitlang unterbrochene und gestörte Familienwesen Israels wieder

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