Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1869)
- Date
- 1869-04-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nackenden zu kleiden. Da sehen wir cr-cn?*n»’ ’ja alle vereint, alle eines Sinnes, alle gleichmäßig bestrebt, das Ihrige beiznsteuern zur Linderung der Noth. Allüberall sehen wir jetzt Sammlungen veranstalten für unsere darbenden Brüder in Westrnßland; in allen deutschen Gauen, in Oesterreich, in Polen — kurz überall hat der Angstschrei unserer Glaubensgenossen Gehör gefunden, und von allen Orten, M denen sich Juden aufhalten, gelangen Unterstützungen an Geld oder Lebensmitteln an die Organe, die es übernommen, die Gaben zu übermitteln. Sollte es an hiesigem Orte anders sein? . O nein, vorzüglich die große Opferwilligkeil in unserer Gemeinde, in der leider der religiöse Sinn sehr gesunken ist, veranlaßt mich, darüber in Ihrem weitverbreiteten Blatte zu berichten. Nachdem vor einigen Wochen die erste öffentliche Sammlung dahier veranstaltet worden, die rin'Mesultat von 1600 st. ergab, haben in voriger Woche neuerdings hochherzige Männer ysa 7'ri 'twx es unternommen nach vorheriger eindringlicher Auf forderung an die Gemeinde zu weiterer Unterstützung von Seilen unseres Rabbiners, Herrn Dr. L o e w y, in seiner Predigt am ersten Festtage, eine zweite Sammlung zu veranstalten, die buchstäblich an zwei Tagen des ny.on ein Resultat ergab, wie es nur das jüdische Herz fordern kann. Fast 2400 fl. sind am letzten Tage des “syicn zur Beförderung übergeben worden. Thränen der Rührung entflossen meinen Augen, als ich diesen'Erfolg vernahm, und ich konnte mich dem Ueberbringer dieser Nachricht gegenüber des Spruches nicht enthalten: bniV' «r> '2 noch ist Israel nicht verwaist, noch ist das jüdische Herz nicht erloschen, und so wird sein Auge auch wieder klar sehen, erkennen seine Fehler und zurückkehren zu seiner Pflicht. — Das wolle Gott! »rcx. BreSlaU, 4. April. In Betreff der Adresse vom 9. Februar über die CultuSeiurichtungen in der neuen Synagoge erließ die Partei-Joel in der „Schlesischen Zeitung" (Sonnabends, den 20. Marz) folgende Erklärung: „Die kürzlich in der „Schlesischen Zeitung" veröffentlichte Adresse, welche aus dem Schvoße der Synagogengemeinde am 9. Februar d. I. dem Vorstandscollegium überreicht worden, ist nach Ton und Inhalt geeignet, über die thatsächlichen Verhältnisse der Gemeinde, insbesondere über die Stellung und Beziehungen der an der Spitze stehenden Verwaltungs- und Dertretungskörper zu der Gesammtheit der Gemcindeangehörigen, nach Außen hin eine durchaus unrichtige Vorstellung zu erzeugen. Wenn in einer angeblich (?) „mit einer großen Anzahl Unterschriften" versehenen Interpellation jenen Körperschaften öffentlich der Vorwurf gemacht wird, das; sie auf den Bau! der neuen Synagoge eine doppelt so hohe rSumrne! verwenden, als zu deren Ausgabe ihnen die Ermäch- I tigung ertheilt worden ist, daß sie den maßgebenden j Bestimmungen der „Vertreter" der Petenten zuwider j die CultuSfrage bezüglich des Tempels einseitig ohne I Anhörung kompetenter Urtheile und in einer das gej rechte Mißtrauen erweckenden Richtung entschieden haben; wenn, im Anschluß an solche Vorwürfe alsdann den Vorständen eine Art Programm vorgehalten wird mit der peremptorischen Forderung, sich „binnen vier Wecken" darüber desinitio zu erklären, widrigenfalls weitere Schritte zur Wahrung der gefährd.>ten Interessen der Petenten zu gewärtigen seien, — so macht das Alles auf den Ferustkher'.den offenbar nicht bloß den Eindruck, als ob zwischen den Collegien der Gemeindeverwaltung und Vertretung untereinander und ebenso zwischen ihnen beiden und der Gemeinde selbst ein unversöhnlicher Gegensatz der Meinungen und Grundsätze obwalte, sondern auch, als ob dem gesetzlichen und moralischen Ansehen dieser Behörden im Vertrauen der Gemeinde jeglicher Boden fehle. „Nur um derartigen «Fol^rungen, zur Ehre der diesigen bochangesehenen Gemeinde und ibrer Organe, bei den Uneingeweihten vvrzubeugen, müssen wir hier einfach constatiren, daß die erwähnte Adresse das Product einer sehr vereinzelten und wirkungslosen Agitationist, die im Kern der Gemeinde keinen Halt und keine Wurzel hat. Die Adresse trägt, wie wir uns durch Autop ie überzeugt haben, 'im Original 128 Unterschriften auf einzelnen Blättern, welche die Spuren mühsamen Sammelfleißes nicht verleugnen. Einige Unterschrfften sind doppelt geleistet, so daß sich die giltiae Ziffer auf etwa 124 reducirt. Der Begriff einer „großen Anzahl" ist offenbar ein relativer, und kann nur im Verhältnis zu der Zahl der übrigen Gemeindemitglieder seiner Bedeutung nach gewürdigt werden. Die Synagogengemeinde zahlt nun nach ihren amtlichen Registern selbstständige, beitragende und stimmberechtigte Mitglieder, denen gegenüber die 124Unterschriften als eine unbedeutende Minorität verschwinden müßten, selbst wenn sie lauter Namen von hohem Ansehen und Gewicht in sich schlössen. Solche Namen haben wir aber vergebens gesucht, wenn auch einige Unterzeichner allerdings darauf den Anspruch machen können, durch ihren Beruf und ihre sociale Stellung zur intelligenteren Elafse gezählt zu werden. „Nun sind wir zwar weit entfernt die freie Meinungsäußerung, namentlich in religiösen Dingen, als ein Vorrecht der Intelligenz monopolisiren zu wollen; aber wenn es sich um etn Mißtrauens- und Tadelsvotum gegenüber einer aus allgemeiner und directer Wahl hervorgegangener Vertretung und dem von dieser ernannten Executivorgan handelt, so ist man wohl berechtigt diejenigen Stimmen zu zählen und zu wägen, welche, obwohl es an Anregung dazu