Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1869)
- Date
- 1869-04-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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285 allen Ehren. Gib wohl Acht auf Alles, was ich Dir gesagt, und laß eS nicht am Geringsten fehlen, und Gott wird Dich behüten, mein Sohn!" — Der Alte verschwand, und der Bräutigam nahm seinen Sitz im Trauzelte wieder ein. Die Trauung fand Statt, und man setzte sich mit bangem Herzen zum Mahle nieder; nur Joseph war beiter und getrosten Mutheö. Da zeigte sich an der Thüre der arme, elende Mann, so! wie der Greis ihn beschrieben. Sobald aber Joseph j ihn wahrgenommen, stand er auf und that ganz so, wie der Greis ihn geheißen. Das Mahl ging ruhig vorüber. Nach dem Mahle aber sprach der unbekannte Arme zu dem Bräutigam: „Ich habe ein Wort allein mit Dir zu sprechen." — Der Bräutigam führte ihn in sein Zimmer. „Mein Sohn!" sprach der scheinbar Arme da, „bereite Dich vor! Ich bin der Bote des Herrn und gekommen, Deine Seele in Em-- pfang zu nehmen." — „Bist Du der Bote des Herrn," antwortete Joseph ruhig, „so vergönne mir eine Frist von einem Jahre oder auch nur von einem halben Jahre!" — „Ich kann nicht," antwortete der Todesengel. — „So schenke mir," begann Joseph wieder, „dreißig Tage oder auch nur die sieben Tage der Hochzeitswoche!" — „Auch nicht einen Tag kann ich Dir bewilligen," sagte sanft der Todesengel; „denn Deine Zeit ist gekommen." — „So bitte ich Dich nur," sagte Joseph, „mir zu gestatten, daß ich noch hingehe und Abschied von meinem Weibe nehme." — „Das will ich Dir bewilligen," sagte der Todesengel, „schon um Deines guten Herzens willen." — Joseph ging nach dem Zimmer seines jungen Weibes. Dort saß Hanna einsam, die Augen voll Thräneu, im Gebete zu Gott. — Joseph öffnete halb die Thüre und rief sie bei ihren! Namen. Sie stand auf, trat näher, nahm ihn bei der Hand und führte ihn ins Zimmer, gab ihm sanft einen Kuß und sprach: „Mein Bruder! — weßhalb kommst Du?" — „Ich bin gekommenantwortete Joseph mit beklommenem Herzen und leiser Stimme, „Abschied von Dir zu nehmen; meine Zeit ist da; schon befindet sich der Bote des Herrn in meinem Zimmer; er hat mir verkündet, daß er gekommen, meine Seele hinzunehmen." — „Nein, Du darfst nicht zurückkehren!" sagte Hanna. „Du bleibst hier; ich will zu ihm gehen und mit ihm sprechen." — Sie ging und traf den Engel wartend. „ Bist Du," frug Hanna, „der Bote des Herrn, der gekommen ist, die Seele meines Mannes hinzunehmen?"— „So ist es," antwortete er. — „ Nein," sprach sie, „er darf noch nicht sterben! Geschrieben steht:*)" „Wenn ein Mann ein Weib neulich heimgesühret, so soll er nicht in die Heerfahrt ziehen, uud man soll ihm nichts auflegen. Frei soll er sein, für sein HauS ein volles Jahr, auf daß er fein Weib erfreue, das er heimgeführet."" — Gott ist wahr! und Sein Wort ist wahr! Du aber willst, indem Du die Seele meines Mannes hinnimmst, da- Wort Gottes zur Lüge machen! — Nimmst Du mein Wort an, gut! Wo nicht, so tritt mit mir vor dahimmlische Gericht, vor den Thron des Heiligen, gelobt sei Er!" — „Ich selbst," erwiederte der Engel, „will um Josephs Herzensgüte willen bei dem Heiligen, gelobt sei Er! Euer Fürsprecher sein." Er verschwand auf einen Augenblick und erschien sogleich wieder und sprach freudig: „Deine Bitte, Hanna, ist erhört, Dein Wort war dem Herrn gefällig. Jene starben, weil sie nie ein Herz für den Armen hatten und das heiligste der Bande nur um des Geldes willen freventlich geschloffen. Bleibt Gott getreu und freut Euch Eures Bundes!" — Hierauf verschwand er. — Vater und Mutter Hanna's aber verbrachten die Nacht in ihrem Schlasgemache weinend, und als der Morgen anbrach, da gingen sie, um für den geliebten Schwiegersohn ein Grab zu bereiten und die Freunde des Hauses zum Trauergeleite herbeizurufen. Sie nahtm sich dem Schlafgemache ihrer Kinder — da hörten sie dieselben laut dem Herrn ein Dank- und Loblied singen k Sie traten in das Gemach ein, und die Kinder umarmten die guten Eltern und erzählten, was sich zugetragen. Schnell verbreitete sich die wunderbare Mähre durch den ganzen Ort, und Alles sprach: „Ja,- Gott bewahrt Die, welche guten Herzens sind und. Ihm vertrauen." — *) 5. B. M. 84, 5. — ANZEIGEN. CVn einer sehr frequenten Erziehungs- und Handels- -\3 Lehranstalt Süddeutschlands ist die Stelle eines Lehrers für einige Real-Fächer, vorzüglich aber für den Unterricht in englischer Sprache, zu besetzen. Nebst freier Station wird guter Gehalt zugesichert. Gefällige Anmeldungen wollen an die Expedition d. Bl. snb Nr. 404 gerichtet werden. Anfr a fl r. Ein tief betrübender Unglücksfall traf eine reliligiöse und höchst achtbare Familie Süddeutschlands,