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Der Israelit · 1869-04-14 · Heft 15 (14.4.1869) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 15 (14.4.1869)
Date
1869-04-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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284 mit ihren sechs Kindern (der Manu war verreist), die an der gefährlichsten Stelle wohnte, wurde von den Fluthen derart überrascht, daß sie sich nicht mehr zu retten vermochte. Schon war die Gefahr auf das Höchste gestiegen, als der benachbarte Zollbeamte Karl Altenberg herbeieilte und unter großer Lebensgefahr jeden Einzelnen der Bedrohten auf seinen Schultern davon trug. Ehre einem solchen Bied ermanne! (Jbri Anochi.) Jaroslau, 28. März. Es hat sich bis jetzt in unserer Stadt der mittelalterliche Brauch erhalten, daß jährlich am Gründonnerstage eine den Verräther Judas darstellende Strohfigur, mit einer jüdischen Sabbathmütze auf dem Kopfe, von Straßenjungen durch die Gassen der Stadt geschleift und unter dem Rufe: „ Schlagt den Juden!" mit Stöcken geprügelt wird. Auch Heuer ging diese mittelalterliche Ceremonie in derselben Haß und Verachtung gegen die jüdische Religion ausdrückenden Weife vor sich, nahm jedoch in ihrem Verlaufe eine sehr ernste Wendung. Nach vollführtem Judas-Umzuge nämlich begaben sich die Umzügler in die ausschließlich von jüdischen. Kaufleuten bewohnte sogenannte Herrengasse, sammelten sich dasebst zu einer Rotte an und stürzten sich sodann mit geschwungenen Knitteln unter den Rufen : „Nieder mit den Juden, nieder mit den lebendigen Judassen!" auf die vor ihren Verkaufsläden stehenden Israeliten, so daß dieselben sich in ihre Gewölbe flüchten und durch Absperrung der Verkaufsläden vor der Wuth dieser Rotte schützen mußten. Mittlerweile wuchs die Rotte immer mehr an, durchstreifte mit einem fürchterlichen und wüthenden Gejohle den Ringplatz und die Straßen der Stadt, schlug die Fensterscheiben jüdischer Wohnungen ein, bewarf die in die Häuser sich flüchtenden Juden mit Steinen und drohte allen Israeliten mit Tod und Verderben. Erst mit einbrechender Nacht erschien eine Militärpatrouille und trieb die Rotte auseinander. Frankreich. Paris. Dem „Univ. Jsr." wird geschrieben: Ein gewister Rabbiner des Departement der Vogesen hat in einer Stadt daselbst am tidn n\jyn eine Trauung abgehalten. Diese Thatsache bedarf keines Weilern Cvmmentars. England. London. Sir Moses Monteftore ist wohlbehalten und wieder ganz gekräftigt in seinem Wohnsitze zu RamSgate eingetroffen. London. In London wurden auf nos 22,000 Pfd. Mazzoth zu Gunsten der einheimischen Armen und 33,000 Pfund für fremde Armen (dtthn) , 22 Tonnen Kartoffeln, 4600 Pfund Zucker und 2 l00 Pfund, Kaffee verth eilt. Rußland. Petersburg. Demnächst wild in Petersburg eine jüdische Zeitschrift in russischer Sprache unter dem Titel „der Mediator" zu erscheinen anfangen. Die russische Regierung hat zu diesem Unternehmen gern ihre Genehmigung gegeben, indem sie diese Zeitschrift als ein vortreffliches Mittel betrachtet, die Juden zu rufsisiciren. Australien Melbourne. Die hiesige „hebräische philanthropische Gesellschaft" für die Juden der Colonie Victoria hat von der Regierung 2lk Acres Land zur Errichtung von Armenhäusern zum Geschenk erhalten. Sydney. In Australien fehlt schon seit längerer Zeit Regen. Tausende von Schafen gehen au« Mangel an Wasser zu Grunde. Herr Rabbiner A. B. Davis hat ein besonderes Gebet um Regen angeordnet. Mit Ausnahme einiger Tropfen ist der heißersehnte Regen immer noch nicht gekommen. Ein Glaubensgenosse, Namens Saul Samuels, ist der Colonialschatzmeister im Abgeordnetenhause. (Jew. Record.) Fe niiictvxu Mohtthattgkett erlöst vom Höbe. Von Abraham Tendlau. (Schluß.) Die Hochzeit ward festgesetzt. Als der Tag kam, wurden die Angesehensten der Stadt geladen. Schon saß der Bräutigam in dem Trauzelte, das man ihm bereitet, da erschien ein ehrwürdiger Greis von fast wundersamem Aussehen — man sagt, es sei der Prophet Eliah gewesen — und begehrte, ihn allein zu sprechen. „Mein Sohn," sagte derselbe zu ihm, als er mit ihm allein war, „Hab wohl Acht auf Das, was ich Dir sage! Wenn Du. Dich zum HochzeitSmahle niedergesetzt, wird ein alter Mann sich an der Thüre zeigen, gekleidet in schwarze, alte und zerriffene Lumpen, haUnackt und barfuß, matt und entkräftet, elend, wie kein Anderer. Sobald Du den Armen erblickst, erhebe Dich schnell von Deinem Platze und hole den alten, gebrechlichen Mann und setze ihn Dir zur Seite und lege ihm zu effen und setze ihm zu trinken vor und bedien? ihn nach aller Kraft und mit

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