Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1869)
- Date
- 1869-04-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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X Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 15 des Israelit. Leitende« Artikel. Die Wische Che nach biblischen und talmudischen Grundsätzen. Von Dr. Aroii HirscMeld. (Fortsetzung.) Selbst die spätern, sogar dem Heidenthum huldigende Könige, die fast alles Jüdische abgelegt hatten, sich ganz den Sitten fremder Völker anschmiegend, haben ihre Entjüdischuug doch nicht so weit treiben können, daß sie auf das innige, herzliche intensive jüdische Familienleben Verzicht leisten wollten. Bei allen, über deren Frauen uns einiger Bericht erstattet worden ist, greifen diese immer thätig mit ein in das Räderwerk ihres geschäftigen wie politischen Lebens, geben sogar ihrer ganzen Denkweise, vorzüglich in Ansehung der Religion vermöge deren eigenen Anschauung einc besondere Richtung. — So war die Gattin des Königs Ierobeam eine allgemein bekannte Persönlichkeit, die sich auf den Rath ihres Mannes, um Auskunft über ihren erkrankten Sohn vom Propheten zu erlangen, bis zur Unkenntlichkeit verstellen mußte, um von diesem unentdeckt zu bleiben. Hätte sie nicht als Frau des Hauses gleichen Antheil an dem Geschicke ihres Mannes, des von Gott abgesalleneu IerobeamS, gehabt, so würde der Prophet gewiß nicht an sie seine, auf ihn beziehende so donnernde Strafrede gehalten haben, um ihn noch womöglich zur Rückkehr zu bewegen. Wäre sie nur Sclavin gewesen, so hätte sie nicht wagen können, solch geharnischte Worte ihrem Manne wiederzusagen. Da aber beide gleiches Schicksal erleiden sollten, so hatten sie auch beide gleichen Antheil an dem Abfall von Gott; folglich waren beide gleichgestellt, weil jeder von ihnen Einfluß auf die Führung des andern hatte. — Bei dem König Ahab hatte die Königin Isebel eine, ihrem Manne überlegene Rolle im Hause zu spielen gewußt und sein Herz ganz nach Willkür geleitet. Sie tritt überall mit großer Energie und Entschiedenheit, ihrem Manne, dem König gegenüber, auf, ohne daß dieser, da sie ihn für ihre Pläne und Anschläge zu gewinnen suchte, ihr zu wehren im Stande war. Beide waren in ihrer Sündhaftigkeit übereinstimmend, beide überboten sich in ihrer Schlechtigkeit, und ihr eheliches Verhältnis war ein auf gleichem Streben beruhendes, ein einiges, inniges, wenn auch im schlechten Sinne des Wortes. — Doch verlassen wir nun die königlichen Paläste und sehen uns noch ein wenig in Privathöusern, um ■ in diesen auf das Familienleben zu lausche», um: so stoßen wir zunächst auf ein wahrhaft echt jüdische« HauS, in welchem der Geist der Frömmigkeit, angehaucht von heiliger Zucht und Sittsamkeit, ausgegossen! war. Welches Haus hier gemeint sei, wird wohl leicht errathen werden können, wenn hinzugefügt wird, daß Israels Stammtugend, die Gastfreundschaft, verbunden, bei Wohlhabenheit und vornehmeur Stande, mit Einfachheit und Zuvorkommenheit, hier eine wahrhafte Stätte gefunden hat. Wer weiß nicht, daß die Sunamiterin (2. Kön. 4, 8) die nff«, diese vornehme Frau, die Seele ihres ganzen Hauses ist, daß ihr Mann ihren Anordnungen sich fügte und sie ganz eigenmächtig im Hause schalten und walten ließ. Auf ihren Vorschlag errichtet ihr Mann dem, auf seinen Wanderungen bei ihr oft einkehrenden Propheten ein gastliches Zimmer. Sie unternimmt, ohne ihn um Erlaubniß gefragt zu haben, eine Reise zu dem Gottesmanne, um ihm Vorstellungen über ihre getäuschten Hoffnungen rückstchtlich ihres ihr plötzlich durch den Tod entrissenen Sohnes zu machen. Wer möchte wohl dieser Frau eine untergeordnete Rolle im Hause und in der Gesellschaft einräumen wollen, wenn sie selbst das Zeugniß von sich ablegt: naam ojk 'vp "pra „Unter einem Volke (dessen Umgang ich genieße, unter dem ich eine gewisse Stellung einnehme) wohne ich friedlich und ruhig (2. Kön. 4, 1H.)" — Wenn der Prophet Iesaias gegen die zu seiner Zeit allgemein verbreitete Sittenverderbniß (Cap. 3) eifert; wenn sein schneidendes Wort die Uebervortheilung und Bedrückung, den Raub und Mord geißelt, so verschweigt er aber auch nicht, den unter den Töchtern Israels, alles überwuchernden Luxus und die Gefall- und Putzsucht seine Strafrede hart fühlen zu lassen, wo aber ein solcher Geist der Verschwendung und eine so großartige, sich selbst überbietende Putzsucht unter dem weiblichen Geschlechie sich Bahn gebrochen hat, da kann gewiß dieser Geist keine erschwerende und drückende Fesseln in der Gesellschaft tragen. Ist ein Sinn ans solches eitle Flitterwesen, welches nur die Ausgeburt eines heitern, lebensfrohen Daseins sein kann, bedacht, der muß frei und ungestört umhertändeln können, ohne sich in die beengende Schranken gebieterischer, die Frauen als Sclavinnen behandelnder Ehemänner eiuzwängen zu lassen. — Aus dem bisher Gesagten leuchtet also ziemlich klar und evident hervor, daß wenigstens bis zum ersten Exil, das Judenthum den israelitischen Frauen keine niedrige Stellung einramnt. Doch bevor wir diese Periode verlassen und zu der folgenden übergehen, wollen wir zuvörderst noch die GotteSmänner