Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-04-14 · Heft 15 (14.4.1869) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 15 (14.4.1869)
Date
1869-04-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447410--07094-2462680
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Amerika. Nerv-Aork Der „New-Dork Herold" schreibt: Diejenigen unserer deutschen Mitbürger, die der jüdischen Religion angehören, haben eine neue Art, ihre Wohlthätigkeitsanstalten zu unterstützen, ausfindig gemacht. Sie versichern ihr Leben zu Gunsten dieser Anstalten, indem sie die jährlichen Prämien bezahlen. Ein deutscher Israelit hat damit den Anfang gemacht und sein Leben mit 10,000 Dollar zu Gunsten des Waisenhauses versichert, andere folgten bald, und schon beläuft sich die Summe an Lebensversicherungspolicen auf 78,000 Dollar. Einige dieser Policen enthalten die Clausel, daß nach Ableben des Versicherten einem Waisenmädchen aus dieser Anstalt, das sich zuerst verheirathet, 500 Dollar aus bezahlt werden müssen. Washington. Das erste Telegramm, welches der Präsident Grant bei Gelegenheit der Einführung in sein hohes Amt erhalten hat, war eine Gratulation der Handelskammer von Berlin, daS vom Präsidenten derselben, Herrn Mayer (Jude), überschickt wurde. Afrika. Algier. Bei der letzten Gemäldeausstellung in Algier erregte» zwei Gemälde des Herrn Abraham Muhatty (Jude), ein Schüler des Üoraoe Vernet, große Aufmerksamkeit. Orn« (Algier). Herr Falk, Direktor der iSr. französischen Schule in Oran, wurde zum Officier der Academie ernannt. (Univ. Isr.) Tunis. Der Bey von Tunis hat Herrn Itamar Cohen die Dekoration des Ordens von Nichan Affikhar verliehen. (Univ. Isr.) Feuilleton. MmSgKch. Vierzehntes Capitel. Uor der KochzeiL. Unsere Leser werden sich erinnern, daß der Rabbiner von B. mit seinen Warnungen war abgewiesen worden, daß eS namentlich der <rttr AhrenS war, der es verhinderte, daß Louise auf die Stimme des Mahner« hörte. t Unterdeß hatte der Rabbiner von B. schlimme äten durchzumachen. Auch in seiner Gemeinde gab es Leute, die eine gesetzwidrige Umgestaltung des öffentlichen Gottesdienstes, die Einführung von Orgü und gemischtem Gesang wünschten. Der Rabbiner war durch die Vorgänge bei des vermeintlichen Eduard Lindenstein's Leichenbegängnisse in den Ruf eine« Fanatikers gekommen; soviele Zeitungen„ hatten ihn also genannt — es mußte also nach dem Urtheile der Oberflächlichen und Unwissenden etwas Wahres daran sein. Wenn er nun seine Meinung bei' religiösen Vorkommnissen aussprach, so zuckten viele Leute die Achseln und flüsterten verächtlich: „Der Fanatiker!" Man mußte seinem großen theologischen Wissen, seiner Uneigennützigkeit, seiner aufrichtigen Frömmigkeit, seiner Wohlthätigkeit bei eignen beschrankten Misteln, seiner aufopfernden Menschenliebe Gerechtigkeit widerfahren lassen — allein mit dem einem Worte „Fanatiker" wurde die gute Wirkung all der genannten vortrefflichen Eigenschaften zu Nichte gemacht. Bei den jüngsten Wahlen nun waren Männer in den Vorstand gekommen, die durchaus den Gottesdienst modernisiri haben wollten, aber in dem Rabbiner einen entschiedenen Gegner fanden, der felsenfest auf dem Boden des Schulchan Aruch verharrte; eö entspann sich innerhalb der Gemeinde ein heftiger Kampf, und wie das heutzutage zu gehen pflegt, rief dieser Kampf Schmähartikel in den jüdischen Reformblättern gegen die Person des Rabbinen hervor. Bei dieser Gelegenheit wurde die Geschichte Eduards wieder auhgerührt; es wurde erzählt, daß der Rabbiner von B. in jüngster Zeit die Wiederverheirathung der Wittw? Lindenstein habe Hintertreiben wollen, aber von den betreffenden Personen, wie sichS gebührt, ab- und zur Ruhr gewiesen sei; eS wurden noch einmal alle Umstände, welche bei Auffindung der Leiche auf Eduard schließen ließen, wiederholt, um die Wahnwitzigkeit dieser Art von Buchstabenknechtschaft recht ins Lich.t zu stellen. Auch der Rabbiner in EliaS LiefmannS Geburtsorte, einem entlegenen Städtchen der Provinz Posen, las diesen Artikel, und ihm kam der Gedanke, daß vielleicht der nun seit zwei Jahren verschollene Handlungsreisende seinen Tod in den Fluthen gesucht und in der Nähe von N. gelandet worden sei. Er hatte ein Zeitungsblatt aufbewahrt, in welchem der Steckbrief des vermeintlich flüchtigen Commis abgedruckt war; dieses schickte er denk Collegen nach B. Die erhaltene Nachricht schien dem Rabbinen von B. nicht unwichttg; schon in vierzehn Tagen sollte die Hochzeit LouisenS mit Grunert stattsinden; er eilte deßhalb nach B. und begab sich zu Louisen. „Frau Lindenstein," redete er dieselbe an, „ich habe hier eine nicht unwichttge Nachricht bekommen. Lesen Sie dieses da!" und er reichte ihr das ZeitungSblatt,—in welchem der. gegen Elias Lieftnrnn erlaffurs Steckbrief stand.! : - Louise las.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.