Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1869)
- Date
- 1869-04-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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877 Triebfeder bei der Entstehung jener Beschränkungen wie bei 'deren diesjähriger sorgfältigen Durchführung war, und welche durch ihren mächtigen Einfluß es sicherlich zu Hintertreiben wußte, wann immer der Monarch Anstellungen, wie die so vielverdiente des Hrn. vr Herz, zu gewähren persönlich geneigt war. Ja, sie hat ihre Zwecke erreicht; wenigstens für die Vergangenheit, leider nur zu gut. Ob auch noch in der Gegenwart und ob sic immer höher steigt, wie Piccolomini? Wir sind so glücklich, dieß entschieden verneinen zu können; eben die vollständige Anerkennung Seitens des Staates, die nun Herr Professor Herz gefunden, würde allein schon genügend darauf Hinweisen, wenn nicht das in Folge der Zeitereignisse eingetretene rasche Sinken ihres Einflusses und ihrer Macht überhaupt sich ebenfalls in diesen Tagen zur Freude aller wahrhaften Menschenfreunde aufs Klarste manifestirt hätte bei der Diskussion und Abstimmung des ziemlich freisinnigen Schulgesetzes in unserem Abgeordnetenhaus, wobei es die reaktionären Gegner dieses Gesetzentwurfs auf nur 26 Stimmen gegen 114 brachten, — gewiß ein sehr beachtenswerthes Zeichen der Zeit! Freilich wird dieses Schulgesetz noch in der Kammer der Reichsräthe einen harten Strauß zu bestehen haben, denn in der Kammer der Reichsräthe sind sehr Viele, welche jener Partei angehören, folglich aber auch — von den Juden nichts wissen wollen, Huvä erat; demonstrandum. Es war näntlich bei Abfassung dieses Aufsatzes eines unserer Hauptzwecke, darzuthun, wie sich zwar bei zunehmender Toleranz die Reihen unserer Feinde bedeutend lichten, aber doch nicht ganz verschwinden; wessen wir uns aber bei Gelegenheiten— von ihnen zu versehen hätten, dafür brauchen wir kaum erst auf die neuere Geschichte Böhmens und Rumäniens hinzuwiesen.' Sapienti sat. — Wir haben einen Blick aus die traurige Vergangenheit geworfen, weil wir glauben, daß das gegenwärtige jüdische Geschlecht wohl daran thut, dieselbe nie ganz zu vergessen bei der glücklicheren Gegenwart. Freuen wir uns über die Errungenschaften der letzteren von ganzem Herzen; aber während viele unserer Brüder in ihrer glücklichen, politischen und socialen Lage kaum anders denken, als wie schon unser Lehrer Moscheh warnend voraussagt: 'd nwy »t osyi td nin iw. „Meine Kraft und meiner Hände Anstrengung haben mir diese Macht — Neichthum, Ansehen, Einfluß — verschafft", so lastet uns für die Wohlthaten unseres humanen Zeitalters Dem danken, der auf unglückliche Tage glückliche hat folgen lasten, und indem wir Ihn bitten, daß Er die traurigen Zeiten der Verfolgung und der Schmach für immer gnädig verhüten möge, wollen wir unfern Dank gegen Ihn so einrichten, wie es uns Ps. 108 D. 21 andeutet: npie 'd viro >my »3 "pw. Ich danke Dir, daß Du mich gezüchtigt hast^ Du warst mir auch wieder zur Hilfe. Während wir diese letzteren Sätze niederschreiben, kommen uns 2 Zeitungsnotizen zu Gesichte, die einen traurigen Beleg zu unserer obigen Ansicht bieten. Die Eine, auf ein Vorkommniß in Eisensladt bezüglich, übergehen wir hier; die Andere, aus einer Gegend in Bayern, lautete, wie folgt: Daß k. Bezirksamt Hofheim (in Unterfranken) richtet, in Anbetracht der vielfachen in genanntem Bezirke vorkommenden Hetzereien gegen dieJuden, an fämmtliche ihm untergebene Ortsvorsteher die Aufforderung, ihre Gemeinden ernstlich vor Excessen in gedachter Richtung zu warnen und sie auf die bedeutenden pecuniäre Nachtheile aufmerksam zu macken, welche sie eventuell, nebst strengster Bestrafung der eigentlichen Excedenten, treffen würde. (Dieser Erlaß scheint seine Wirkung nicht zu verfehlen, da bis jetzt von wirklichen Exeesten nichtverlautet hat.) Wir sehen, wie die Feinde der Juden noch immer, wie Haman, unter einander sprechen: vnx ny uar* 'D 111SQ, wie sie aus mvr cnm — unseren abweichenden Religionsgebräuchen, und daß wir trotz alledem und alledem so eigensinnig sind, uns nicht — bekehren lassen zu wollen — ein Verbrechen stempeln. Wahrlich, Amalek ist noch nicht ganz auSgestorben, sein Geist wenigstens — der auch der Geist deS Judenedikts von 1813 — lebt, wenn auch mit sehr geschwächter Kraft noch immer fort. Tragen wir, jeder in seiner Sphäre, durch wahrhaft menschenfreundliches Verhalten gegen alle Menschen, ohne Unterschied de- Glaubens, dazu bei, daß jenem feindseligen Geiste immer, mehr gleichsam der Boden unter den Füßen entzogen wird; nur dadurch, sowie durch stetes Gottvertrauen und Halten der Gebote der heiligen Schrift kann der Kampf siegreich bestanden werden, von dem es in derselben Schrift heißt: 22 (n'O2 dp t '2 nicht kdu, nach der Erklärung unserer Weisen ^>"7 die stete persönliche Theilnahme des Ewigen an diesem Kampfe andeutend) in ins pizyi n"d nonta Die Hand liegt am Throne Gottes (zum Schwure, daß sein wird) Krieg für den Ewigen wider Amalek von Geschlecht zu Geschlecht. Fürth, im Nissan. Ein Vorkommniß aus der hiesigen „Scharre" oder Fleischbank, welches in Folgendem dargelegt ist, dürfte auch in weiteren Kreisen Interesse und Beachtung verdienen. In dieser Anstalt wird nämlich 220 Fleisch ausschließlich von christlichen Metzgern,, jedoch unter Aufsicht von D'Jöm D’aox verkauft und zwar wird dastelbe, statt direct abgeholt zu werden, auf Verlangen den Consumenten versiegelt ins Haus geschickt. Wer nun, wie die Meisten bisher, meinte, man sei durch das Anlegen des „Scharrsiegels" an das Fleischsäckchen hinlänglich vor rbli ns"iDi geschützt, der sollte vor Kurzem durch Borge-