Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1869)
- Date
- 1869-04-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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276 Freilich mit der Ansicht Richard Wagners ist es gar seltsam bestellt, und nur der Raum gestattet mir nicht, näher hieraus einzugehen, ebenso das Lügengewebe, in das sich dieser fanatische Judenfeind verwickelt, zu zerstören, so leicht dies auch wäre. Soviel ist gewiß; zum Renommee seiner Opern uud Werke hat Richard Wagner durch dieses Pasquill auf den gesunden Menschenverstand nicht beigetragen. Die Zeit, wo moralische Mordthaten, an den Juden begangen, alltäglich waren, ist vorüber, und sollten von einem liberalen Zukunftspropheten am allerwenigsten herbeigewünscht werden. Freilich ist der Höllenbreughel Wagners keine Zukunftsmusik. Die Musik der Zukunft ist eine andere, der reine Ausdruck der Jubelhymnen, die die freigewordene, nicht mehr durch Racenfeindschaft und Nationalitatenhader getrennte Menschheit anstimmt, die in raschem Fluge entgegenreift dem hohen Ziele wahrer Menschenvollendung! Das Gebahren Richard Wagners ist aber — Größenwahnsinn! Leben Sie wohl, mein Freund! Nächstens eine erfreuliche Erscheinung. Aeiturrgsnaehrichte« und Corresponderrze«. Deutschland. ZNarriz, H. April. Wir waren heute so glücklich, wiederum 1000 Thaler den nothleidenden Israeliten in Westrußland znzuwenden; wir haben davon 500 Thaler nach Memel und 500 Thaler nach Lyck geschickt. Die Summe der von uns in diesem Jahre gesammelten und übermittelten Spenden beträgt nunmehr 6000 Thaler. Zu diesem schönen Erfolge hat der Artikel von MaSkil el Doll in Nummer 12 und 13 nicht wenig beigetragen. Wir haben seitdem ähnliche Artikel erhalten, zu deren Ausdruck wir und jedoch nicht berechtigt glaubten. Diejenigen, auf welche solche Ansprachen Eindruck machen, haben bereits' ihre Schuldigkeit gkthan und könnten nur zu einem Uebermaaß von Anstrengungen angespornt werden. Auf Diejenigen aber, die ihr Herz und ihre Hand verschließen, würden andere, ähnliche Artikel doch keinen Eindruck machen. Möge sich der allgütige Gott recht bald unserer unglüÄichen Brüder in Westrußland erbarmen! □ München Se. Maj. der König haben Herrn Hofbanquter Joseph von Hirsch dahier und dessen Nachkommenschaft in den Fr eih er ruft and des Königsreichs Bayern zu erheben geruht. — Fürth, im Adar 5629. Wen» wir, im Anschlüsse an unsere Korrespondenz Betreffs Herrn Prof. Or. Herz zu Erlangen, die Gründe bezüglich dessen langjähriger Nichtanstellung näher zu erörtern unternehmen, so haben wir allerdings nur derartige, welche leider nur zu sehr und allgemein bekannt sind: sie liegen in dem feindseligen Geiste früherer — nicht Jahrhunderte, sondern — Jahrzehnte, welche Edikte, wie das vielgenannte von 1813 drktiren konnten, das, weit entfernt, Juden in Bayern eine Ehrenstelle ein- Huräumen, sogar mit deutlichen Worten, „nicht die Vermehrung, sondern die Verminderung" der Juden Bayerns anstrebte. In wie weit dieser so menschenfreundliche Zweck gelungen, zeigt ein Blick auf die Statistik. Es lebten nämlich, nach der amtlichen Zählung von 1867, bei einer Bevölkerung von 4,824,421 Einw., 49,840 Juden in Bayern, die sich auf die einzelnen Kreise vertheilen, wie folgt: Oberbayern: 2154 I. bei 8 27,699 E.; Niederb ayern: 36 I. bei 594,511 Einwoh.; Pfalz: 13,042I. bei 625,063E.; Oberpfalz: 1045 I. bei 491,295 E.; O b e r f r a nk e n: 4129 I. bei 535,060E.; Mittelfranken; 10,522I. bei 579,688 E.; Unterfranken: 14 400 Juden bek 584,972 E.; Schwaben u. Neuburg: 4512I. bei 585,160 Einw. Es treffen somit auf 1000 Seelen in Bayern: 10,33 Juden; auf 1000 S. in Oberbayern 2,60 I.; Niederbayern 0.06; Pfalz 20,83; Oberpfalz 2,13; Oberfranken 7,72; Mittelsranken 18.15; Unterfranken 24,62; Schwaben und Neuenburg 7,71. Dagegen zählte mÄr 1852: Unter 1000 Seelen in Bayern noch 12,32 Juden, 1840 bei einer Beoölkerungszahl von nur 4,370,977 Einw. 13,58 Juden auf 1000 E. und zwar 59,008 I. im Ganzen; 1834 endlich bei nur 4,246,778 E. circa 60,000 Inden. Wir sehen also aus diesen Daten, daß die Anzahl der Israeliten Bayerns in den letzten Jahrzehnten nicht — wie aus einer Münchener ^Korrespondenz Ihres gesch. Bl. seinerzeit hervorging — zu-, sondern leider! bedeutend abgenommen hat. Kein Wunder jedoch, wenn wir bedenken, wie in Gemäßheit jenes unseligen Edikts die Ansässigmachung und das Heirathen dem Juden äußerst erschwert war (Matrikel!) und er auch sonst im Handel und Verkehr sich vielfachen gesetzlichen Hindernissen und bei Privaten, wie nicht selten bei Behörden, manichfacher feindseliger Behandlung ausgesetzt sah. Deßhalb wanderten schon frühzeitig viele junge Leute nach dem Lande jenseits des Oceans, nach dem freien Amerika aus, und es mußte mit dem Zunehmen der Verkehrsmittel — der Eisenbahnen und Dampfschiffe — auch die Auswanderung immer mehr zunehmen. „Du hast's erreicht, Oktavia!« können wir daher jener bekannten, lieblosen Partei zurufen, welche die