Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1869)
- Date
- 1869-04-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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X. Jahrgang. Zweite Beilage z« Nr. 14 des Israelit. 8etotftft»tu>d>tfd?toK und Correspondenzen. Deutschland. □ München, 16. Marz. (Statistisches.) Nach den nunmehr definitiv vom kgl. statistischen Burau festgestellten Ergebnissen der letzten Volkszählung bekennen sich von den 4,824,421 Einwohnern Bayerns 3,441029 zur katholischen, 1,325,446 zur protestantischen Religion; Reformirte gibt es 3267, Griechen 143, Memmoniten rc. 4696. Das Ergebnkß in Bezug aus die Israeliten ist n"a ein sehr günstiges. Im Regierungsbezirke Oberbayern leben 2155 Israeliten in Niederbayern 36; in der Pfalz 13,042, Oberpfalz 1045, Oberfranken 4129, Mittelfranken 10,522, Unterfranken 14,400 und in Schwaben 4512. — ^damburg. Durch die Berufung des Herrn Dr. <§alzer zum Rabbiner in Schnaitach hat die hiefige Talmud - Thora - Schule einen großen Verlust erlitte«. Derselbe hat sich durch sein ^erfolgreiches Wirken an der Schule die allgemeine Liebe und Achtung erworben. Bei der AbfchiedSfeierlichkeit sprach ihm daher Herr Oberrabbiner Stern, Ephorus der Schule, den Dank für seine vorzüglichen Leistungen aus, und Herr Dr. Nathan gab den Gefühlen Ausdruck, die die Lehrer beim Abgang ihres geliebten College» empfanden. Möge Herr Dr. Salzer einen Wirkungskreis finden, der feinen Fähigkeiten entspricht; denn wir sind fest überzeugt, daß er alle seine Kräfte zur Ehre des wahrhaften ZudenchumS einfetzen wird. r. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 23. März. Die Feiertage rücken heran; aber kaum dürfte dieses Mal eine fröhliche Stimmung für uns in ihrem Gefolge fein. Denn Trauer und Betrübniß haben sich aller Herzen bemächtigt, die noch warm für die Religion unserer Väter, für die von \jd schlagen. Wieder wurde eine Zeder Libanons gefällt, wieder sank eine der minn in« ins Grab, wieder brach eine Säule zusammen, die das Gebäude mächtig stützte, welches in unserer Zeit von allen Seiten umstürmt und umdroht wirb. Wir beweinen den Heimgang eines der größten Talmudgelehrten Prags, den Tod des rrin nVc pwn um VVt , der wie allbekannt ist, eine hervorragende Rolle unter den hiesigen Talmudisten einnahm und beinahe als die erste Autorität Prags anerkannt und geachtet wurde. Wer einerseits die Zustände der prager Gemeinde kennt, anderseits die Vorzüge dieses Mannes, nämlich seinen biedern Charakter überhaupt, seine gründliche talmudische Gelehrsamkeit, seine Frömmigkeit, Geisteskraft und eminente Verstandesschärfe zu schätzen wußte, der wird wohl den Verlust ermessen, welchen wir zu beklagen haben, den harten Schlag fühlen, der uns getroffen. Ich dürfte hier bei dem Berichte von dem Tode diese- Mannes dieselbe Wehklage wiederholen, die in diesen geschätzten Blättern bei dem Berichte von dem Tode des p’u&yjj/wn pn\v n"?o fwon am erhoben wurde. Denn in mancher Beziehung sind ' die hiesigen Gemeindezustände den Gemeindezuständen Berlins sehr; ähnlich, wie überhaupt die beiden uralten Gemeinden Prag und Berlin *) viele Vergleichungspunkte darbieten. Auch in Prag ist eine große iSr. Gemeinde, die eine ruhmvolle Vergangenheit hat, in der einst der Mittelpunkt war, welcher Lichtstrahlen nach allen Richtungen hin auSsandte. Auch hier war einst die Quelle, zu der WisfenSdurstige aus allen Ländern von nah' und fern strömten, um aus derselben daS lebenspendende Wasser zu schöpfen. Und wie ist die Gegenwart dieser Gemeinde? Ach, wie trostlos, wie öde! Wie ist hier alles versandet! Wie ist diese Quelle von hier entschwunden gleich dem Baume in der Wüste! Zwar sind wir hier mit keinem Aub beglückt. ES werden bei uns, Gott sek Dank, nicht solche Vorlesungen gehalten, wie sie in diesen Blättern aus Berlin berichtet werden. Noch haben wir hier Männer in unserer Mitte, auf die wir mit Stolz blicken, die da stehen als nrn: niDni ^nan mpy, die mit Kraft und Entschiedenheit einstehen für jede Satzung unserer Thora, und nicht um ein Haar breit die Marksteine verrücken lassen, D'awsnn V?a:> iipn; aber leider sind sie nur sehr wenige und im hohen Greifenalter. Möge Gott sie uns noch lange erhallen. Wr DtyjyD rri" n">"o jmn am, an dessen Grabe wir jetzt ttauern, war der Sohn armer aber sehr frommer und rechtschaffener Eltern. Schon in der frühesten Jugend hielten sie den Knaben zum Thorastudium an, worin er auch bald die erfreulichsten Fortschritte machte. Mt welcher Gründlichkeit und wie eingehend der Verblichene, kaum zum Jünglinge herangewachsen, die D»n 'wd erfaßt hatte, ist aus einem ziemlich voluminösen Buche, aus einem ganzen v'ivnp von n"r> auf verschiedene ruv'o zu erkennen, das er schon in seinem fünfzehnten LebenS- *) Anm. der Red.: Die israel. Gemeinde zu Berlin ist keine „uralte"; sie wurde erst im Jahre 1688 von den auS Men vertriebenen und vom großen Kurfürsten aufgenommenen Israeliten gegründet.