Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1869)
- Date
- 1869-04-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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262 Rumänien. Grajova Die iSrael. Gemeinde zu Crajova hat jüngst von der Stadt Tirgu-Jiulu einen Leichnam zugeschickt erhalten, um ihn aus ihrem Begräbnißplatze zu begraben. Der Mann, der den Leichnam gebracht, erklärte, daß der Verstorbene ein Schneider, Namens Moritz Grünberg, 29 Jahre alt, und Familienvater war. Nach der Feststellung der Aerzte ist er eines gewaltsamen Todes gestorben. Ein Telegraphenbeamter von Tirgu-Jiulu wird als Urheber dieses Attentates bezeichnet. Unzufrieden mit einem Kleide, welches der unglückliche Schneider für dessen Frau gemacht hatte, fiel er im Vereine mit seinem Bedienten den armen Israeliten an und schlug ihn derart, daß bald darauf der Tod erfolgte. Da der Beamte immer noch seinen Posten beneidet, so läßt Alles vor.aussetzen, daß die Localbehörden dm Schuldigen nicht bestrafen. Aus diesem Grunde hat die hiesige israel. Gemeinde auf dem hiesigen Gericht eine Klage eingereicht, das, wie nicht anders zu erwarten ist, gegen den Mörder die Strenge des Gesetzes anwenden wird. (Echo Dan.) P a l ä st i n a. Jerusalem Es mag für unsere Leser nicht ohne Interesse sein, zu erfahren, welche Mittel in Jerusalem angewendet werden, um die Bekehrung der Juden zu bewerkstelligen. Wir entnehmen dies dem jüngsten von Bischof Gobat an die Getreuen in England gerichteten Briefe, welcher in dem Organe der Missionsgesellschaft, „the Jewish Intelligence,“ veröffentlicht ist. In dem Briese heißt es hierüber: „Jeden Sabbat wird eine Predigt aus den Aposteln auf einem öffentlichen Platz gehalten; die Missionsgesellschast hat ein Judenhospital unter der Aufsicht von Ihr. Chaplin, welches die Juden hochschätzen. Ferner besitzt sie: ein Jndustriehauö, in welches Juden, die darum nachgesucht, während der Vorbereitungszeit zu ihrer Bekehrung ausgenommen werdm und ein Handwerk erlernen; eine Knaben- und Mädchenschule, meist von Kindern von Proselyten besucht, und eine Nähschule für jüdische Frauen." Ueber die Resultate heißt es in dem Briese: „Die Missionäre und Katecheten haben viele Unterredungen mit Juden gehalten, welche immer mehr sere Glaubensgenossen vertreten, nur in Bayern nicht. Da nun im heurigen Frühjahre neue Wahlen ftattzusinden haben, so wollen wir unsere Glaubensgenossen darauf aufmerksam machen, daß sie seit dem Tode des sei. Abgeordn. Dr. Arnheim nicht mehr vertreten sind in Bayern.-(Das ist doch wohl nicht ganz richt g; da sich die Israeliten Bayerns an den Wahlen betheiligen , so sind sie auch in der Kammer durch die von ihnen gewählten Abgeordneten, wenn diese auch Nichtjuden sind, vertreten. — Red.) Lust zeigen, die Apostel zu hören, nur warm die erlangten Früchte gar zu gering; denn während ver letzten zwei Jahre haben wir nur fünf erwachsene Juden getauft. Obgleich viele Juden von der Wahrheit des EhristenthumS überzeugt sind (?), verweigern sie doch, es öffentlich zu bekennen. Der Grund dieser Verweigerung ist, daß die wohlhabenden Nabbinen Jerusalems große Fonds (?) besitzen, die sie dazu benutzen, die armm Juden von der Taufe zurückzuhalten. Darum, Jhr Getreum in England, gebet mehr, wenn Ihr haben wollt, daß die Arbeiten der Missionäre mit Erfolg gekrönt werden. Die Juden sind so niederträchtig, daß nur Geld Beachtung bei ihnen findet!!!" (Richtiger: die Mission ist so niederträchtig, daß sie durch Geld arme, elende und halbverhungerte Juden zu Apostaten machen will.) Asien. Damaskus, im Adar. Vor zwei Monaten starb dahier ein sehr geachteter Glaubensgenoffe, Chacham Mousa ben Chacbam Behar Iehouda, ein ganz tüchtiger Talmudist, welcher einen großen Ruf erlangt hatte ob seiner Standhaftigkeit in den trüben Tagen der Pater-Thowasgeschichte. Als hervorragendes Mitglied der hiesigen Gemeinde hatten ihn die türkischen Richter eingekerkert und während der langm traurigen Gefängnißhaft zu den grausamsten Foltern verurtheilt, um ihn zu dem Geständniß zu zwingen, die Damaöker Juden hätten den sicilianifchen Fanatiker Thomas getödtet. Allein der edle Dulder harrte standhaft bei seiner Betheuerung der Unschuld seiner Glaubensgenossen; alle Plagen und Qualen — und der Allmächtige weiß, wie unmenschlich die Angeklagten behandelt worden waren — Alles konnte den Märtyrer nicht wankend machen. Dieses Betragen, ein wahrhafter dlm enip, während alle übrigen Mitangeklagten erzwungene Geständnisse gemacht hatten, zeigt von der tiefen Liebe, welche Chacham Mousa zu seinen Brüdern hegte. Leider war dem biedern Manne ein körperliches Uebel von den erlittenen Schmerzen geblieben, welches ihn seit langer Zeit an das Bett fesselte. Sein Tod erfüllte unsere hiesigen Glaubensgenossen mit tiefer Trauer. Möge er jetzt in Frieden jener Glückseligkeit genießen, von der es heißt ross ->vtt -pw dt no Sir Moses Montefiore besuchte bei seiner Anwesenheit in Damaskus den genannten Ehrmmann, um demselben persönlich den Tribut seiner Hochachtung zu zollen. Ihre Leser werden bereits erfahren haben, daß David Chasan, Oberrabbiner von Jerusalem, das Zeitliche gesegnet hat. Ihm zu Ehren wurde dieser Tage riDabo bwD in dem jüdischen Viertel angeordnet und während derselben eine Trauerceremonie in der Hauptsynagoge abgehalten. Der Chacham-Baschi hielt die