Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-04-07 · Heft 14 (7.4.1869) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 14 (7.4.1869)
Date
1869-04-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447409--07074-2462659
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

lernt und mit derselben, bis vor 6 Jahre seine zahlreiche Familie, wenn auch kümmerlich ernährt, bis ihm ein Augenübel die Betreibung seiner Kunst unmöglich machte. Als die Repräsentanz eine jüdisch-theologische Anstalt gründete, fiel die Wahl zur Besetzung der Stelle eines tüchtigen Lehrers für die Rabbinatscandidaten auf diese anerkannte Autorität in dem Gebiete des Talmuds. Eine glücklichere Wahl konnte nicht getroffen werden. Nur schwer entschloß sich der nun Verewigte, diesen würdigen Posten anzutreten, als er ihn aber übernahm, war er unermüdlich in seiner Pflichttreue. Seine scharfsinnigen Dissertationen fanden Bewunderung, sein immenses Wissen erregte bei den Jüngern Staunen, bald verbreitete sich sein Ruf und die Zahl seiner Schüler vermehrte sich immermehr, als er vor 6 Monaten zu kränkeln anfing und dann in eine schwere Krankheit verfiel, ans der er leider nicht mehr anfstehen sollte. Verwaist sind nicht bloS seine Kinder, sondern auch die vielen Jünger, die er wie ein Vater liebte, verwaist ist die ganze Gemeinde, der er zur Zierde gereichte und als mio nernn unentgeltlich seine Zeit und fein Wissen widmete; der Schmerz, welchen diese Trauerkunde verbreitete, war außerordentlich groß. Sonntag Nachmittag fand die feierliche Beerdigung nachdem Programme des beim seligen Qberrabbiner Rappoport beobachteten Cercmonielles statt. Im Badhofe hielt der Gemeinde- Rabbiner, Herr Samuel Freund, einen großen Hesped, eine unabsehbare Menge betheiligte sich als Leidtragende und des Weinen und Schluchzens war kein Ende. Am Grabe sprach sein nächster Verwandte isnvj ain in einer Weise, daß die zahlreichen Anwesenden von der so geist- und gemütvollen Rede derart erschüttert wurden, daß Alles in Thränen sich badete. Redner hob hervor, welche Verluste die Thora hier in kurzer Zeit erlitt, wie unersetzlich der Verewigte ist, sowohl was seinen Privatcharacter als was sein Wiff.n betrifft, wie düster die Aussichten sind, daß je so ein Mann wieder heranreife, besonders hob er hervor, daß Niemand mehr vorhanden, der ein halachisches begründetes, streng wissenschaftliches Gutachten abgeben könne. Und wirklich ist dies jetzt leider der Fall; die Gemeinde hat die Pflicht irgend eine tüchtige taimudische Capacität, einen Fachmann zu berufen, ohne Rücksicht auf sonstige profane Bildung, wenn nicht die Thora hier gänzlich verkümmern soll. Pesth, am 16. März 5629. Vor Allem die angenehme Neberraschung, daß die nnpö - Tage nahe sind, denn das prophetische Wort, es würden an jenen Tagen die wildesten Wölfe friedlich neben dem sanftesten und frömmsten Lämmchen weiden, ist schon in Erfüllung gegangen. Oder ist es etwa nicht ebensoviel, wenn wir den „ strengorthodexeu " Herrn Eisler in. der „Neuzeit? in so gemächlichem, „freundschaftlichem" Gespräche mit Herrn SzLntü stnden. Freilich läßt sich nicht leugnen, daß Herr Eisler es noch nicht so weit gebracht hat, wie das Lämmchen;' denn während dieses, nach des Propheten Wort, sich collegial neben den Wolf stellt, stellt sich Herr Eis-' ler in größter Ehrfurcht und Demuth unter die Fittige des Herrn Sz., um sich, wie der Schüler vor seinem Meister, „wie der Knecht vor seinem Herrn" über sein Benehmen im Congreffe zu rechtfertigen. — Ich frage Sie offen, lieber Herr Eisler, was führte Sie dazu, sich vor einem Szantv und seinen Leuten darüber zurechtfertigen, daß Sie den als Basis einer Gemeinde u. f. w. anerkannt wissen wollten? Was führte Sie ferner zu den empörenden Verleumdungen, die Sie so ungeschickt gegen die Orthodoxie in das Lager ihrer Feinde schleuderten? Sie sagen, Sie müssen mit Bedauern gestehen, daß Sie kein strenger Orthodoxe seien, da Sie den Fortschritt wollen, so lange derselbe sich innerhalb der Religionsgrenzen bewegt. Die Wahrheit Ihres Geständnissewill ich wohl nicht bestreiten; daß man aber nur aus dem Grunde kein „ strenger Orthodoxe" sein könne, weil man den Fortschritt, den wahren Fortschritt will, das Herr Eisler ist nicht wahr! Um Sie gar nicht zu bemühen, fahren Sie doch hinüber in Ihr Nachbarstädtchen, Neustadl an der Waag, wo ein Mann ein unwiderlegbarer Beweis gegen Ihre Verleumdung ist. — Sie werden verzeihen, Herr Eisler, daß ich zu Ihnen, dem Manne, der in den „Tagen der Noth" so fest und unerschütterlich bei der orthodoxen Partei gestanden. mit solcher Bitterkeit spreche; denken Sie zu meiner Entschuldigung daran, daß man manchmal von Freunden mehr als von Feinden zu fürchten hat. — Die „ Congreßzeitung " hat zu erscheinen zugleich natürlich mit der Thätigkeit des Congreffes aufgehört; und selbst das, daß die aus derselben hervorgegangene und nur in zwei Nummern erschienene „Levana" nicht mehr erscheint, ist auch kein Wunder, denn wie könnte ein „Mond" beim Hellen Tageslichte unserer Aufklärung scheinen? — Den ersten Schritt zu ihrem Grabe that übrigens oie „Levana" schon damals, als stein ihrer ersten Nummer den Forderungen der orthodoxen Partei Recht gab, wodurch sie, natürlich ganz gegen ihre Erwartungen, mit beiden Parteien gebrochen: — „Iziaelita Közlöny“ hat allenfalls unter der Redaction deö Herrn Director Deutsch bedeutende Schritte zur Besserung gemacht, läßt aber noch so manches zu wünschen übrig: hoffen wir jedoch, daß Herr Director Deutsch, da er jetzt schon mehr Zeit hat, die Redaction jenes Blattes mit mehr Sorgfalt leiten wird. — Die Redaction des „ M. Zsidö “ scheint noch mit sich selbst nicht im Klaren darüber zu sein, ob sie die Principien der äußersten oder die der gemäßigten Orthodoxie mit mehr Nachdruck vertret-n solle, und vertritt daher vorläufig fast gar kein Princip mit gebühren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.