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Der Israelit · 1869-04-07 · Heft 14 (7.4.1869) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 14 (7.4.1869)
Date
1869-04-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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X. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 14 des Israelit. Leitender Artikel. Die erste Synode oder der LaSytonifche Wurmöau. 7320 & P3W? bi’ 7PW 7>ttJ5 tt> : 37Db Es war im Jahre 1868 der jetzigen Zeitrechnung, als die Menschen sich frei wähnten von den Kriegestönen. Paukenschall und Pistolenknall schreckten nicht ferner die Gemüther auf, nur in den höheren Regionen der Diplomatie, wie in den Zeitungsblättern und in den Hallen der Börse spukte das KrregSgespenst. Die große Zahl der Alltagsmenschen vertraute dem Frieden und schickte sich an, Gewerbe und gesellige Vereine zu hegen und pflegen. Man kam überall zusammen, um nach dem großen Vorbilde der politisch-staatlichen Einigung Deutschlands auch in allen anderen Verhältnissen eine Einheit zu erstreben. Ueberall sah man große und kleine Körper- und Genossenschaften sich zusammenthun, und in allen Gauen Deutschlands tagte wenigstens eine derselben. Die schöne Witterung des Jahres 1868 begünstigte besonders diesen inneren Trieb zur Vereinigung und Geselligkeit. Dieses sah und hörte der Redacteur der „Allgemeinen Ztg d. I.", und auch ihn gelüstete, an diesen Geselligkeiten Theil zu nehmen und seinen Ramm in den Annalen des Jahres 1868 ebenfalls verzeichnet zu sehen, und so schrieb er einen Leitartikel für seine „Zeitung des Judenthumö". Mit streng logischer Evidenz wieS er nach, wie in der jetzigen Zeit der Unreligiösttät das religiöse Bedürfniß allgemein vorherrschend sei, wie ferner die religiöse Anschauung in der neusten Aera bedeutend sich gehoben habe unb die der früheren Jahre glänzend überstrahle, es fehle nur noch das klare Bewußtsein, wie man sein religiöses Bedürfniß der gehobenen religiösen Anschauung gemäß befriedige; eS fei daher notwendig, daß eine Rabbiner-Versammlung tage, um der lechzenden Heerde ihren religiösen Durst durch ein gutes Gebräu zu stillen. Diesem Wunsche des ehemaligen Rabbi zu Magdeburg willfahrten 24 Rabbinen Deutschlands und der Schweiz. Aus Süd unb Nord machten sich die Rabbinen von ihrem ruhigen Sitze auf und ließen sich vom Dampfrosse nach der ehemaligen Residenz des einzigen deutschen Kurfürstenthums hinfahren. Und es war am August des denkwürdigen Sommers 1868, an welchem 24 Rabbiner in der Restdenzstadt Casiel tagten. Feierlichst wurden dieselben vom LandeSrabbiner begrüßt, worauf der genannte Ep-Rabbi i das Wort ergriff und „den versammelten Collegen die! von ihm rorgelegten Anträge über den CultuS zur , Betrachtung und Beschlußfassung empfahl". Also ist es zu lesen in dem officiellen Bericht der R.-D. Doch welcher Schreck? Die glänzenden Lorbeeren, welche der Urheber dieser Versammlung vor: dieser und der Mit- und Nachwelt zu erbeuten hoffte, o, sie wurden ihm geraubt; denn in jenem ofnciellen Berichte ist ferner zu lesen: „Gegen diesen Antrag erhob sich das Bedenken, es möchte nicht rathsam sein, in dieser Versammlung Beschlüsse zu fasten". Zm Talmud sei zu lesen: np:n nin D’oy*? ritrbv, dreimal ist Iudenrecht, heißt es auch im Volke. Dreimal haben wir bereits getagt, dreimal waren wir bereits zusammen, haben gesprochen, beschlossen, und unsere Protokolle veröffentlicht, und was haben wir erzielt? „Unser Streben kennzeichnet man als hierarchisch," unsere Beschlüsse blieben erfolglos, die gedruckten Protokolle sind kaum in, einer jüdischen Bibliothek zu finden. Befolgen wir also hierbei den talmudifchen Grundsatz, 3mal ist für j eine Sache maßgebend, darum überschätzen wir unsere Thätigkeit nicht. Doch damit wir unsere „Namen" uns retten und unser Renomme wahren, wollen wir uns herablassen und mit den Männern aus dem Volke zusammen tagen; lassen Sie uns dem Beispiele unseres ersten Lehrers folgen, dem die Bescheidenheit als das Höchsts Ideal galt, und der ebenfalls, bevor er seine Lehre dem Volke vortrug, dieses zusammenberief und dessen Stimme darüber vernahm. Da wir nun auch eine neue Lehre dem Volke geben wollen, lastet uns das Volk berufen und seine Stimme hören. Und so wurde mit Stimmenmehrheit beschlossen: „die hohe Rabbinerversammlung zu Cassel entkleidet sich ihrer hierarchischen Würde, steiget zum Volke herab, um mit diesem zusammen zu tagen und zwar soll nach Analogie gleichartiger Versammlungen auch diese: „Synode" genannt werden". Ferner wurde zum Beschluß erhoben, daß eine Commission zur Berufung der Synode ernannt werde, wozu selbstverständlich nebst dem Herrn Vorsitzenden und dem Rabbi der Residenz des norddeutschen Bundes, vulgo 2irr genannt, auch derAller- WeltS-Mann, der weiland Rabbi von M., ernannt wurde. Mit gehobener Stimmung, heißt eS nun in dem officiellen Bericht, haben die Rabbiner die Wilhrlmshöhe und die Residenz verlassen, bewußt, flch ein hohes Werk gestiftet zu haben, welches von segensreichen Folgen fein wird. Ein neues Institut hat also die R.-V. zu Cassel im I. 1868 geschaffen, und dieses heißt Synode. Doch im Talmud ist zu lesen: ES ist schon Mes dagewesen.

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