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Der Israelit · 1869-04-07 · Heft 14 (7.4.1869) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 14 (7.4.1869)
Date
1869-04-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Süden Kanonendonner benachrichtigte Dampfcorvette herbeigebraust; vergebens versuchte der Seeadler seinen nlten Schlupfwinkel zu erreichen und sich hinter den vorspringenden Felszacken zu Lergm, wohin ihm ein mit der Oertlichkeit nicht vertrautes Schiff nicht hätte folgen können; allein er wurde noch auf hoher See «ingeholt und geentert. Jetzt entspann sich ein wüthender Kampf. Die Räuber wußten, daß sie verloren waren und wollten ihr Leben so theuer als möglich verkaufen; allein sie fielen nach verzweifelter Gegenwehr oder wurden entwaffnet. Als man das Räuberfchiff durchsuchte, fand man den gefesselten Eduard; man befreite ibn von seinen Fesseln, und der Commandeur hörte theilnahmövoll seine traurige Geschichte. Eduard war eS dann, welcher den Engländern die versteckte Bucht zeigte. Man begab sich ans Land und fand die großen Schätze, welche die Räuber hier aufgestapelt hatten. Eduard erhielt die Versicherung, daß er nicht allein sein Eigenthum zurückerhalten, sondern auch noch eine Prämie von der englischen Regierung empfangen würde. Dann fuhr man nach der nächstgelegenen englischen Station ab, wo die übriagebliebenen Räuber zum Tode verurtheitt und gehenkt wurden. Eduard dankte dem Allgütigen auf seinen Knien für die Befreiung aus der Hand der Räuber. Er hatte jetzt keinen innigeren Wunsch als den, nach Haufe zu den Seinen zurückzukehren. Da gerade ein Sckiff nach Brasilien abging, so rieth man ihm, diese Gelegenheit zu benutzen, da er von dort aus mit regelmäßiger Postverbindung nach Europa zurückkehren könne, was von der abgelegenen afrikanischen Station aus nicht möglich war. Eduard folgte diesem Rathe und kam nach wenigen Wochm wohlbehalten in Rio de Janeiro an. Hier brauchte er in der That nur einige Tage auf den Abgang eines Schiffes nach Europa zu warten. Als Eduard sich eine Karte zur Heimkehr gelöst hatte, begab er sich zu dem Conful feines Heimathlandes, um zu erfahren, ob vielleicht Landsleute von ihm in Rio anwesend seien. Zu seiner freudigsten Ueberraschung erfuhr er, daß einer seiner ehemaligen Freunde, Bernhard Holzinger, sich in Rio befinde. Er suchte ihn sofort auf. Dieser stand wie versteinert, -als er Eduard erblickte. „Bist Du *8 wirklich, Eduardrief er, „oder ist eS Dein Geist? Wie so bist Du von den Tobten erstanden? Habe ich Dich doch tovt auS dem Wasser ziehen sehen, habe ich doch dein Portemonnaie in der Hand gehabt, Deinen Tod vor Gericht bezeugt, Deinem Leichenbegängnisse angewohnt! Und doch, Du bist 's. Du stehst hier lebendig vor mir! Wie ist denn das möglich?" Und Eduard erzählte die Geschichte seiner Flucht, seiner Gefangenschaft, seiner Rettung. Dann erzählte auch Holzinger von der Auffindung der Leiche, die mit Eduards Rock bekleidet gewesen, die sein Portemonnaie in der Tasche gehabt und deren Wäsche mit E. L. gezeichnet war — jetzt wurde Alles klar, eS war die Leiche des unglücklichen Elias Liesmann gewesen. „Aber," fragte Eduard, „ist denn meinZHaus nicht gefallen, nicht die Insolvenz erklärt worden?" „„Im Gegentheile, Dein Vater starb als reicher Mann und hat ein großes Vermögen hinterlaffen."" Als Eduard hörte, daß sein Vater gestorben war, fing er bitterlich an zu weinen- Jammernd zerriß er sein Gewand und warf sich wehklagend auf die Erde. „So soll ich Dich nicht Wiedersehen, Du guter Vater!" klagte er. „So bist Du denn mit Kummer über Deinen Sohn aus dieser Welt geschieden! Vielleicht hat gar der Schmerz, den ich Dir bereitet, Dich getüdtet! O, ich Elender, ick Unglücklicher!" Holzinger suchte seinen Freund zu trösten, soviel es ihm möglich war. Er erzählte von Louise und Alfred; berichtete über des Letzteren Krankheit und Genesung, von Grunertö Antrag -und deffen Zurückweisung. Von der Erneuerung dieses Antrages und der stattgehabten Verlobung wußte Holzinger noch nichts; das war erst nach seiner Abreise vor sich gegangen. „Aber sage mir," fragte Eduard, „wie war emöglich, daß mein seliger Vater allen Ve bindlichkeiten, die ich eingegangen, Nachkommen konnte? <&o viel ich mich erinnere, hatte ich ein Deficit von circa hunderttausend Thalern!" „Das kann ich Dir nicht sagen. Vielleicht gebot er über Mittel, von denen Du nichts wußtest." „„Nein, nein, ich war unumschränkter Herr des Geschäfts."" „Vielleicht ist ihm von Freunden über die momentane Verlegenheit h'nweg geholfen worden. Er hat nach dem Frieden von Villaftanca die von Dir fixirten Papiere mit großer Avance verkauft." Eduard gab den Gedanken auf, das Räthsel zu lösen. Die Tage bis zum Abgänge des Schiffes vergingen ihm in HvlzingerS Gesellschaft schnell. Bald fuhr das nach Southampton bestimmte Dampfbovt ab, und Eduards Herz schwoll bei dem Gedanken, nun bald die Heimath, Frau und Kind wiederzusehen Und das Grab seines Vaters besuchen zu können. (Forts, folgt.) Verantwortliche Redaction: 2>r. Lehmann. — Verlag der Le Ronx'schen Hostuchhandluna. — Dampf-Vchnellpressendruck von I. »ottSleben in Rain-. Hirrz» drei Beilage«. I

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