Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1869)
- Date
- 1869-04-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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255 theuren, unvergeßlichen Rabbiners gehalten wurden, unser Schmerz fand keinen Ausdruck! Möge die Erinnerung an die 27jährige Amtsverwaltung unseres theuern Rabbiners v"8i in unserem Andenken wach bleiben, mögen wir stets denken an das Beispiel, das er uns gegeben, an die Lehre, die er uns erlheilt, an die Tugenden, die er besaß — mögen wir in seinem Geiste leben und streben, so daß wir noch in spätester Zeit ausrufen könnte: >n *}dv> n?y! Schweden. Stockholm. Laut Zählung vom 31. December v. I. hat Stockholm 769 Juden (399 männliche und 370 weibliche). Gothenburg hat 56,000 Einwohner, darunter 4<D Juden; trotzdem befinden sich unter den 56 Stadträthen 7 Juden. (Hamagid.) Griechenland. Corftt. Die griechischen Juden haben nun auch ein jüdisches Blatt. Dasselbe erscheint monatlich in Corfu unter dem Titel: „Die jüdische Familie," in italienischer Sprache. Feuilleton. Unmöglich Vierzehntes Capitel. Aie Zrefreiititg. In ihrem sicheren Versteck lagerten die Räuber; man theilte die Beute, die man jüngst wieder gemacht hatte. Es war nämlich ein spanisches Schiff mit reicher Ladung von den Räubern gekapert worden. Das Hauptwerthstück unter den eroberten Dingen war ein mit großen Diamanten besetztes Crucefix. Kapitän Bremke nahm es ohne Widerspruch für sich in Anspruch; er betrachtete es mit Wohlgefallen; dabei ging ihm die Pfife auS. „Feuer!" herrschte er Eduard an. Dieser brachte das Verlangte; allein der Tabak war ausgebrannt und wollte nicht mehr anziehen. Da warf ihm der Kapitän die Asche und die Jauche ins Gesicht und befahl ihm, die Pfeife aufs Neue zu stopfen. Stumm gehorchte der Geplagte und brachte demütbig Pfeife und Feuer dem rohen Gebieter. Dieser betrachtete voll Wohlbehagen die großen, leuchtenden Diamanten des Crucefixes, wie ein Kind sein Spielzeug betrachtet. Dann rauchte jj* seine Pfeife an. „Hast 's gut gemacht, Linvenstein," sagte er gnädig, „komm, darfst auch diesen chönen Herrgott küssen." „Ich küffe Euer Bild nicht," entgegnete Eduard. Im selben Augenblicke fühlte er Bremke'S wuchtige Hand auf seiner Wange: „Wirst Du, Hund, gleich thun, was ich Dir befehle!" rief er, und hielt ihm das Bild aufs Neue hin, „wenn Du auch Protestant bist, so wirst Du doch dieses schöne Meisterwerk der Kunst küssen dürfen." „Ich bin kein Protestant!" sagte Eduard. „So bist du wohl' gar ein Jude?" Eduard schwieg. „Kameraden," rief Bremke, „der da ist ein Jude; kommt, wir wollen ihn taufen!" Mit furchtbarem Halloh warfen sich die rohen Gesellen auf Eduard; Wasser wurde herbeigeholt, um es ihm über den Kopf zu gießen; aber der Kapitän verhinderte es. „Nicht also, Brüder," sagteer; „wollen wir uns einen Spaß machen, so soll er auch ordentlich sein. Wir wollen zuvor eine Kanzel und einen Altar bauen; ich will mich mit den Gewändern des spanischen Priesters bekleiden, den wir gestern zur himmlischen Seligkeit befördert haben und dann wollen wir die Judentaufe mit allem Eeremoniell vornehmen." Man that, wie er gesagt hatte; aber noch wahrend der Vorbereitungen eilten die ausgestellten Wachen herbei und meldeten, daß ein englischer Schooner in Sicht sei. Sogleich wurde der Seeadler bestiegen, um den gemeldeten Schooner zu verfolgen. Es war seit einigen Monaten nicht unbemerkt geblieben, daß in neuerer Zeit an der ostafrikanischea Küste viele Schiffe verschwanden. Die englische Regierung , welche dort viele Stationen unterhält, war auf diesen Umstand aufmerksam geworden; man vermuthete, daß sich ein kühner Seeräuber in irgend einer versteckten Bucht verborgen halte. So hatte man denn einige Kriegsdampfschiffe dorthin beordert und ihnen die strengste Wachsamkeit zur Pflicht gemacht. Der Commandcur der Flotille chatte einen Schooner vorausgeschickt, um den Seeräuber ^us seinem Verstecke herauszulocken; eine Dampscorvette folgte in geziemender Entfernung, um dem Schooner, wenn' nöthig, zu Hilfe zu eilen. Der Schooner selbst war gehörig mit Kanonen gespickt und mit erfahrenen Seesoldaten bemannt; dabei hatte er jedoch ganz das Aussehen eines Kauffahrteischiffes; die auf der Breitseite lauernden Kanonen waren gehörig verdeckt. — Ohne Verdacht zu schöpfen und durch die vielen seitherigen Erfolge kühn gemacht, segelte der Seeadler auf den vermeintlichen Kauffahrer los, um ihn wie so viele seiner Vorgänger zu entern, die Mannschaft mederzumachen, die Ladung zu bergen und dann daS Schiff in den Grund zu bohren Diesmal wurde jedoch der' Seeadler von einer tüchtigen Kanonensalve .begrüßt, die ihm nickt wenig Schaden zufügte; rasch wendete er und wollte fliehen; da kam aber die durch