Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1869)
- Date
- 1869-04-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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252 Und sendet Gürtel für dm Kaufmann viel, Hält ne ihr Kleid in Glanz und Frauenwürde Und lacht der letztm Lage eitlem Spiel, Und öffnet ffe dm Mund von Weisheit sprühmd Dann strömt bezaubernd ihrer Zunge Wort; Doch stets noch für ihr Haus sich wachsam mühmd Zßt sie der Trägheit Brod an keinem Ort: Dann preism stets sie glücklich ihre Söhne, Ihr Lob verkündet weit ihr Eh'gemahl; „2ßenn bieder handeln, tugendhaft viel' Schöne So übertrrffst doch du sie allzumal." Drum trügt die Amnuth, ist die Schönheit Lüge Dem gottesfürcht'gm Weib nur Lob gebührt. So reicht die Frucht ihr ihrer mächt'gen Siege Und ihre Thatm stets im Munde führt. (Spr. 32). Wahr und sinnig haben daher unsere, in die heilige Schrift tief eingedrungenen Weisen gerade diese Schlußworte des Spruchbuches beim Eingänge de- Sabbaths zu recitiren eingeführt. Denn so wie der Ruhetag jedesmal die ungetrübte, reine Liebe zwischen Gott und seinem Volke Israel, gleichsam seine geistige Vermahlung mit dem Weltenschöpfer erneuern soll, ebenso soll jeder Hausvater, beim Eintritt aus der Synagoge in seine, während des Gottesdiestes durch das Anzünden der heiligen Kerzen geweihete, von seiner Gattin sabbathlich geschmückte und auf seinen Empfang vorbereitete Wohnung, seine geistige Vermählung mit der Gattin erneuen und seine» AM und Zuneigung zu ihr von Neuem 3» erkennen geben. Denn wenn auch der Mann''während der Wochentage durch seinen Beruf und seine Geschäftsthättgkeit derart ist!WsPr^ch.LeWMmen wird, daß er, oft getrennt gar nicht zum Bewußtsein seiner selbst, vielweniger zu der Zusammengehörigkeit mit noch andern tyeuren Gliedern seines Hauses gelangen kann, so soll er desto lebhafter beim Beginne der sabbathlichen Ruhe zu dem beseligenden Gefühle gebracht werden, daß er einer Familie angehöre, als deren Haupt er sich glücklich preisen kann. Voller Freude soll er segnend seine Hände auf das Haupt seiner Kinder nun legen und mit freude- und liebestrühlenden Blicken seine sorgsam ordnende Gattin begrüßen. Welche Worte wären dann wohl geeigneter, als gerade diese Schlußworte der Proverbttn seinem Herzen und Munde entströmen zu lassen? Wenn nun Salomo ein so feines , bis in die kleinsten Details eingehendes Gemälde einer biedern, über Alles hochzuachtenden Gattin mit meisterhaftem Pinsel gezeichnet, so muß er auch ein solches, wenn auch nichr unter seinen eignen Frauen, — was nicht ganz unwahrscheinlich ist doch wenigstens unter seinem Volke hinlänglich kennen zu lernen Gelegenbeit gehabt haben. Jedenfalls scheint er, trotz der Ueberzahl seiner Frauen, ein sehr zärtlicher Gatte und kein Haustyrann gewesen zu sein, indem er sie alle mit der größtes Schonung und Milde behandelt hat. Aeitrurgsrrachrichte« tut* mottefpom Penttn* f Deutschland. Mainz, 6. April. Wir haben heute sür die Nothleidenden in Westrußland 500 Thaler nach Memel, 300 Thaler nach Königsberg, 100 Thaler nach Gumbinnen, 100 Thaler nach Tilsit und 100 Thaler nach Schirwindt gesandt. Außerdem wurden von dem hiesigen Comits 200 Thaler nach Lyck geschickt. Die Summe der in diesem Jahre von uns gesammelten und übermittelten Spenden für obigen Zweck beträgt nunmehr 5000 Thaler. — Osfenbach, 26. Marz. Unserer guten Stadt geschieht nur höchst selten Erwähnung in Ihrem gesch. Blatte; es sei denn, daß Mandel'S orthodoxe Würi'te, die Offenbacher Viehmärkte oder eine Lehrlingsstelle in einem hiesigen Geschäfte, mit der Bemerkung „Samstags frei" annoncirt werden. Und doch wäre so oft und so Vieles zu berichten und es würde sich ohne Zweifel Manches in unfern religiösen oder vielmehr irrelegiösen Zuständen bester gestalten, wenn eS bisweile» einer öffentlichen Besprechung unterzogen würde; allein hier heißt es im vollenWsrtstnne jw.am prr : vp2v Schreiber dieser Zeilen möchte nur über einen herben und traurigen Verlust referiren, welchen leider das Judenthum und ganz besonders das orthodoxe Judenthum Anfangs dieses Monats erlitten; weil sich bis jetzt noch keine geübtere, vielleicht auch berufenere Feder, von der man es längst erwartet, hierzu gefunden. Wissen denn die Herren nicht, und soll eS die orthodoxe Judenheit nicht erfahren »3 Ja, am 1. März also vw '"»i geschah eS, daß Selig Merzbach der Gründer der orthodoxen Religionsgesellschaft dahier, nach längerem Schmerzenslager seinem thatenreichen, sehr wohlthatigen Leben hinieden, durch den Tod entrückt und in ein besseres Jenseits abgerufen wurde. — In seiner Jugend in dürfttgen Verhältnissen, war er als liebender Sohn die Stütze seiner früh verwittweten Mutter. Alö er später verheiratet war und ftch allmählich materiell emporarbeitete, begriff und übte er die Bedeutung der Worte d« ■ptpaai in ihrem vollen Sinne. — Obgleich selbst mit Kindern reich gesegnet — 10 Söhne unv 4 Töchter —, hinderte ihn dies doch nicht, eine früh verwittwete Schwester sammt ihren 5 Kindern in sein HauS und an seinen Tisch voll-, ständig aufzunebmen, die Kinder zu erziehen und ihnen - nach und nach zu Wohlstand zu verhelfen, und du die Vorsehung ihn mit der Zeit reichlich segnet«, sr