Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1869)
- Date
- 1869-04-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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mehr mit Verständniß folgest köttnen, darum soll daö Wvchenpensum auf ein Minimum Ifttip werden." ^Weil ein großer Zäheit der HroßgeAgMM Generation die hebräischen Gebete nicht mehr gut versteht, darum soll die hebräische Sprache aus dem Gotteshause gewiesen werden." Sind das nicht Reformen aus purer Ignoranz? Eine Coufequenz liegt allerdings nt feem ganzen Verfahren. Erst erklärte man das Hebräische in der Religionsschule für nicht obligatorisch, sprach wegwerfend und mit beredtem Achselzucken über heilige religiöse Institutionen, und nun, wo jene Saaten aufgegangen, die Ignoranz im Hebräischen und der Indisferentismus gegen alles Religiöse in. schönster Blüthe stehen, da bleibt freilich nichts Anderes übrig, als auf dieser schiefen Ebene weiter abwärts zu rollen, und das hebräische Element aus dem Gottesdienste — so viel als thunlich — zu entfernen. Man steht schon vor der Frager „Sollen Borchu, Schma, Keduseha, Kaddisch re. in der Ursprache beibehalten werden?" Fürwahr! die Todten reiten schnell! Doch wir wollen hier diesen Gegenstand, nur insoweit er die Religionsschule angeht, berühren. Es liegt auf der Hand, daß sobald das hebräische Element aus dem Gottesdienste möglichst beseitigt wird, eS.auch äuf dem Lehrplan der Religionsschule immer mehr zusammenschrnmpfen wird, denn es fällt sodann fstr viele Väter das zwingende Moment, sich mit Verständniß an dem gemeinsamen hebräischen Gottesdienst zu lLtheiligen, fort. Wozu dann noch die Kinder mit dem Hebräischen „abquälen?" Dann genügen Schma, Kedtischa und Kaddiseh, höchstens noch die hebräischen Segcnssprüche für den Bar-rnirwa, und das läßt sich ja schlimmsten Falls auch mit lateinischer „Buchstabenumschreibung" bewerkstelligen. Damit wäre denn das Hebräische glücklich beseitigt, der Neligionsschule die Seele genommen und — dem Iudenthum die Pulsader unterbunden. Wie? Voll unsere Jugend wirklich nicht mehr aus der -Quelle schöpfen können? Soll sie lediglich auf die meist fehlerhaften Uebersetzungen angewiesen sein? Soll sie blindlings das als „Gotteswort" hinnehmen müssen, was ihre Prediger dafür ausgcben? Nimmermehr! „Die Lehre, die Mose uns geboten, muß ein Erbe der Gemeinde Jaköbs bleiben." Wenn die Religionsschule ihre Aufgabe in Wahrheit erfüllen will, dann muß sie in eikster Reih^ das Hebräische pflegen „ nicht blos aus ästhetischen und wissenschaftlichen Gründen, sondern weil es der Lebensnerv des Judcnthums ist, weil wir sonst aufhören das „Volk der, Schrift," das Ryligiönsvolk zu sein. Ein Geschlecht muß erzogen werden, das wieder vertraut ist mit der Bibel in der Urchprache, das die hebräischen Gchete versteht, das dieIhebräische Literatur liebgewmnt, und für ihre Pflege Opfer stringt, das zugleich' seine eigene ruhmreiche EWchdchte, sowie die religiösech'Wtstitutionen tu ihrer gHchichtltchen Entwicklung k«Wen, schätzen und lieben Mnh, hgß nicht stärker die Jgtwranz und der JndifferNrstSüms die Hauptmotive für die weitgehendsten Reformen abgeben. Weil ein großer Theil des Heranwachsenden Geschlechts die hebräischen Gebete nicht versteht^ Harum soll das Hebräische — nicht etwa beseitigt — sondern erst gerade recht mit besonderer Liebe in der Religionsschule gepflegt werden. Was würde n man von einem Gymnasialdirector sagen , der, weil er sieht, daß ein Theil der Schüler fein Intereffe für Latein oder Griechisch zeigt, diesen Lehrgegenftand ganz ausheben und an seine Stelle deutsche, noch so vortreffliche, Uebersetzungen der Klassiker «inführen würde! — Man nehme beispielsweise mit den reiferen' Schülern in der Religionsschule einen Gebet-Psalm im Original durch, erkläre ihn«: denselben, mache sie auf die Feinheiten und Schönheiten der hebräischeü Poesie aufmerksam, präge ihnen den Psalm so ein, daß ihnen bei jedem Worte Sinn und Verständniß gegenwärtig sei, und lege ihnen dann die Frage vor, ob sie diesen Psalm in der markigen Ursprache oder in einer matten Uebersetzung beten wollen — fürwahr, „aus dem Munde der Kinder" wird Euch die Antwort ryerden. Aus die gewiffenhafte Pflege des Hebräischen in der Religionsschule sei die Hauptsorge der Rabbiner und Vorsteher gerichtet, und sie wirken in ißrHtt Mmeinden dadurch Mehr für die Erhaltung mtb* Entwickelung deS Judenthums, als durch Beschickung twm Synoden. Nicht aus Rabbinerversammlungeu und Synoden kommt das Heil der Religion, ebensowenig wie aus Concilen, sondern — aus den Schulen. Ueber religiöse Dogmen, ja auch nur über Religiöse Sitten und Gebräuche läßt sich nicht nach Majorjtä-, ten abstimmen, das religiöse Gefühl läßt sich nicht majorisiren, am allerwenigsten von Solchen, deren religiöser Ernst und frommer Sinn beim Volke stark in Mtßcredit gekommen. „Wer die Schule hat, hat die Zukunft." Wer die Religionsschule treu und gewissenhaft pflegt, der arbeitet am wirksamsten an dem Zukunftsbau der Religion : '• - „Wenn alle deine Kinder untArichtet find in der Gotteslehre, dynn wrxd groß sein der Friede unter deinen Kruhxrn!" (Jesajas 54, 13.)