Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-03-24 · Heft 12-13 (24.3.1869) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 12-13 (24.3.1869)
Date
1869-03-24
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447408--07042-2462626
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

235 sowohl, als auch die verschiedenen unlauteren Quellen der „Bewegungen" bei uns klar auseinanderzusetzen, will ich für heute blos die allgemein gehaltene Notiz vorausschicken, daß, wie der Korrespondent im „unparteiischen Organ" mit Recht bemerkt, die unfreiwillige Veranlassung der „zeitherigen Bewegungen" im Bezirk Franlenthal der den Lesern dieser geschätzten und weitverbreiteten Blätter nicht gänzlich unbekannte Bezirks-Rabbiner von Dürkheim, Herr I)r. Salvendi, sei, der sich „so viele Ausschreitungen erlaubt, daß endlich eine große Zahl (in einem später» Berichte soll die Impertinenz dieser Behauptung näher illustrirt werden —) von Gemeindevorständen sich dagegen erhob." Was es für Synagogen- Vorstände waren, die sich gegen die sogenannten „Ausschreitungen" des Bezirks-Rabbiners erhoben, das sagt uns in erheiterndster Weise ein großmächtiges, theuer bezahltes Inserat im „Pfalz. Kurier" Nr. 300 v. I., mit dessen Inhalt die nichtpfälzischen Leser des „Israelit" bei günstiger und passender Gelegenheit bekannt gemacht werden sollen. Vorläufig werden einige wenige Citate arrs den erhabenen Auslassungen dieser Vorstände in verschiedenen, bei der K. Regierung von ihnen gegen den Rabbiner eingereichten Denunciationsschriften genügen, um die Antwort auf jene Frage annähernd wenigstens zu geben. Unter den gravirenden Anklagepunkten in der ersten Denunciationsschrift, die von dem Speyerer Synagogen-Ausschusse allein ausging, glänzt Nr. 4 in folgender Weise strahlend hervor: „Daß der Herr Bezirks-Rabbiner, wie das in „einer g e i st l i ch e n E p i st e ( (sic!) an die verschiedenen Lehrer des Bezirks k o m m a n d i r t (sie!) „worden, nur mit bedecktem Haupte, künftig den „Unterricht in Tefillah und Thora zu geben erklärt, „während dieser Gebrauch (sie!) der hier zu „Lande bestehenden Sitte (sie!) widerstrebt, nicht „zu dem israelitischen Dogma gehört und „nur den praktischen Hebungen sogenannter Chasldim „(Auserwählten") (welch' gediegene klassische Ueber- „setzung! Wir machen alle hebräischen Sprachforscher „ganz besonders darauf aufmerksam), „zu deren „Adepten der Rabbiner zählen mag, entspricht."" Warum aber gerade der gleich Brutus äußerst ehrenwerthe speyerer Vorstand sich an die Spitze der „zeitherigen Bewegung" gestellt, oder richtiger, ldiese hervorgerufen? Darüber belehrt uns eine andere gallige Auslassung desselben in seiner ersten Denunciationsschrist, die wörtlich wie folgt lautet: „Daß der Herr Bezirks-Rabbiner gegen „ihren (des Speyerer Vorstandes und Synagogen- I„Ausschuffcs) Willen solcher geworden, »„müssen sie freilich über sich Weggehen »„lassen. (Unglücklicher und bejammernswerther »„Speyerer Vorstand, der so viel „ehrliche" Mittelchen „angewandt, um Herrn vr. Kayserling, der ihn- „nnd mehrere Andern ebenso ehrenwerthe Gesellen, „die seine Probepredigt zu hören gekommen waren, „in Dürkheim am Sabbath zur Heimfahrt zurEisest!- „bahn begleitete, das Frankenthaler Bezirks-Rabbinat „zu sichern!) Mag er in seinen Predigten als Apostel „eines von uns längst überwundenen Ceremonialismus „erscheinen, mag er die Kanzel beherrschen, so lange „seine Predigt dauert, — er wird aber nimmermehr „der Gemeinde begreiflich machen, daß sie durch seine „Wahl sich ihrer Autonomie, sowie der Göwissensfrei- „heit begeben und seiner geistlichen Dictatur unterworfen haben." Was es aber für Lehrer sind, die den in der Denunciationsschrift erwähnten Unterricht im Gebete- und Pentateuch — Uebersetzen nicht blos mit' unbedecktem, sondern, nebenher bemerkt, mit längst kahlem und grauem Haupte entheilen? Auch darüber später ausführlich in den „Silhouetten." Für heute muß ich mich, um den kostbaren Raum dieser geschätzten Blätter auf einmal nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen, mit dem bisher Mitgetheilten begnügen, obwohl es höchst unbedeutend gegen die Berichte ist, die ich den geehrten Lesern des „Israelit" in Aussicht zu stellen habe. .no« ff’N Berlin Nach statistischen Nachweisen find sin den höhern Unterrichtsanstalten der alten Provinzen Preußens 70,.,5 Proc. protestantische, 22,56 Pxoc. katholische und 7,9 Proc. jüdische Schüler; die Gesammtbevölkerung entziffert aber 60 Proc. Protestanten, 38 Proc. Katholiken nnd nur l*Ji0 Proc. Juden. Bei den Protestanten kommt auf 243 Köpfe (männl. Bevölkerung), bei den Katholiken erst auf 462, bei den Juden schon auf 53 Köpfe ein Schüler einer höhern Unterrichtsanstalt. Westphalen. Die geehrten Leser des „Israelit" wird es besonders interessiren zu erfahren, daß das Curatorium der Marks-Heindorf'schen Stiftung zu Münster, endlich einen Direktor gefunden und auch gewählt hat, nämlich einen Herrn Dr. Croner, welcher auf conservativem Standpunkt steht und ein tüchtiger Lehrer und Pädagog ist. Daß nach dieser Wahl in Betreff des angesteUten Lehrerpersonals eine Umgestaltung stattfinden mußte, finden wir natürlich. Das Organ, welches seiner Fahne untreu geworden und seine Spalten meistens nur den Reformhelden Rothschild, Geiger, Stein rc. Consorten öffnet, schreit Zeter über diese Wahl und erdreistet sich ein Correöpondent desselben, unterzeichnet L. zu fragen: „Sollen wir künftig noch zu dieser Stiftung beitragen, oder unsere Beiträge einem andern Seminare zuwenden?" Als ehemaliger Schüler dieser Anstalt, also mit den Leistungen derselben bekannt, freue ich mich herzlich dieser Wahl und werden die Beiträge Rheinlands und Westphalens gewiß jetzt reichlicher zufließen, als

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.