Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-03-24 · Heft 12-13 (24.3.1869) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 12-13 (24.3.1869)
Date
1869-03-24
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447408--07043-2462627
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

236 früher. Man glaube nur nicht, daß das wahre Judenthum so ganz gewichen aus Westphalen und gibt es G. s. D. noch recht viele fromme Gemeinden daselbst, die nur zur Erziehung ihrer Jugend wahre, fromme und thatkraftige Lehrer wünschen, und dafür wird hoffentlich das jetzige Curatorium sorgen. Möchte man aber auch bei der Wahl der anderen Lehrer recht vorsichtig zu Werke gehen, damit das anzustrebende Ziel auch wirklich erreicht werde. Sch., Lehrer. Aus HKommern. Daß wir Juden auch in unserem lieben Pommerlande nicht ganz ohne nyan find von Seiten andrer Glaubensgenossen und daß es Männer gibt, die, beseelt vom Feuer der Religion, offen gegen dasselbe austreten, dafür möge folgendes „Eingesandt" als Beleg dienen. Eingesandt für die Zeitung von Pommern. Durch einen glaubwürdigen Gewährsmann ist mir mitgetheilt worden, daß in einer Commissionssitzung zur Ausstellung der Creditliste für die hiesige städtische Sparkasse von einem dabei anwesenden Magistrats-Mitglied« Lei Gelegenheit der Besprechung der Creditverhältnisse eines Mannes, (der, beiläufig gesagt, Nichtjude ist) die Behauptung ausgestellt wurde, jener Mann hätte einst einen Eid mit einer reservatio mentalis geschworen, wie Inden zu schwören pflegen. Eine solche Behauptung ist nun leicht hingeworfen, und findet noch leichter als Vorurtheil Eingang in den weitesten Kreisen; ob sie aber der Wahrheit entspricht und zu beweisen sei, ist eine andere Frage. Da es sich hier um einen schmachvollen und schimpflichen Vorwurf gegen meine Glaubensgenossen als solche und um eine Verunglimpfung unseres Glaubens handelt, so richte ich hiermit an jenes sehr ehrenwerthe Magistratsmitglied das ergebenste Ersuchen: 1) den wissenschaftlichen Beweis aus den Fundamental Lehrbüchern unserer Religion; — oder 2) einen auf Thatsachen gestützten statistischen Nachweis zu führen, daß Juden als solche einen Eid mit einer reservatio mentalis schwören dürfen, oder schwören. Sollte es jedoch dem betreffenden Magiftratsmitgliede nicht möglich sein, seine Behauptung durch den gewünschten wissenschaftlichen Beweis oder thatsächlichen Nachweis zu erhärten, so erwarte ich im Namen der höchsten Wahrheit von der Ehrenhaftigkeit dieses Herrn einen öffentlichen Widerruf seiner Behauptung, und zwar — ohne reservatio mentalis. Colberg, den 2. März 1869. Der Rabbiner und Prediger hies. Syn.-Gemeinde: Dr. Salomon Goldschmidt. Bis jetzt hat das ehrenwerthe Magistratsmitglied noch Nichts erwidert. - Sollte es in nächster Bälde geschehen, so werde ich f. Z. berichten. Man muß jedes Vorurtheil zu jeder Zeit durch Wort und That zu bekämpfen suchen. TT p. Breslau Es ist ein sehr erfreuliches Zeichen der Zeit und läßt uns für die Zukunft die besten Hoffnungen hegen, daß die Reformer oder — wie sie sich in jüngster Zeit zu nennen belieben — Spiritualisten" mit ihrem stachen Rationalismus, ihren pomphaften, aber hohlen Tiraden und ihren schwülstigen Aufklärungsphrasen fast überall Fiasko machen. Die Herren haben — wie es scheint — im Humbug noch nicht die genügende Fertigkeit erlangt und müssen noch viel von dem großen Barnum lernen. In der Exegese, im Gebiete der Cultusfragen, eigentlich Einführung der Orgel und der reizenden Philippson'schen und Geiger'schen Gebete, haben sie schon seit Jahr und Tag Bankerotte gemacht. Auch das hiesige jüdisch-theologische Seminar, das in Bezug auf Religionsfragen sich so lange „hangend und bangend, in schwebender Pein" verhielt, hat, wie es scheint, sein Kokettiren mit den Rationalisten aufgegeben und den positiven Standpunkt des Judenthums eingenommen. Das jüngste Heft der Grätzschen Monatsschrift bringt die Fortsetzung des gediegenen Artikels: „Reformschwindel," unter dem Titel: „Die Gebetmacherei," der gewiß nicht verfehlen wird, den kleinen Luthers des Judenthums böse Nächte zu bereiten. Der Artikel faßt den Stier bei den Hörnern und ist eine zermalmende Kritik der Herren Geiger, Philippson Comp., die seit mehreren Decennien in Deutschland das Geschäft der „Gebetmacherer" etablirt haben. Während sich in der deutschen Presse manigfache Sympathien mit den Bestrebungen des orthodoxen Judenthums geltend machen, führt die hiesige kleine Presse, repräsentirt von der „Breslauer Morgenzeitung," eine so malitiöse, unverschämte Sprache gegen die orthodoxen Juden, die der ernstesten Rüge bedarf. Der Leitartikel-Skrrbler ist ein g.wisser Dr. M. Elsner, ein fanatischer Anhänger Karl Vogts. Dieser Herr begnügte sich früher mit seiner Harlequiniaden- Pritsche gegen positive Religionen und die Persönlichkeit Gottes einherzufuchteln: jetzt hat er sich auf Verhöhnung des orthodoxen Judenthums gelegt und der Leitartikel von Sonntag (28. Februar), mit dem Titel: „Baron Senfft v. Pilsach für den Schabbes" bietet in diesem genre das Allerhöchste. Nun, mit diesem Herrn Elsner will ich nicht rechten! daß aber sein Brodherr, der verantwortliche Herausgeber Herr O. Stein — der ein Jude ist — zu solchen Blasphemien seine Zustimmung gibt: — gibt ein Beispiel von der trostlosen Religionslosigkeit einer großen Anzahl hiesiger Juden. Adolf Kohut.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.