Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 12-13 (24.3.1869)
- Date
- 1869-03-24
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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234 Gott, Offenbarung, positive Religion, Judenthum u. j s. w. ausftieß! — Freilich mußte selbst einen Heine der große ' Humbug und Reformschwindel, den die „Reformer"! jener Tage etablirten und dein vorzugsweise „die jü-! bischen Hühneraugen - Operateure David Friedländer und Comp." Vorständen, empören und in der innersten Seele auwidern: aber er erhob nicht seine gewichtige Stimme gegen diese informatorische Chgrlatane, sondern witzelte immer fort gegen die göttliche Offenbarung, gegen den Ewigen und suchte mit einem Cynismus sondergleichen alles Hohe und Edle im Judenthum in den Koth zu zerren! — Mit meiner abweichenden Ansicht will ich übrigens nicht das Verdienst des Herrn Verfassers schmälern; ich ergreife vielmehr mit Freuden die Gelegenheit, die uns vorliegende Broschüre allen Literaturfreunden zu empfehlen, da sie sich aus dem Wust der Tagesliteratur durch eine schöne Diktion, logische Gliederung und eine wohlthuende Wärme des Herrn Verfassers für das orthodoxe Judenthum vortheilhaft hervorhebt. Adolf Ko Hut, Rabbinatscandidat. Die eigene Kraft. Der wahre Weg zum Reichthum und zur Größe des Einzelnen und der Nation. Bearbeitet und herausgegeben von A. v. Colenfeld. In 8 Lieferungen. 2. Auflage. Leipzig 1869. Verlag v. Moritz Schäfer. Das märkische Junkerthum ist in unseren Tagen sehr rührig. Diese Herren, deren Ahnen schon einige Jahrhunderte vor der Herrschaft der Hohenzollern in den Wäldern der Mark um die Eicheln mit den Ebern um die Wette jagten, scheinen jetzt, um ihrer angeborenen „noblen Passion" fröhncn zu können, auf ein edleres Wild, auf das — Iuhenthum Jagd machen zu wollen. Das preußische Herrenhaus besitzt mehrere Exemplare dieser dem Mittelalter entstammten spsoie« von Rittern, die von Zeit zu Zeit Einbrüche und Ausfälle auf Judenthum, jüdische Nationalität und Religion unternehmen. Aber auch die deutsche Literatur wird von Zeit zu Zeit von diesen Junkern heimgesucht, die hier ihr meuchlerisches, das Judenthum mit Gift und Galle besudelndes Lügenwerk abzulagern pstegen. Als solch' eine junkerlich literarische Erscheinung entpuppt sich uns ein Herr v. Colenfeld, der im 8. Hefte des uns vorliegenden Opus — einem Höllenbreugyel von Unsinn, Lügen und gestohlenen Gedanken — folgende Infamien dem Judenthume in's Gesicht schleudert, die wir — ohne allen Commentar — zur Charakterisirung des Verfassers und seines Machwerkes hier folgen lassen: Heft 8, S. 377 ff. heißt es: „-Ein Volk, das von seinem Werden bis auf die späteste Geschichte und den. heutigen Tag die Hingebung an fremde Völker ryit Verleugnung seiner Nationalität liebt, und in seinem-heutigen Leben, in seinem häuslichen, wie in seinem öffentlichen Verkehr, in seinem Cultus, wie in seinem Geschäftsverkehre so sehr um die Nachahmung fremder Sitten und fremden Cultus beflissen, dieses Volk, das im Einzelnen so sehr bemüht ist, sich der mosaischen Lehre zu entfremden, vermag es im Ganzen nicht. — — — Welcher Jude ist nicht Philosoph? Ist doch Philosophfein nichts anderes als philosophisch denken können, und welcher Jude wird so dumm sein zu denken, daß er nicht Philosophie. — Ebenso ist jeder dieses Volkes Diplomat, und was für ein Diplomat! Fragen wir einen derselben um genauen Aufschluß über die Staatskunde, und er wird uns gar kurz die geschichtliche Entwicklung dieser Doktrine damit beginnen, daß er erzählen wird, wie der erste Erfinder der Diplomatie, der natürlich seines Stammes war, die ersten diplomatischen Experimente gemacht hat. Auf ähnliche Weise wird der Jude sich überall einheimisch fühlen, in jedem Zweige des Wissens sich als etwas Hervorragendes dünken, besonders wenn er zu einigem Vermögen gekommen, wo es dann an Schmeichlern nicht fehlt, welche seinem Eigendünkel huldigen rc. rc." Wir empfehlen im Uebrigen H. v. Colenfeld dem „Kladderadatsch", der die Studien des märkischen Junkers gewiß gründlicher zu würdigen wissen wird, als unsere Wenigkeit. Adolf K c h u t, Rabbinatskandidat. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus dem Rabbinats-Bezirk Arankenthal, im Adar. „In unserer Provinz, Bezirk Frankenthal, war seither viel Bewegung." So schreibt ein sauberer Korrespondent des „unparteiischen (daß dieses Wort noch immer höhnend mit großgedruckten Typen in dem charakter- und farblosen Blatte oben steht) Organ für alles jüdische (?) Interesse" in der Nr. 6 dieses Jahrgangs, und schimpft weidlich fort auf die unbequeme Ursache dieser „zeitherigeu Bewegung." Die Leser des „Israelit" werden bestimmt gern wissen wollen, warum gerade im Rabbinats-Bezirk Frankenthal mehr Bewegung als anderswo herrscht, und dies umsomehr, als unser Bahnnetz noch sehr unvollständig ausgebaut, und wir noch immer vielfach mit dem unbequemen und schwerfälligen Omnibus vorlieb nehmen müssen. In einer Korrespondenz wäre dies aber unmöglich genau und detailirt anzugeben. Indem ich mir darum Vorbehalte, in einer Reihe „pfälzischer Silhouetten" die verschiedenen Grade