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Der Israelit · 1869-03-24 · Heft 12-13 (24.3.1869) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 12-13 (24.3.1869)
Date
1869-03-24
Page
– (sequence 16)
Language
German
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232 Feuilleton. Mohtthätigkett erlöst von Hode. Von Abraham Tendlau. Dieses Wort der Schrift *) — sprach ein Lehrer zu seinen Schülern — könnte man in einem höhern Sinne nehmen, in so fern der Name des Mannes, der in seinem Leben wohlthätig und milde das Beste seiner Mitmenschen nach Kräften zu fördern strebte, nicht vergessen wird, nicht stirbt. — Indessen weiß man zur Bestätigung desselben auch in seinem wörtlichen Sinne so manche Erzählung, von denen ich Euch einige mittheilen will. Sie sollen darthun, daß die Wohlthätigkeit, und um so mehr, wenn sie eine allgemeine ist, wenn nicht nur dem Empfänger der Gabe der Geber, sondern selbst diesem der Empfänger unbekannt bleibt, in Wirklichkeit vom Tode erlöst hat. — Der, sowohl durch seine Gesetzeskunde als durch ärztlichen und astronomischen Kenntnisse, hochberühmte und von dem Perserkönige Schabur ausgezeichnete Samuel Arioch, mit dem Beinamen Jarchina, d. h. der Mondkundige, der von sich selbst sagen durste: „Ich bin in den Bahnen des Himmels so heimisch, wie in den Straßen Nahardea's," Gönner und Vorsteher der Schule zu Nahardea,?) dieser saß einmal bei einem heidnischen Sternseher mit Namen Abalet, welchen er als Freund und als Mann der Wissen-! schüft liebte und schätzte. Da gingen einige Leute! vorüber, denf Sumpfe zu. „Der Mann dort," sagte Abalet, „geht und kehrt nicht zurück. Er stirbt am Biß einer Schlange." — „Wenn er," erwiederte Arioch, „ein Gottgläubiger ist, so geht er und kehrt zurück; der Gottgläubige steht nicht unter dem Einfluß! der Sterne." — j Während sie noch dasaßen und sich über Mani cherlei aus dem Gebiete des Wissens unterhielten,! ging der Mann nach dem Sumpfe und kam auch wiej der zurück. Sogleich erhob sich Abalet, ging auf den j Mann zu und nahm ihm die Last ab, die er trug, und - warf sie auf den Boden hin. Da fand sich in der-! selben eine bösartige Schlange, mitten durchgeschnitteu,! zwischen den Rohrstäben liegend. — Der Mann hatte,! 1) Spr. Sal. 10, 2. 11, 4. — Nach Sabbat 156. — Jalkut Mischle Cap. 10. Nr. 945. — Jalkut Kohel. Nr. 61. S. 189. a. — Tanchuma par. Haasinu, — Kaw Hajaschar Cap. 10 (Anders im Maase-Buch Cap. 195.) — 2) Um 250 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung. Vergl. übrigens „Orient" Literaturblatt 4. Jahrg. 1846. S. 810 ».811. indem er die Stäbe mit der Sichel abschmtt, unbewußt zugleich die Schlange durchschnitten. — „Was hast Du," frug ihn Arioch, „Gutes heute gethan, daß Dich Gott so wunderbar gerettet?" — „Meister," antwortete der Mann, „wir pflegen alltäglich unser Brod zusa"menMegen, um eS banu gemeinschaftlich zu verspeisen. Da merkte ich heute, daß Einer unter uns kein Brod hatte, und daher, wenn die Reihe an ihn kommt, seinen Theil beizusteuern, beschämt dastehen würde. Als es nun zum Eiysammelr: kam, bat ich, mich heute umhergehen und die Beiträge einsamme n zu lassen, und atö ich zu dem Manne kam, thai ich, als ob ich seinen Beitrag empfangen hätte, und warf meinerseits noch ein Stück Brod in den Sack." „Du hast echte Wohlthätigkeit geübt," sagte Samuel Arioch und gab dem Manne die Hand; „an Dir hat sich das Mort der Schrift bewährt: „„Wohlthätigkeit erlöst vom Tode/-»'" — Ein seiner Wohlthätigkeit wegen bekannter junger Mann hatte sich aus das Meer begeben. Da erhob sich ein heftiger Sturm, und das Schiff ging unter. Akiba, der bochberühmte Schriftgelchrte, hatte cs selbst mitangesehen, wie der junge Mann in den Flutheu verschwand. Er brachte die traurige Nachricht nach Hause und ward deshalb auch, als die Frau sich wetz cr zu vcrheirachen gedachte, v^n ihr cufgesvrdert, vor Gericht von dem Tod ihres Mannes Zeugnis; abznlcgcn. Akika erklärte sich bereit dazu, und schon befand er sich auf dem Wege rum Gerichte, als der junge Mann selbst ihn: in den Weg kam. „Mei? Sohnrie^ Akiba erstaunt, „bist Du nicht derselbe, der in dem Meere versank?" — „So ist es," sagte der junge Mann. — „Urb wer hat Dich wieder herausgcbrackt?" frug Akiba. — „Dis Wohlthätigkeit, die ich geübt," antwlrtete der junge Mann. — „Wohrr weißt Du das, mein Sohn? frug Akiba. „Als ich in die Tiefe sank," antwortete der junge Mann, „da hörte ich wie mit Etmmgebrüll Stimmen rufen: „„Eilt und laßt unö den Mann retten! er ist ein Mann dcr Wohlthätigkeit!"" und augenblicklich! fühlte ick: mich eu porgehoben nnd war gerettet." ~ „Wie wehr," sagte Akiba, „haben die Weisen dae Wort der Schrift erklärt:3) „„Spende dein Brv^ und scheine es selbst, als ß i eS in das Wasser gett werfen; denn mit der Zeit findest Du Deinen Lohn."" 3) Predig. 11, 1. — I Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. -- Verlag der Le Roux'schm Hosbuckhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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