Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 12-13 (24.3.1869)
- Date
- 1869-03-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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231 sich daher nur über das Schicksal der uns anvertrauten Kinder beruhigen. „Um einem vielfach geäußerten Wunsche zu entsprechen, haben wir in diesem Jahre auch einen VorbereitungScursus in's Leben gerufen, in welchem jüngere Schüler in den Elementen (Lesen, Schreiben und Rechnen) unterrichtet und für den Eintritt in die vierte Classe vorbereitet werden. „Für unser physikalisches Kabinet wurden in diesem Jahre viele Gegendstände angeschafft, wodurch unsere Sammlungen eine wesentliche Bereicherung erfuhren. — Auch unsere Lehrer - Bibliothek erhielt einen schönen Zuwachs durch Ankauf werthvoller Werke. Unsere Schüler-Bibliothek wurde durch Anschaffung mehrerer Jugendschriften completirt. „Die vor einem Jahre von uns in'S Leben gerufene höhere Töchters^e, hat für die kurze Zeit ihres Bestehens schon; Fortschritte gemacht, die zu den besten Hoffnung ^berechtigen. Dem damit in Verbindung stehenden Mädchen-Penstonate des Hrn. vr. Fiebermann sind ebenfalls schon mehrere Pensionärinnen von auswärts zugeführt worden." □ München, 10. März. Daö kgl. bayr. Bezirksamt Königshofen steht sich veranlaßt folgende Bekanntmachung zu erlassen: In Hofheim und den dort benachbarten Gemeinden werden leere und bösartige Gerüchte in Umlauf gesetzt, um den Glaubenshaß gegen die dort wohnenden Juden anszustacheln. Die Gemeinde-Vorsteher werden daher ausgesordert, nicht nur auf Niederdrückung des Unfugs hinzuwirken, sondern auch ihre Gemeindeangehörigen auf die höchst bedenklichen und für sie mit sehr empfindlichen, pekuniären Nachwirkungen begleiteten Folgen dieser verwerflichen Hetzereien ernstlich aufmerksam zu machen.- Merlin, 24. Adar 56^9. Das Institut zur Förderung der isr. Literatur, unter Leitung der HH. vr. Philippwn Goldschmidt und Herzfeld, hat unter anderen seinen Lesern ein Buch „Geschichten von Eduard Kulke" da-geboten Diese Geschichten ermangeln insofern eines Interesses nicht, als, das jüdische Leben früherer Zeiten in den kle nen Städten Mährens geschilde, t wird, und die Art und Weise manche gemütbvolle Mo -'-"nie enthält. Was wir aber der schärf st e n Rüge unterwerfen müssen, ist, daß jüdische Institutionen, die uns. den Bekcnnern des traditionellen Judenthumö heilig sind, in einer Weife behandelt iverden, die wir nur als frivol kennzeichnen müssen,!und die Sign tur des modernen Judenthumö, welches mit der Bergangenbeit gebrochen, an sich trägt. L _ Wenn wir von der Voraussetzung geleitet werden, ld'ß das Institut zur Förderung der isr. Literatur »einen religiös-sittlichen Zweck verfolge, so werden wir leider in unserer Voraussetzung vollständig ^tauscht; wenn ein derartiges Buch dem jüdischen Publikum dargeboten wird Wir lebm in einer Zeit, in welcher die Reform gern tabula rasa machen möchte, mit dem, was uns Allen heilig.und theuer ist, und da stnden wir denn, kein der Reform würdigeres Mittel, als in den Augen derer, die in einer leichten Lectüre Zerstreuung suchen, Juden und Judenthum lächerlich zu machen. Es kann doch nur selbstverständlich sein, daß die Herren, den n. das Lehramt im orthodoxen Judenthum zusteht, mit vereinten Kräften auf diese verderbte und verderbende Literatur aufmerksam machen sollten, die statt einer gesunden Speise, dargeboten wird, und mit Festigkeit hindcuten auf'den religiösen Schaden, welcher in den Gemüthcril erzeugt wird, die sich noch keinen positiven Beden zu eigen gemacht hüben. — Soll denn der Glaube immer mehr und mehr erschüttert worden? Ist keine rettende Hand da? Es ist zwar schön gesagt, des liebm Friedens wegen, von Manchem nicht Kenntniß nehmen zu wollen, eine Anschauung, die in hiesigen orthodoxen Kreisen sehr verbreitet ist, aber um so schwerer fällt die Verantwortung aus diejenigen, die dazu berufen sind, und den Muth nicht haben, öffentlich Zeugniß abzulegen und auch diesen wunden Fleck drS Judenthums schonungslos zu berühren.. Hamburg. Zu meinem jüngsten Bericht über die höhere jüdische Bürgerschule hierselhst habe ich Ihnen jetzt die erfreuliche Mittheilung hinzuzufügen, daß dieselbe, wenn auch unter anderer Verwaltung, noch unter der früheren Leitung fortbestchen wird. Das bisherige Count« hatte plötzlich in der Mitte des vorigen Monats den Eltern der Schulkinder mitgetheilt, daß die Schule vom 1. April d. I. eingehen werde. Dieser unerwartete Bericht kam den Eltern zwar sehr überraschend, jedoch ließen sie sich dadurch nicht entmuthigen, sondern traten sofort zusammen und erklärten fast einstimmig, da die Schule unter der Leitung des vr. Kores bisher sich der allgemeinen Anerkennung zu erfreuen hatte, denselben zu ersuchen, die Schule selbstständig zu übernehmen und ihm für da» nächste Jahr seine Ausgaben vollständig zu garantiren. Sofort wurde ein Count« zu diesem Behuse ernannt, welches mit Or. Kores sich in Verbindung setzte, und wie wir hören, gab derselbe der allgemeinen Aufforderung nach und wird für die Folge die Schule selbstständig übernehmen. Wer die Nothwendigkeit einer jüdischen Schule zu würdigen versteht, wird sich gewiß mit den raschen und energischen Schritten, womit die Eltern dieser Schule zu Werke gingen, sebr freuen, 'tosy rS my, trotz Tempelverband rc., womit die Hamburger Inden heimgesucht sind, gibt eS noch immer eine bedeutende Maste, die für das echt Jüdische Herz und Sinn hat. B. C.