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Der Israelit · 1869-03-24 · Heft 12-13 (24.3.1869) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 12-13 (24.3.1869)
Date
1869-03-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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229 Allein bereits in einer früheren Nummer dieses geschätzten Blattes wird uns die traurige Mittheilung gemacht, daß aus Mangel an Geld die dringendsten Bittgesuche ohne Berücksichtigung bei Seite gelegt werden müssen, und erst in der vorjüngsten Nummer erblicken wir mit gesperrter Schrift die dringende Bitte um Erbarmung über die Unglücklichen. Daher kann Schreiber dieses, selbst auf die Gefahr hin, durch diesen Artikel den Vorwurf der Beleidigung vieler Spender sich zuzuziehen, nicht unterlassen, im Interesse der Wahrheit und zum Nutzen und Frommen der Armen sowohl, als der Reichen, mittels dieses gesch. Organes, durch eine, mehr in's Detail eingehende Schilderung der Noth sowohl, als auch durch Andeutung dessen , was zur Linderung derselben von uns gefordert werden kann, dazu beizutragen, daß ein Jeder gebe rr* .nnon nach Verhältniß seiner Habe, womit ihn"c>Gott gesegnet. So wie eö überhaupt dem Glücklichen nicht verliehen ist, fremdes Weh' zu begreifen, so können gewiß auch Viele sich keinen lebendigen Begriff von dem Worte Hunger machen, weil sie es, G. f. D., noch nie erfahren haben; deßhalb können sie auch ohne Erläuterung desselben zu einer bedeutenden, solcher Noth entsprechenden Gabe sich nicht veranlaßt fühlen. Versetzen wir uns daher im Geiste auf, einige Augenblicke in die mißliche Lage jener so hartbedrängten, Hunger und Kummer leidenden Menschenmenge. Stellen wir uns vor, wie da so viele Greise, Männer und Jünglinge, vom nagenden Hunger geplagt, vergebens nach einer harten Brodkrume die Hand ausstrecken, wie sic so manche Nacht, vor Hunger schlaflos, im Bette — wenn fte noch das Glück haben, ein solches zu besitzen — sich herumwälzen, um des andern Tages vor Mattigkeit sich nicht mehr davon erheben zu können! Stellen wir uns vor, wie viele Kinder zartfühlender Eltern um Brod — um Brod bitten, und diese müssen sie, ach! selbst so hungrig zurückweisen aus reinem Mangel au diesem unentbehrlichsten der Lebensmittel. Ihr mitleidsvollen Mütter in Israel, stellet Euch doch vor, wie dort so manche von Noth und Drangsal gebeugte Mutter nicht vermag, dem abgemagerten, mit bittendem Blicke ihr in's Gesicht schauenden, bitterlich weinenden Säugling seine angemessene Nahrung zu reichen. Welches Elend, welcher Kummer! Bedenket doch, wie es Euch schmerzt, wenn Ihr über btl* zur Mahlzeit bestimmte Stunde nur eine einzige hinauSzuwarten gezwungen seid, oder gar wie sehnsüchtig Ihr nach dem sternszeigenden Himmel blicket am Abende eines Fasttages, und Ihr werdet so einigermaßen begreifen den Jammer desjenigen, der mehrere Tage sich und die Seinigen dem immer drohender werdenden Hunger preisgegeben sieht. Verglichet nun mit jener Ealamität Euere glücklichen Verbal msse und danket dem himmlischen Vater dafür, dadurch daß Ihr Euere unglücklichen Mit-rüder vom — Tode rettet. Wie oft hat nicht schon mancher Gefühlvolle beim Besuche eines hoffnungslos darniederliegenden Kranken bei sich gedacht: O wenn doch mit Geld zu helfen wäre — welches Opfer wollte ich nicht bringen?! Und nun — dort in Westrußland bietet sich tausendfach Gelegenheit srs; b'LQ zu sein. Was wäre es da z. B. wenn der. welcher 50 Hundert besitzt nur E n Hundert davon absondern und diesem Zwecke widmen würde? Hat er dann ja immer noch seine 49 .fyimbett und ba§, um welches er fein Vermögen vermindert zu haben scheint, sichert ihm noch den Besitz des Zurückgebliebenen, wie eS heißt nbn -ion poo, Almosenzeben bildet das Salz des Vermögens, ja noch mehr nioö es schützt vor dem Tode. Welches große Verdienst könnten sich aber gar Diejenigen erwerben, die vier Zehntausend besitzen, wie viele Hungrige könnten sie speisen mit einer Summe, deren Mangel sie gar nicht empfänden! Und wrr da von seinem baaren Gelbe dennoch eine ffr scheinbar große.Summe nicht abzurcißen vermag, der möge ans eine ändere Weise beitragen, das U bcl zu beseitigen. Wer hätte nicht in seinem Hause manches Entbehrliche, nur aus Prunk berechnete Geräthe? O, mit glücklich könnten Massen von Menschen durch die Verwerthnng eines einzigen Gegenstand s gemacht werden. Für'.manchen silbernen Leuchter, den man ja. doch nicht in's Grab m tneh-nen wird, kann durch bie Verw ubnn» zu diese?.; Zweck ein vorangehender Engel im Jenseits gewonnen werden. Nicht b os damit wir darüber sta-n n, erzählt uns der Talmud von jenem edeldenkenden Könige tajio, der zur Zeit der Hungersnoth alle seine Schätze zur Un'e stühung der Armen verwmdcte und als ihn seine Verwandten darob tad lten unter Anderem zur Antwort gab, daß er für die vergänglichen Schätze dauernde, bleibende eingetauscht habe; oder von pnan, daß er eine Wittwe mit sieben Kindern, dis ihn von der ihr drohenden Gefahr, des Hunqertö es zu sterben, überzeugte, aus eigene Kosten ernährte. Beberzigct o Brüder und Schwester» diese Beipiele! Gaubet nicht, daß Euer Beiirag am Ende nur dem Tropfen im Meere gleiche, denn P'-,20 npia isai*> erklären unsere Weisen, wie ein Panzer ans vielen kleinen Theilen besteht, so sammelt sich auch die Gabe der Vielen zu einem großen Ganzen. Wer schon gegeben, der gebe und gebe wieder, sowie auch unser Vater im Himmel nicht müde wird, uns täglich seine Huld zu erneuern. Gebet große Summen und denket, daß, während Ihr dadurch nicht einmal ein Vergnügen Euch versagen müßt, Ihr jenen Unglücklichen ja nur ^orr nono n gebet! Gott will ja dadurch, daß er die Armen nicht unmittelbar speist, nur unsere Tugend erzeugen; so folget Seinem Winke!

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