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Der Israelit · 1869-03-24 · Heft 12-13 (24.3.1869) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 12-13 (24.3.1869)
Date
1869-03-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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327 Lehren. Die jüdische Frau ist die Tugend in der Familie, die Arbeit in der Haushaltung, die mütterliche Zärtlichkeit in unserer Häuslichkeit. Wie 'sie wacht über ihr Kind, wie sie es bildet in den ersten Ideen der sanften Moral! Und ist das Kind in das Mädchenalter getreten, wo die Entwickelung seines Geistes einen erweiterten Unterricht erfordert, mit welcher Sorgfalt führt es da die Mutter zu den gelehrten und zugleich klaren Lectionen! (Anhaltender Beifall.) Wir wollen, daß unter den Israeliten im Orient Schulen für die Mädchen so gut wie für die Knaben entstehen. Die Frauen bedürfen derselben noch mehr als die Männer. Unsere Glaubensgenossen im Oriente haben theilweise die Sitten der Länder, in welchen sie wohnen, angenommen! Die Frau ist daselbst dem Manne nicht gleich gestellt. Im Jahre 1840 hatte ich, auf einer Reise nach Damaöcus, in Cairo (Egypten) Gelegenheit, dieses traurige Verhältniß wahrzunehmen, und suchte ich mit aller meiner Beredtsamkeit demselben entgegenzutreten und dies nicht ohne großen Erfolg; man gründete alsobald daselbst Mädchenschulen. Ich komme nun wieder auf die Erzählung unseres Fortschrittes zurück. Das Jahrhundert will keine religiösen Verfolgungen mehr. Vergeblich hat das nunmehr gestürzte Ministerium Bratiano in Rumänien der Welt das schmerzlichste Schauspiel gegeben; Europa war darüber ausgebracht, und die.Judenfrage wird sich im Interesse der Civilisation und Humanität entscheiden. *) Werfen Sie einen Blick auf Spanien, da herrschten noch vor orei Monaten alle Gehässigkeiten des Fanatismus. Dieses Land der Inquisition, des Gemetzels und der Scheiterhaufen, welches unter dem drückendsten Joche seufzte, war nur noch ein Schatten des großen Reiches, wo sich einst die Künste, Wissenschaften, die großen Entdeckungen so glanzend entwickelten. Die spanische Regierung ließ keine andere Religion zu und bestrafte auf die schrecklichste Weise die Uebung eines andern Cultus. Die Revolution bricht aus, ruhig und überlegt, und der'erste Ruf der Bewölkerung ist: ,, Cultusfreiheit. " Möchten die Cortes den inneren Frieden dadurch herzustellen suchen, daß Die als Grundlage der neum Gesellschaft, welche sie donstituiren wollen, den vollen und ganzen Genuß aller Freiheiten gewähren! (Applaus.) R Ja, die Freiheit des Cultus wird überall procla- »irt werden, wird überall triumphiren, und mitten M dieser Bewegung so voller Zukunft, ist in unserm «eiste der Gedanke entstanden, im heiligen Lande eine Uckerbauschule für isr. Kinder zu gründen. Höret es, Uhr Juden des Occidents! In dieser Gegend, von Welcher wir ausgegangen sind, in dieser einst gesegne- *) Anm. der Red.: Gebe Gott, daß dem so werde; nach den lesten Berichten dürfen wir unsere Erwartungen nicht so hoch ten Gegend, und wo noch eine gewisse Anzahl von Jakobs Nachkommen wohnen, auf diesem Punkt, wohin so oft unsere Gedanken und Erinnerungen sich wenden, — wollen wir eine Ackerbauschule gründen. Wie beweinten unsere vertriebenen Vorfahren an den Bächen Babylons die heilige Stadt Jerusalem! Wie zu allen Zeiten fanden sie zu ihrer größten -Freude diese vom Himmel geliebten Felder wieder. Noch heute steht man jeden Freitag die Juden Jerusalems aus den Trümmern des Tempels betend und Thränen vergießend. In dem Bezirke von Jaffa, da, wo der Boden zwar hart zur Arbeit, aber fruchtbar ist und demjenigen, der ihn bebaut, eine reichliche Ernte verspricht, da in dem verheißenen Lande wird sich unsere Crlonie etabliren, und die Juden unserer Zeit werden den Eifer für den Ackerbau wieder finden, der ihre Vorfahren beseelt. Als ackerbautreibendes Volk, als Hirtenvolk, sah Israel in Gott selbst den Freund und Beschützer des Landes. „Ich gebe dir daö Land," hat Gott gesagt, „aber ich werde stets das höchste Eigenthumsrecht davon behalten." Und in der That konnte sich kein Israelit seiner Immobilien entäußern. Nach fünfzig Jahren, im Jubeljahre, kehrte das Land wieder in den Besitz desjenigen zurück, der es verkauft. DaS Land war schön und fruchtbar, aus den Bergen wuchsen Reben, in den Ebenen gab es reichliche Ernten, es war das Land, wo Milch unoHonig floß. Es ist noch schön und fruchtbar dieses Land bei Jaffa, eS gibt das Zehnfache von dem, was es erhält. Und jetzt lassen sich außerdem alle seine Producte leicht nach Egypten transpvrtiren. Diese Entfernung, welche die Enkel Jakobs mit Moses mitten durch die Wüste während vierzig Jahren durchschritten, läßt sich heute in einigen Stunden zurücklegen. Das Dampfboot, welches am Morgen im Hafen von Jaffa die Ernte aufnimmt, bringt sie bis zum Abend desselben Tages nach Suez, nach Jsmaila. Acht Ueberfahrtsstunden trennen Egypten von Palästina. Wie werden unsere Zöglinge mit Freude arbeiten, wie wird sich die Liebe zur Landwirthschaft verbreiten! Noch einige Jahren, und die jüd. Bevölkerung wird nach dem heiligen Lande strömen. Die Entfernung von Jaffa und Jerusalem ist kurz. Ja, das neue Jerusalem wird erscheinen! Es wird das ein Vorzeichen zur Wiedereroberung des Heiligthums sein; man wird dann nicht mehr am Freitag weinen und seufzen auf dem Steine, welcher von dem Werke Salomos übrig geblieben, man wird sich zum Himmel in Gebet und Hoffnung emporheben. (Applaus.) Ein Tempel, würdig des Allerhöchsten wird einst, wie in dem alten Zion, unsere Nachkommen zu den religiösen Festen rufen; ja, sie werden diesen schönen Tag wieder sehen. (Ein anhaltender Applaus unterbricht den Redner.) Huldigung und Dank gebührt unserem Collegen, Herrn Netter, welcher diesen schönen Plan entworfen, welcher sich auf eine so edle Weise seiner Aus-

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