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Der Israelit · 1869-03-24 · Heft 12-13 (24.3.1869) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 12-13 (24.3.1869)
Date
1869-03-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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226 wird Gott alle Nationen segnen, all die Nationen, die uns verflucht, verfolgt, in ihrer Wuth hingeschlachtet haben, werden unsertwillen gesegnet. O, göttliche Bestimmung! Den heidnischen Völkern tragen wir den Monotheismus zu, allen Nationen bringen wir den göttlichen Segen. Höret Ihr es, Ihr Verfolger der Juden? Gott und Seinen Segen haben die Juden zur Mission in der Mitte der Völker der Erde. Werdet Ihr sie noch ferner verfolgen? (Anhaltender Applaus.) Aber der Tag bricht auf allen Seiten an. In dem katholischen Oesterreich bemerken wir eine neue Bewegung; die Freiheit des Cultus strahlt daselbst und die Inden nehmen den ihnen gebührenden Platz ein. In dem ganz katholischen Spanien erscheint eine merkwürdige Revolution, und den Ruf: „Freiheit des Eultuö!" hört man allenthalben wiederhallen und die ungerechten Gesetze Jsabellens und Ferdinands werden aufgehoben. Der Ruf nach Cultusfreiheit ist der erste Strahl der Freiheit. Wie lange ist er in unserm schönen Frankreich zurückgehalten worden? Ohne Zweifel hat mancher Widerstand selbst noch in unfern Tagen bestanden, aber welch' ein Widerstand! Ich will Ihnen eine Thatsache mittherlen, die nicht ohne Wichtigkeit ist und die, ich bin dessen gewiß, gefallen wird. Es war im Jahre 1846; ich war Deputirter, der einzige jüdische Deputirte; nach der Sitzung deö AppellationShofes trat ich in die Kammer; meine Ankunft wurde mit einem allgemeinen Lachen begrüßt; als es noch anhielt und ick mich des „Misanthropen" (Molivre) erinnerte, rief ich: „Meine Herren, ich glaube nicht so spaßhaft zu sein als ich bin". Das Lachen wurde fortgesetzt. Ich hatte die Absicht, die Tribüne zu betreten, aber dieselbe war von einem meiner Freunde, dem gelehrten Jsambert, eingenommen. Ich glaubte dann, daß er im Augenblick meines Eintretens mich genannt habe, und daß meine plötzliche Erscheinung die allgemeine Heiterkeit erregt habe. Jsambert betrachtete mich und rief aus: An Sie, mein theurer und geehrter College, wende ich mich und überlasse Ihnen die Sorge, auf einen beklagenöwerthen Satz in einem Hirtenbriefe eines Bischofs zu antworten. Das Schweigen war hergestellt, ich hatte meinen Platz eingenommen und hörte die Worte: „Man will, daß wir die Charte (Grundrechte) respectiren, diese Charte, welche alle Culte bezahlt, selbst den Cultus derjenigen, welche jeden Tag . . . kreuzigen." Ich bestieg die Tribüne. „Meine Herren," sagte ich zur Versammlung, „es gibt, wenn ich nicht irre, in Frankreich einundneunzig Bischöfe. Einundneunzig! Und ein Einziger von all diesen gelehrten und frommen Führern des Katholizismus in Frankreich hat in einem durchaus unüberlegten Satz die jüdische Religion angegriffen! Ein Einziger! Und Sie wollen, daß ich darüber böse sei! Q, lassen Sie mich vielmehr vom Grund meines Herzens den neunzig Andern danken! (Applaus.) Wel^h unermeßlicher Schritt in dem Wege der Freiheit des Cultuö! O, die Seelen meiner Vorfahren müssen sich darüber freuen! Meine Freude ist außerordentlich, weil der Angriff des isolirten Bischofs mir beweist, daß er den jüdischen Cultus nicht kennt. Er verdammt einen Unschuldigen. Ich will ihm übrigens sagen, daß in keinen! unserer Gebete irgend eine Anspielung auf den Stifter der christlichen Religion sich vorfindet; nichts kann sich in einem der ausgesprochenen Worte in der Feier des Cultuö aus ihn beziehen, Nichts, durchaus Nichts; also der jüdische Cultus kreuzigt nicht jeden Tag den Stifter der christl. Religion. Die Anklage ist ohne Basis." Das war meine Antwort, welche gut ausgenommen wurde. (Anhaltender Applaus.) Wir discutirten das Budget der Culte, und votirten den katholischen Vikaren eine Besserstellung; ich hatte in einem Amendement eine Zulage von 7000 Fr. für diejenigen unserer Vorsänger, die einen Gehalt von 600—800 Fr. erhielten, verlangt. Ich sagte zu der Kammer: „Meine Herren, ich habe mit Eifer für eine Gehaltszulage Ihrer Vikare gestimmt, die sie so nothwendig brauchen und wenn es auch nur sei, um damit einige kleine Almosen zu vertheilen. Ich bitte nun auch um eine kleine Zulage für unsere armen Vorsänger. Ich habe hierzu zwei Motive anzugeben. Sie sind, ich muß eS zuerst sagen, eifrige Verehrer der Bibel, wo sie gelesen haben: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei," und alle sind verheirathet." (Die Kammer lacht.) Das ist noch nicht Alles; sie haben noch gelesen: „Seid fruchtbar und vermehret Euch," und sie haben den himmlischen Befehl mit großer Ergebung befolgt (allgemeines Lachen), sie sind alle Familienväter." Die Kammer nahm mein Amendement an. Das war ein guter Tag. (Langanhaltender Applaus unterbricht den Redner.) Auch wir haben in den verflossenen zwölf Monatrn gute Tage gehabt. Unsere Schulen im Orient sind in den wichtigsten Städten gegründet, von Alexandrien bis Bagdad, von Bukarest bis Damaskus. Es ist wie ein Wunder. dieser Entwickelung zu folgen; wir dachten, es wäre ein Traum, aber wir haben die Wirklichkeit. Alles geht nach unfern Wünschen. Die Muselmänner und Christen wollen, daß ihre Kinder in unfern Schulen den ersten Unterricht genieße», und wir hüten uns wohl, sie zurückzuweisen. Unsere Knabenschulen vermehren sich, .und wir wollen, daß es auch mit unfern Mädchenschulen so werde. Ihr Frauen, die Ihr Eure Kinder, welche Ihr unter Euren Herzen getragen, so überaus liebt, zu Euch wende ich mich, uns in der Errichtung von Mädchenschulen zu unterstützen. In Eurer Umgebung empfangen sie die besten

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