Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 12-13 (24.3.1869)
- Date
- 1869-03-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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X. Jahrgang. Erste Beilage zu Rr Leitende Artikel. Die Alliance IsratMe Universelle. In der am 14. Januar stattgehabten Generalversammlung der „ All. Jsr. Univ." hielt der Präsident derselben, Herr Adolph Cremieux, wie jedes Jahr eine gehaltvolle Rede, die wir hier im Auszug wiedergeben; dieselbe lautet: Indem ich das Wort ergreife, kann ich Ihnen nicht verhehlen, daß ich ein lebhaftes Bedauern empfinde, ein lebhafteres, als ich auszudrücken vermag, daß ich nicht zwanzig Jahre jünger bin. (Allgemeines Lachen.) Unsere theure Jnstitutiolr ist es, welche durch ihre so schnelle Entwickelung, ihre so glanzenden Fortschritte, mir das Bedauern einflößt, schon vorgerückten Alters zu sein, so daß ich mir nicht mit der großen Freude sckmieich-.ln kann, sie am Ziel ankommen zu seben, welches sie sich gesteckt und welches sie erreichen wird, wenn ich nicht mehr da sein werde, um unserer Alliance, die sich über alle Punkte des Globus ausdehnt und die ihren Schutz unseren Brüdern in allen Gegenden der Welt zu Theil werden läßt, Beifall zu zollen. Wie schreitet sie . vor, wie nimmt sie zu an Größe! Wie versprechen die Früchte, welche sie bis zu diesem Augenblick hervorgebracht, eine glänzende Zukunft! Bedenken Sie doch, daß in zwanzig Jahren, wo außerdem durch den Geist des Fortschrittes diese ungereimten und beklagenswerthen Ideen des Fanatismus, die Quellen der Religionsverfolgung, zerstreut sein werden, die Juden in allen Ländern, Dank unseren Schulen , Dank unseren Sorgen, unserer väterlichen Sorgfalt, den ersten Unterricht, welcher die Augen und die Intelligenz öffnet, erhalten haben werden, verbunden mit dem Vortheil, daß sie sich einem Stande, einer Profession widmen. Im Oriente, wo noch so viele schlechte Gesinnungen gegen sie herrschen, werden die Armen, welche wir unterrichten, die Reichen, welche die Wichtigkeit der Erziehung begreifen, wozu sie auch durch Secten anderer Culte angelockt werden und mit denen sie zum Wenigsten aus gleichem Standpunkte stehen und in den Wegen der Civilisation, zu deren Eintritt wir ihnen verhelfen, gehen sollten — im Oriente werden unsere Brüder rings umher erlöschen sehen die hundertjährigen Gehässigkeiten, deren Ursprung die religiöse Wuth ist, einen Zustand, den man in unserm Dccident, wo einst durch den Fanatismus viel Blut Kflossen ist, jetzt nicht mehr kennt. Das jüdische Blut ft in Strömen geflossen; aber was habt Ihr gegen 12 & 13 des Israelit. , die Ewigkeit unserer Race thun können? Nichts; sie! ist da, immer lebend und voller Kraft. (Applaus.) Ja, i meine Herren, es ist eine große Race die jüd. Race; welche : Race hat eine Geschichte wie die unsrige! Sie beginnt mit oer Schöpfung; die Bibel, dieses unerschöpfliche Buch, in; welchem das erste Wort Gottes an sein Volk geschrieben sieht: Ich bin der Ewige, dein Gott; du sollst keinen andern Gott neben mir haben, ist ewig. Nein, nein, keinen andern Gott, einen einzigen j Gott kennen wir, das ist, was gerettet, was aufrecht erhalt?» dieses kleine Volk, dessen fortwährende Existenz ein fortwährendes Wunder zu sein scheint. Der Mo-! nothöismns ist sein Talisman. Sie erinnern sich wohl; der Namen all der mächtigen Nationen, gegen die unsere Vorfahren gekämpft haben und von denen sie oft besiegt und in Sklaverei geführt worden sind.! Egypter, AsMer, Meder, Perser und Römer, was ist; aus Euch geworden? Eure barbarischen Götter, Euer gehässiger Aberglaube und Eure liebliche Mythologie, Alles ist verschwunden und Ihr mit dieser so prächtigen Religion! Heute spricht man davon wie von Fabeln. Und dieses Volk, welches Ihr ohne Mitler- > den geschlagen, welches von Eurer Äbgötterei verab-! scheut worden, hat seine Zelte unter dem Schutze sei-; neS einzigen Gottes überallhin gepflanzt, eS ist immer 1 da unter seiner selben Fabne, unerschütterlich in dem! Sturme, sich vermehrend in der Verfolgung, sich wie-; dererhebcnd aus seinen Trünnnern und sich kräftigend in seinem unsterblichen Glauben. (Applaus.) Hören Sie, meine Herren, einen der Lobredner unsrer Tage.! Gestern predigte einer dieser großen Redner, welche der christlichen Kanzel zum großen Ruhme gereichen, in der Kirche Rotro Dame.*) Das jüdische Volk, die jüdische Religion war der Gegenstand seiner Rede. Sprach er darüber mit Gerinz-; schätzung? Hörten die gewählten Zuhörer aus ssinem Munde Verachtung und gehässige Angriffe? O, nein;! niemals vielleicht ist die jüdische Nation in Jerusalem,! die jüdische Race in ihrer Zerstreuung, mit lobenswertheren und lieblicheren Ausdrücken erhoben worden! Der katholische Prediger nennt die Juden das Volk Gottes, unsere Race die erwählte Race; er sagt, daß un- : sere Mission sei, inmitten der Nationen den Monotheismus, dessen Fahne wir immer glänzend und rein tragen, zu verbreiten. (Applaus.) Und nun hören j Sie, wie Gott unserer Nation die Ewigkeit auf dieser Erde verspricht; Abraham erhält von Gott dieses Versprechen: .„Ich werde segnen alle Nationen in deiner i Nachkommenschaft." In den Nachkommen Abrahams *) Anm. der Red.: Pater Hyacinth. S. „Israelit" Nr. 2 d. I.