Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 12-13 (24.3.1869)
- Date
- 1869-03-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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hinderten mit immer größerer Sorgfalt, die Aus- und Einfuhr von Ebenholz. Da entschloß sich Bremke, ein anderes Geschäft zu beginnen; er wurde Seeräuber. War dieses Gewerbe auch ebenso gefährlich wie der Ebenholzhandel, so war eö doch noch einträglicher. Er hatte sich zu diesem Zwecke von seinen Ersparnissen ein Schiff, den Seeadler, bauen lassen, und dieser war es, welcher die Juliette gekapert hatte. Als Eduard genesen war, machte ihm der Capitan den Vorschlag, Dienste bei ihm zu nehmen und als Seeräuber mit ihm die Meere zu durchziehen. Eduard wies diesen Vorschlag mit Abscheu zurück. „Tödtet mich," sagte er, „wenn Ihr wollt; aber niemals werde ich ein Theilnehmer Eurer Verbrechen werden!" „„Wie du willst,"" entgegnete der Capitän lachend, „„so sollst du unser Diener sein, unsere Stiesel wichsen, unsere Kleider reinigen , dem Koch zur Hand gehen; aber hüte dich , es wird Schläge und Fußtritte genug geben."" Und so geschah es. Eine furchtbare Leidenszeit hatte der arme Eduard durchzumachen; er war nicht allein der Diener, er war der Prügeljunge der ganzen Räuberschaar. Von rohen, widerwärtigen Gesellen mußte er sich befehlen, mußte er sich schlagen, mußte er sich mit Füßen treten lassen, mußte die ordinärsten Arbeiten verrichten und bekam, wenn gerade Mangel an Nahrungsmitteln war, gar keine oder ganz ekelhafte Kost. Er mußte die Räuber zu Laude und zu Wasser begleiten, und wenn es zum Kampfe kam, so wurde er vorher an Ketten gelegt, damit er sich nicht den Angegriffenen anschlöffe. Wie Eduard dieses Leben ertrug, begriff er selbst nicht. Oftmals stand er im Begriff, durch einen Sprung ins Meer sich von seinen Leiden zu befreien; allein, er fand nie den Muth dazu. O, wie oft verglich er sein gegenwärtiges Leben mit den vergangenen Tagen; wie Vieles hatte er sich doch vorzuwerfen! Wie hatte er ehedem nur feiner Sinnenlust gelebt, wie hatte er stets nach den rasfinirtesten Genüssen gestrebt, wie hatte er sein gutes, frommes Weib behandelt , wie war er so übermüthig gewesen, wie viel hatte er sich auf feine Klugheit eingebildet, wie stolz war er aus seine Kenntnisse, feine Bildung, seine feine Manieren gewesen, wie stolz auf die Reichthümer, die er errungen hatte! Und was war er jetzt? Der mißhandelte Sclave roher, verbrecherischer Matrosen, verurteilt, für Menschen die niedrigsten Dienftleistungen zu thun, die er daheim nicht mit der Feuerzange berührt hätte. Aber, er hätte doch sein Loos verbessern können, wenn er gemeinsame Sache mit den Räubern gemacht Hätte? Eduard schauderte bei diesem Gedanken; er, ein Räuber, der Menschenblut vergießt, um sich fremder Habe zu bemächtigm! Aber warum schaudMte es ihn bei diesem Gedanken? Wenn der Mensch, wie Eduard so oft seiner Frau gegenüber behauptet bttte, nichts Anderes ist, als ein gut organisirtes Thier, aus nichts Anderem besteht als aus „Kraft und Stoff" und dem ew'gen Stoffwechsel -rwarum sich denn nickt nähren wie andere Raubthiere, die zer- , reißen und fressen? In langen, einsamen Nächten, , wenn Eduard abgemattet auf hartem Lager lag und! dennoch den Schlaf nicht finden konnte, wenn Bilder i der Vergangenheit vor sein geistiges Auge traten, * wenn er seiner frommen, gläubigen Gattin gedachte, ihrer Sanftmnth, ihrer Liebe, wenn die Erinnerung an seinen alten Vater und der Gedanke an seinen jungen Sohn sich seiner bemächtigten — dann dachte er wohl nach über die Zwecke der Menschheit, dann kam Hm das Bewußtsein, daß es Höheres gebe als der irdische Genuß, daß ein geistiger Zusammenhang stattfinde zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart — dann gedachte er der wunderbaren Geschicke unseres Volkes und seines Strebens auf Erden, der langen Leidenszeit Israels um die höchsten geistigen Güter, dann stieg das Gottesbewnßtsein aus in seiner Brust und erfüllte ihn mit wunderbarer Ruhe und köstlichem Vertrauen; dann blickte er aus seine Quäler und sprach vor sich hin: „Ich bin doch mehr als ihr und besser als ihr, und Gott wird mir Helsen und mich aus eurer Knechtschaft befreien?" Mit welcher Wonne sprach er dann das Wort: „Gott!" das er sonst nur gedankenlpS gebraucht hatte! Wie oft gedachte er jetzt des ersten Zwistes mit seiner Gattin, da er behauptet hatte, man könne unmöglich von ihm ein so großes Opfer vsrkangdn; einen ganzen Tag nicht zu rauchen! Und was verlangte man jetzt von ihm! „Wenn Gott mir das Glück gibt," sprach er oftmals seufzend, „daß ich wieder zurückkehre zu den Meinen, so will ich Ihm ewig danken und sollte ich auch in tiefster Armuth leben müssen. Aber das schwöre ich mit unverbrüchlichem Schwure, ich werde strenge nach dem Gesetze Gotteö leben und keinen Finger breit davon weichen." Schmerzlich mußte er dann auch des Schwures gedenken, den er einst seiner Braut geleistet und mit dem er ein so sreventliches Spiel getrieben hatte. Nunmehr wünschte er nichts sehnlicher als alles Schlimme, was er im Uebcrmuthe begangen, wieder gut zu machen. .. (Forts, folgt.) Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbnchhandlung. — Dampf --Schnellprefiendruck von I. Gottsleben in Mainz. Hierzu fünf Beilagen. > 324