Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 12-13 (24.3.1869)
- Date
- 1869-03-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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- Tunis 1× ep/1048155
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Sie Ihre Untertanen davon benachrichtigten, sich von Orten entfernt zu hatten, wo sie sich vielleicht in Gefahr begeben würden. Unterzeichnet: Moustapha (Premier - Minister.)" Die alten Verfolgungen beginnen wieder Kraft und Heftigkeit zu gewinnen. Ein I-raelit, welcher angeklagt war, daß er von einem Griechen Oel gekauft habe, welches dem Sohne des Premierministers gestohlen und an den Griechen verkauft worden fei, wurde zu Fuße nach Bardo (der Platz, wo der Bey Gericht hält, 21/2 Stunden von Tunis entfernt) geschleppt, die Hände zusammengebunden und einen Strick um den Hals, welcher an den Schwanz des Pferde-, das der Gensdarm ritt, welcher ihn nach Bardo führte, gebunden war. Dank der Intervention des Repräsentanten von Frankreich Ond einiger officiösen Empfehlungen, wurde der Angeklagte des andern Tages vom Bey verhört, wobei sich seine vollkommenste Unschuld herausstellte. Feuilleton. Unmöglich. Dreizehntes Capitel. Ate Seereife. ~ Als „die Iuliette," auf welcher Eduard die Reife nach dem Cap der guten Hoffnung machen wollte, sich auf hober See bekaud. durchströmte den Flüchtling dabehagliche Gefühl der Sicherheit. Nicht 'lange aber sollte er sich so glücklich fühlen; bald ließ sich die Stimme des Gewissen» vernehmen, die ihm laut das Verbrecherische seiner HandttrngSweise vorwarf. Er hatte sein Weib, sein Kind und seinen Vater heimlich verkästen, ohne irgend einem Menschen auch nur eine Andeutung über sein Verbleiben zu geben, er hatte sich mit dem Geld« entfernt, daS doch seinen Gläubigern gehörte! ES war die in ihm aufsteigende Seekrankheit, die ihn weich stimmte und das schlummernde Gewissen wachrief. Bald kam denn auch diese entnervende Krankheit zum Ausbruch, und Eduard schwebte mehrere Tage zwischen Tod und Leben. Endlich erholte er sich, neues, frisches Leben durchströmte feine Adern; aber die Stimme des Gewissenblieb wach. Er sehnte sich danach, da-Ziel seiner Reise! zu erreichen, um den Seinigen Nachricht gebm zu j können. Wochen waren vergangen; die „Iuliette" hatte eine vorzüglich gute Fahrt gehabt und schon näherte man sich der aftikanischen Küste. Da kam ein eigenthümlich gebautes Schiff in Sicht. Während mmr auf der Iuliette noch überlegte, was das für ein sonderbares Schiff sei, war dasselbe ganz nahe gekommen, und man erkannte zu nicht geringem Schrecken ein Seeräuberschiff. Schnell wurden die Kanonen in Stand gesetzt, aber ehe man noch laden und feuern konnte, wurde die Iuliette von dem Seeräuber geentert, die Räuber stürzten aufs Schiff, um Alleniederzuhauen, was sie vorfanden. ES entspann sich ein verzweifelter Kampf; auch Eduard kämpfte tapfer gegen die Eindringenden; allein das Beil eines Räubers traf seinen Kops, und er stürzte bewußtlos zu Boden. Nach tapferer Gegenwehr wurde die ganze Mannschaft der Iuliette getödtet; auch die Räuber hatten Todte und Verwundete. „Werft das Franzosenpack ins Meer!" gebot der wilde Capitän. Die Leichen wurden ergriffen, mit Gewichten beschwert und über Bord geworfen. Schon wollte man mit Eduard ein Gleiches thun, als er die Augen aufschlug und die Worte: „Ach, Gott!" ächzend hervorstieß. „Hier ist ein Deutscher, Capitän!" rief einer der Räuber. „Ein Deutscher?" entgegnete der Capitän, nähertretend, „nun, so verbindet ihn; vielleicht wird er einer der Unfern; wir haben so Verluste erlitten, die ersetzt werden müssen." Eduards Wunde wurde verbunden; ein heftige» Wundfieber bemächtigte sich seiner; er phantasirte und wußte nicht, wo er sich befand. Als er wieder zu« Bewußtsein erwachte, waren die Räuber bereits gelandet. In einer versteckten Bucht an der ostafrikanischen Küste war ihr Stapelplatz, wo sie die geraubten Maaren bargen, bis sie dieselben verkaufen konnten. Der Anführer der Räuber, Capitän BreMke, war in seiner Jugend Student gewesen; er hatte aber auf der Universität ein lüderlicheS Leben geführt, war Schulden halber heimlich entwichen und hatte in Amsterdam Dienste auf einem Grönlandsfahrer genommen. Sehr intelligent, wie er war, hatte er mit Lust und Eifer den Schiffsdienst studirt und war nach mehreren Jahren zur selbstständigen Führung eines Schiffes befähigt. Er hatte dann auch ein Schiff erlangt und sührte auf demselben viele Jahre Ebenholz von Aftika nach dem Süden von Nordamerika. Ebenholz ist nämlich der Name, welchen die Sklavenhändler ihrer Waare geben, und diese Waare ist nichts Anderes, als die unglücklichen Schwarzen, die in Aftika aufgekauft und nach Amerika als Sklaven verbracht werden. — Capitän Bremke hielt darauf, daß seine Mannschaft aus lauter Deutschen bestand, und er fand immer verlorene Subjette, welche sich diesem einträglichen Gefchäst widmeten. Seit einigen Jahre» jedoch wollte das Geschäft nicht recht mehr gehen. Die von den civilistrten Nationen bestellten Wächter ver--