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Der Israelit · 1869-03-17 · Heft 11 (17.3.1869) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 11 (17.3.1869)
Date
1869-03-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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SOL wird dieß ein außerordentlich schätzbares Material zu den einschlägigen Fragen liefern. XU. Pefth, am 9. März. N. 8. Noch immer vom Pesther Congresse? wird Mancher fragen, ist doch der Comitatösaal von den jüdischen Vätern schon so lange geleert, sind doch der „Tiger" und das städtische Tanzhaus ihrer heiligen Weihe als Clubhallen, und die Berichterstatter ihrer Honorare für Congreßberichte beraubt; waS also noch immer vom Pesther Congresse? Wer jedoch den engen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung begreift, wird meine folgenden Zeilen als solche anerkennen, die obiger Ueberschrift entsprechen. Vor allem will ich constatiren, daß wir bei alldem und alldem — von den Verhandlungen und Beschlüssen des CongresseS großen, sehr großen Nutzen ziehen müssen. Es gab nämlich, ja es gibt auch jetzt noch, u. z. in großer Zahl, in der äußersten Seite der Orthodoxie solche Männer, die sich der angenehmen Täuschung Hingaben, daß im „heiligen ungarischen" Vaterlande die alte Orthodoxie bei weitem überwiegend und es somit nicht nöthig sei, dem Fortschritte Rechnung zu tragen. Und trotz aller Hochachtung und Ehrfurcht, von der wir gegen diese Gedolim erfüllt sind, müssen wir gestehen, daß sie der Verbreitung von wissenschaftlicher Bildung sehr oft nicht ohne Leidenschaft entgegentraten, und Männer, die ihnen in bester Absicht Widerstand leisteten, zu verdächtigen strebten. Dies wird nun hoffentlich jetzt sein Ende haben; denn der Cvngreß muß die Herren aus ihrer optimistischen Ruhe gescheucht und es ihnen klar vor Augen gelegt haben, daß auch hier in Ungarn das, was die Zeit von uns mit Recht fordert, ihr gegeben werden müsse. Es ist das merkwürdig, wie sich auch hier die Extreme berühren. Die Ultrareformer machen das p r a ctisch anschaulich, was die (Lehabdil) „äußerste Linke" theoretisch lehrte, daß nämlich die Wissenschaft mit der treuen Befolgung der Religionsvorschristen unvereinbar sei. Nun aber wurden beide aufs Entschiedenste widerlegt. Unsere Gedolim (Gott erhalte sie) waren sehr oft durch die kräftigen Reden unserer Partei entzückt und begeistert worden, mußten also anerkennen, daß die Fähigkeit, solche Reden halten zu können, die Fähigkeit mit den geistigen Waffen des Gegners umzugehen, denn doch nicht zu unterschätzen sei; anderseits aber sah man Männer, deren Frömmigkeit und jüdische Gelehrsamkeit von Niemandem bezweifelt wird, als Gelehrte glänzen und jene, die den Fortschritt und die Wissenschaft ausschließlich in Pacht genommen zu haben glauben, an gediegener, echtwissenschaftlicher Bildung überragen, ojök run nrnx >nt& nconm mmn '-»so npn ab jwik bx r\wx sagt ein geistreicher Gelehrter; und wurde dies vom Congresse, wo wir alle Schattirnngen unsere Glaubensgenossen zu betrachten Gelegenheit hatten, in beredtester Weise erwiesen.- Ein mitleidsvolles Lächeln gewann uns die letzte Rede des Herrn vr. Zipser ab, der in ganz unschuldiger Weise Dr. Hildesheimer den Vorwurf machte, dieser kämpfe mit den Waffen der Wissenschaft, die er allenfalls meisterhaft zu schwingen versteht, gegen die Verbreitung der Wissenschaft. Ich erlaube mir Herrn vr. Zipser offen zu fragen, ob er denn wirklich der Meinung lebt, er fördere und verbreite mehr die Wissenschaft als jener Mann, der schon seit Decennien die Bildung den fast unzugänglichsten Kreisen zuführt; glaubt der Herr vr. denn wirklich, daß die Verbreitung der Wissenschaft in der Aufhellung einiger Hypothesen in Zeitschriften oder in der Abfassung einiger, allerdings nicht guter Zeitungsartikel besteht? Oder faßt der Herr 8r. Fortschritt, Wissenschaft, Bildung, Aufklärung k. alles das in dem einen Worte: „ Rabbinerseminar" zusammen? So gehen Sie doch hin, Herr vr. und umarmen Sie Ihren geistreichen Gesinnungsgenossen — Pater Greuter, der alle jene Begriffe ebenso desinireu wird, nur mit dem Unterschiede, daß dieser das Wort „Clerikerschule" für besser finden wird.- Wenn wir jedoch auch keine unbedingten Lobredner eines Rabbinerseminars sind, und wir davon die Verbreitung der Wissenschaft in Ungarn nicht ganz abhängig machen; so müssen wir dennoch gestehen, daß uns die engere Hildesheimerrsche Partei mit ihrem Auftreten gegen die Errichtung eines in seiner Art und Weise nicht voraus bestimmten RabbinerseminarS nur dann ganz befriedigt haben wird, wenn die Besorgnisse, die sie dabei bewogen, als begründet erscheinen werden, i Freilich läßt sich durchaus nicht leugnen, daß jene! Besorgnisse schon von so manchen thatsächlichen j Begründungen hervorgerufen wurden; es ist aber an j der s. g. Majorität, diese Besorgnisse zu verscheuchen > und die Begründungen tatsächlich zu widerlegen,! und dies, ich glaube es mit Sicherheit aussprechen zu! dürfen, möchte keinem mehr Freude machen, als j eben — der Hildesheimer'schen Partei. — Gegen- I stand der Besprechung in den hiesigen Kreisen,! bilden hauptsächlich das Gemeindestatut, Schulstaj tut und die Seminarfrage. Ersteres wird einer strengen Kritik unterzogen und findet in den autonomen Naturen Ungarns fast gar keinen Anklang; selbst Pefth, das eine Verletzung seiner Autono-» mie gar nicht zu befürchten hat, freut sich mit dem centralistischen Geiste des GemeiudestatuteS nicht. Nicht besser gehts der Bestimmung des RabbinerseminarS; man hat nämlich zu denen, die es befürworteten, kein rechtes Vertrauen, und fürchtet einen Stand bevorzugt, ohne Garantien dafür zu haben, daß derselbe dieser Bevorzugung würdig sein wird. Einen angenehmen

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