Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1869)
- Date
- 1869-03-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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X. Jahrgang. Erste Beilage z« Nr. 11 des Israelit. Leitender Artikel. Der israet. Csngrrß?u Pesch. (Schluß.) Nach der dritten Lesung, wodurch das Gesammtstatut mit hundert drei gegen einige dreißig und circa neunzig Fehlenden angenommen wurde, ging man zur Speciatdebatte des VolkSschulstatntes über, in welchem nur § 2, der Eonfessionsschulen proclamirt, einer in Rücksicht auf die Bedeutung des Gegenstandes allerdings nur Duodezdiscussion unterzogen, aber aufrechtgehalten worden war, dann aber noch eine große Reihe von §§ entweder ohne jede, oder ohne wesentliche Discussion aufrechtgehalten wurde. In der um 7.Uhr beginnenden Abendsitzung wurde sehr lustig aufgeräumt erst mit dem Volksschulstatute, dann mit dem für Religionsunterricht an Mittelschulen, sowie mit dem ziemlich extensen der Talmudthoraschule, summa summamm circa 70 — 80 Paragraphen, eS wurde eben gejagt und mit doppelter Heizung geheizt. Unterdeß war eS ca. 12 Uhr Nachts geworden, als sich eine Scene abwickelte, indem Deputirter Mittelmann den Antrag stellte, daß die Musterhauptschulen aufgelassen werden sollten. Als man schon in der Abstimmung begriffen war, erhob stch der Referent und Präses der Schulcommission, Herr Holitscher, daß er gegen diese Abstimmung protestiren müsse, indem die Wichtigkeit dieses Gegenstandes zu groß sei, um halb zwölf Nachts in wenigen Minuten darüber Bestimmungen zu treffen, respective abzustimmen. Der Präses erklärte, daß zwar die Majorität für den Antrag, die Versammlung aber, wie es sich herausstelle, beschlußunfähig sei, worauf Herr Mittelmann sich zu einer persönlichen Bemerkung meldete, die allerdings sehr persönlich war, indem er, der wohl über die Beschlußfähigkeit anderer Meinung war, kurz und bündig erklärte — er lege sein Mandat nieder, und sofort den Saal verließ. Eine halbe Stunde später, nachdem die vorgeschrittene Nachtstunde gegen die Wichtigkeit der Auflassung von Musterschulen, über die nur eine ungeteilte Sttmme ist, daß sie weder jemals dem Lande Nutzen brachten noch jetzt bringen, ins Feld gerückt war; wurde noch sdie winzig kleine Seminarfrage in der „Geisterstunde" durchgejagt, in circa einer Viertelstunde war die Specialdebatte über diese Kleinigkeit vollständig geschloffen, und eö wurde diese mit einer knappen Beschlußfähig- \ teil von 56 Stimmen von 220 angenommen!!! Was | aber nicht zu verwundern, da die Minorität gleich ■}; beim Beginne der Debatte (?) den Saal verließ, man also kaum etwas Oppositionelles aufzuspüren im Stande war. Mit der Verwendung des Schulfondes ging es ganz ebenso, sie saßen so fröhlich zusammen und hatten einander so lieb, die armen Volksschulen mögen noch so viel das bloße Nachsehen haben. Mon- ' tag war nur eine Vormittagsitzung, in der diverse rückständige Specialien unwesentlicherer Natur vorkamen, alle rückständigen Berichterstattungen erstattet und eine Anzahl von rückständigen Anträgen erledigt wurden, worunter hervorzuheöen, Antrag Steinhardt's auf Niedersetzung einer Zwölfer-Commisston zur Erledigung einer Anzahl Ausführungsgeschäfte des Congresses, der auch angenommen wurde, ferner fürs religiöse Gebiet Antrag Dr. Hildesheimer und Director Deutsch, daß ein Comite zur Beförderung der Herausgabe guter jüdischer Schulbücher für Bolks- und den Religionsunterricht an Mittelschulen ernannt werde, welcher ebenfalls angenommen wurde, und endlich ein Antrag derselben Antragstellerdaß das Ministerium ersucht werden möge, zu veranlassen, daß die Lehrpläne an Mittelschulen derartig eingerichtet werden, daß Schreiben und Zeichnen nicht auf Samstag fielen, sowie daß die jüdischen Schüler der Mittekschulen um 11 Uhr Samstag Vakanzen zur Abhaltung eines Gottesdienstes und zum Religionsunterrichte erhalten sollten, welcher Antrag sich aber nicht der Sympathie der Majorität erfreute! Hierauf wurde vom Präses erklärt, daß sämmtliche dem Congresse vorgelegenen Arbeiten vollendet seien und am nächsten Tage nur noch eine Sitzung zur dritten Lesung der Dchulelaborate, Erledigung noch einiger Formalitäten, Wahl des Siebencomitö'S, falls (?) die Rabbinerschulfrage auch in der dritten Lesung angenommen werde, sowie des Comitö's für eben erwähnten Antrag Hildesheimer und Deutsch, endlich Entsendung einer Deputatton an den Cultusminister zur Verabschiedung und Ueberreichung der vereinbarten Elaborate stattfinden werde. So ist denn dieser so merkwürdige und denkwürdige Congreß zu Ende; bittere, sehr bittere Erfahrungen hat er der orthodoxen Partei gebracht, dieSchattirung derselben, die zu den Principien Ihres Blattes steht, hat ausgeharrt bis auf die letzte Stunde, mit einer Fluth von Kränkungen, Verbitterungen und ffsn m’DD, wovon stch nur ein Augenzeuge eine Vorstellung machen kann. Ich hoffe zu Gott, daß Er alle die großen Gefahren abwenden wird, die das Gemeind eftatut in sich involvirt und die eine solche Rabbinerschule heraufzubeschwören angethan ist. Nachschrift. Wie ich eben höre, werden die Protokolle der Schulcommission gedruckt werden;