Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1869)
- Date
- 1869-03-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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197 Max n. höchstsel. Andenkens, sicherlich mit schwerem Herzen bas jeweilige AnstellungSaesuch abschlug; erst dessen erleuchtetem Sohne, Ludwch II., war es Vorbehalten, die Schranken der Ausnahme fallen zu lassen; er ernannte Herrn Vr. H. erst zum außerordentlichen und nun vor Kurzem zum ordentlichen Universitäts- Professor. Inniger Dank sei dafür dem allgeliebten Monarchen dargebracht. Ehre und Anerkennung den Lettern der bayr. Staatsgeschäfte. Möge dieses wichtige Präcedenz als Richtschnur im eigenen Lande und als nachzuahmendes Beispiel für manche andere, selbst Großstaaten, gelten, die in Beziehung auf Israeliten den Forderungen der Gerechtigkeit wie der Humanität noch nicht nachzukommen sich anschicken. Es erübrigt uns noch beizufügen, daß Herr Professor Vr. Herz — wie in diesen geschätzten Blättern s. Z. ist mitgetheilt worben — Ehrenbürger der Stadt Erlangen wurde, daß man ihm die betreffende Urkunde in feierlicher Sitzung der Gemeindebehörden und mit höchst ehrenden, seine vielen Verdienste bervorhebenden Ausdrücken überreichte; und zu seinen großen Verdiensten um Menschen- und Volkswohl gehören auch die unablässigen, erfolgreichen Bestrebungen, die er 1866 für die im Kriege Verwundeten bewiesen hat. Möge Herr vr. H. noch recht lange sein edles Wirken in seinem schönen Berufe forisetzen zum Heile der Menschheit und — da er stolz darauf ist, Jude zu sein, was er mit (unter den gegebenen Verhältnissen) anerkennenswerth.er Characterfeftigkeit bewies — $um Stolze Israels. Wie es aber kam, daß man sich an maßgebender Stelle eine so lange Periode hindurch nicht entschließen konnte, zu Gunsten eines Mannes von solcher Bedeutung eine Ausnahme zu machen, die Erörterung dieser Frage sei n"y"3 Gegenstand eines unserer nächsten Aufsätze in diesem Blatte. Frankfurt a. M. Am 6. Februar fand die Feier des 131jährigen Bestehens der hiesigen israelitischen Männer-Krankencasse statt. Da es gewiß für Ihre Leser von Jntereffe ist, Näheres über diesen Verein zu vernehmen, so theile ich Ihnen nachstehende Daten über denselben mit: Schriftliche Nachrichten über das erste Entstehen der alten Männer-Krankencasse sind nicht vorhanden. Bei der großen Feuersbrunft, welche im Jahre 1796 die Iudengaffe verheerte, ist der erste Gesellschaftsvertrag nebst vielen gleichzeitigen Papieren ein Raub der Flammen geworden. Die älteste der noch vorhandenen Urkunden ist der Gesellschastövertrag vom Jahr 1772. Damals hatte die Anstalt schon 34 Jahre bestanden. Das auf Kosten der Gemeinde unterhaltene Hospital war schon in den frühesten Zeiten nur für Fremde bestimmt gewesen. Kranke aus der Gemeinde konnten nur ausnahmsweise und nur gegen vollständige Erstattung der Kosten Aufnahme darin finden. Da geschah eS, daß ein hiesiger Israelit, ledigen Standes, erkrankte. Arm und hilflos, ohne Verwandte, ohne Annehmer, könnte er nicht in das Hospital ausgenommen werden und mußte sterbend aller Pflege entbehren. Dieser traurige Fall erregte allgemeine Aufmerksamkeit und ließ viele mit banger Sorge in die Zukunft blicken. Benedict Elias Maas faßte zuerst den Gedanken, unter den Gemeinde-Angehörigen einen Verein von Freunden zu bilden, welche in ErkrankungSfällen einander besuchen, pflegen, unterstützen sollen, und zwar sollten die Mittel zu dieser Pflege und Unterstützung durch einen für alle Mitglieder gleichen wöchentlichen Beitrag aufgebracht werden. Er theilt diese Idee seinen Freunden und Genossen mit; es gelingt ihm, nicht ohne Mühe, sie dafür zu gewinnen, und eS währt nicht lange, so hat er einen Verein der bezeichnten Art um sich her gebildet. Dieß geschah im Jahre 1738. Die Zahl der ersten Theilnehmer scheint nicht über 20 bis 25 gewesen zu sein. Der erste wöchentliche Beitrag war drei Kreuzer. In einem der drei Hauser, welche die Krankencassen nachmals käuflich an sich gebracht haben, wurde ein Zimmer gemiethet, in welchem die Kranken verpflegt wurden. Erst nach vielen Jahren konnte ein zweites Zimmer in Bestand genommen werden. Die alte Krankencasse ward für „ledige Männer," wie eö ursprünglich hieß, gestiftet. Benedict EliaS Maas, der Stifter der Krankencasse, war aber auch zugleich derjenige, welcher sie in der ersten Zeit beinahe allein im Gang erhielt. In einer kupfernen Büchse, welche noch heute in der Anstalt aufbewahrt wird, sammelte er die wöchentlichen Beiträge ein; das Notdürftigste an Leinenzeug und Brennholz ward durch ihn angeschafft. Bei erkrankten Mitgliedern leistete er die Dienste des Krankenwärters, mit edler Selbstverläugnung die niedrigsten Verrichtungen nicht scheuend. Soviel über Entstehung der Krankencasse, beziehungsweise der „alten" Krankencasse. Zwanzig Jahre nach deren Gründung wurde eine ähnliche ins Leben gerufen, welche unter dem Namen der „neuen" Krankenkasse eine lange Reihe von Jahren gleich segensreich wie ihre ältere Schwester wirkte. Nachdem die beiden Krankencaffen während einer langen Reihe von Jahren segensreich thättg gewesen waren, zu einer Zeit, wo die ältere, von Maas gestiftete Anstalt, ihrem hundertjährigen Bestehen entgegenging, da trat ein Mann ckuf in der Mitte der Verwaltungen, klaren Geistes und eifrig beseelt für die Förderung der Zwecke dieser Vereine; dieser Mann war Siegmund Geisenbeimer. Er erkannte bald, daß die beiden Anstalten vereint, Tüchtigeres zu leisten im Stande fein würden, als es der schwächeren Kraft der einzelnen Anstalt möglich ist. Und so strebte er nach diesem Ziel mit aller ihm eigenen Energie, und der