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Der Israelit · 1869-03-10 · Heft 10 (10.3.1869) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 10 (10.3.1869)
Date
1869-03-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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X. Jahrgang. Beilage zu Nr. 10 des Israelit. Leitender Artikel. Der israet. Congrrß zu pejih. ' (Fortsetzung.) Hierauf sprach der Berichterstatter der Minorität, vr. Hildesheimer, ungefähr Folgendes: Zunächst müsse er seiner Liefen BeWmmerniß Ausdruck geben, daß diese hochwichtige Schulfrage, nach deren Regelung das Land ganz besonders und noch vielmehr als nach der der Gemeindeorganisation lechze, zu einer Zeit in Verhandlung komme, in der die Redner kaum Gelegenheit haben, über die vielen, in den Elaboraten sich befindenden Principienfrageu sich genügend auszusprechen, und den Zuhörern die Spannkraft und die Ruhe gebricht, sie anzuhören, daß für die Drscussion und Beschlußfassung nicht halb so viel Stunden Zeit gelassen, als die Commission Tage gearbeitet. Doch das sei einmal nicht zu ändern; ja es beruhige ihn fast das Wort unserer Weisen, daß sowie es Pflicht ist, zu sagen, was angehört, so es auch solche sei, zu unterdrücken, was nicht anaehört wird; und er mache ""W'durchaus keine Illusionen darüber, daß es außer Möglichkeit sei, daß durch seine Worte, und seien sie noch so beredt und noch so eingehend, irgend welche Propaganda gemacht werden könnte. Denn für diese Frage sei sicherjeder mit einer festen Meinung hicrhergekommen. Dessen aber schmeichle er sich gewiß zu sein, daß, wenn man auch auf ihn nicht höre, doch seine Loyalität nicht in Zweifel gezogen würde. Denn er W der Erste gewesen, der diese Frage, und zwar schon vor achtzehn Jahren auf die Tagesordnung gesetzt, der dafür gekämpft und gelitten, wie keiner in Ungarn. Er constatire zunächst, daß in den vierabendlichen, diesbezüglichen Commissionsdebatten Niemand, wie auch heute der Berichterstatter der Majorität nicht, etwas Anderes als die Nothwendigkeit wissenschaftlicher Bildung seitens der Rabbinatscandidaten bewiesen, nicht aber die des Institutes selbst. Dieses Institut nun aber sei ein Experiment, das in seiner absoluten Votirung, wie dies hier verlangt wird, möglicher Weise nicht zur Erhaltung, sondern zum Umstürze der Thora beitragen könne, und dies zu befördern sei der Congreß entschieden incompetent. Es falle ihm auch nicht wenig ins Gewicht, und hier gehe er auf'das zweite Minoritätsvotum, das er vertrete, über, daß Hunderte von Volksschulen den gerechtesten Anspruch an diesen Schulfond zur Subvention haben. Noch während des > Congresses feien hundertzwanzig diesbezügliche Petitioi nen eingegangen, diese Subvention werde aber jetzt > nach dem neuen Schulgesetz durch Freilassung von Simultanschulen und durch hie Fluktuation der Bevölkerung auö kleinen Orten, die dadurch ganz verarmen, in die größeren, immer brennender und dringender. Es müsse aber mit dem Unterbau', mit guten Volksschulen und nicht mit dem Giebel und zwar mit einem so gefährlichen Experimente begonnen werden. Ist daher, müsse er fragen, bei so naheliegenden, unabweislichen Bedürfnissen der Congreß competent, daS Eingehen der confessionellen Schulen geradezu herbeizuführen, um einen nur mit schwerem Gelbe zu ermöglichenden Apparat, von dem auch die wärmsten Vertheidiger desselben zugeben, das er in Hände gelangen könnte, in welchen das Institut zu einem Unglücke würde, in Bewegung zu setzen, zumal die angestrebten Resultate, Beförderung wissenschaftlicher Bildung bei Rabbinatscandidaten nach seinen in der Schulcommission auseinandergesetzten Ansichten, billiger und beruhigender erreicht werden könnten? Wenn man aber so sehr den 8vnsu8 kundatoris urgire, so sei er wohl berechtigt zu fragen, warum denn die hohen Ministerien selbst seit 4856 und noch heute durch Subventionen an Volksschulen dem allerhöchsten Erlasse entgegengehandelt hätten? Offenbar aus der richtigen Voraussetzung, daß der Sinn sensus fundatoris eben die Befriedigung des sich in Wahrheit herausstellenden größten Bedürfniffes ist. Daher verteidige er aus Überzeugung, bei den noch so festgewurzelten Vorurtheilen für diese Frage, den Standpunkt der Minorität trotz alledem und alledem. Es sprachen hierauf noch vr. Zipfer und Rabb. Steinhardt für die Majorität und gegen den Berichterstatter der Minorität. Dazu noch einige Deputirte, die von der.Sache so viel verstanden, wie der Bauer von Gurkensalat. Von der linken Seite kam kein Redner mehr zum Wrrte, wohl aber nahm sich "der Vorsitzende Vicepräsident Wahrmann die Kühnheit heraus, einen Deputirten dieser Seite, der weiter nichts gesündigt hatte, als daß er sich zur Geschäftsordnung zu sprechen gemeldet hatte, ich glaube, zweimal zur Ordnuug zu rufen; man könnte sich über diese Brutalität ärgern, wenn sie nicht eben so kolossal lächerlich wäre. Also noch ehe man irgend einen von dieser Seite außer dem Berichterstatter gehört hatte, (was übrigens nur Verletzung des Rechts war, denn das Abftimmungsresultat war schon vor Beginn der Discussion in einem Clubbeschluß „besorgt und aufgehoben") ja ohne einem Mitglied« dieser Seite, das vor der Abstimmung das Wort zur Geschäftsordnung verlangte, dieses unbestreitbare Recht zuzugestehen, wurde zur namentlichen Abstimmung geschritten, und

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