Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1869)
- Date
- 1869-03-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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183 Schriftsteller Dr. Moritz Barach einen solchen vom Herzoge von Coburg-Gotha. HKefkh Mehrere Blatter brachten jüngst die Nachricht, daß der ungarische Handelsminister Gorove und der Novellist Jokay Mor bei zwei Beschneidungen die Stelle als Gevatter vertreten hahen. Aiuh der berühmte Franz Deal hat von einer vornehmen jüd. Frau eine Einladung erhalten, daß er bei der Beschueidung eines armen Kindes Gevatter sein möge. Herr Deal hat hierauf derselben folgenden Brief geschrieben: „Die Gevatterschaft, zu der Sie mich einladen, nehme ich gerne an. Erlauben Sie mir aber zwei Fragen: Erstens, ob nach dem Gesetz Ihrer Religion ein Christ bei einem so wichtigen Acte, wie die Beschneidung ist, Gevatter sein darf; zweitens, ob der Mvatter bei der Ceremonie zugegen sein muß oder sich vertreten lassen kann, wie es bei uns Christen Gebrauch ist; ich muß diese Frage stellen, weil ich erst kürzlich krank war und mir vom Arzte verboten wurde, guSzugehen. Wenn es nach der jüd. Religion erlaubt ist, daß ein Christ bei einer Beschneidung Gevatter sei mnd man sich vertreten lassen kann, so nehme ich die Gevatterschaft recht gerne an und dies umsomehr, weil, wie Sie schreiben, die Familie arm ist. Die beifolgende Kleinigkeit wollen Sie gefälligst der Mutter des kleinen Kindes als Pathengeschenk übergeben." Italien. Das Rabbiner-Seminar zu Padua maßt« vor Kurzem geschloffen werden, weil dasselbe bei den italienischen Inden nicht mehr die erforderliche materielle Unterstützung gefunden. England. .London. Herr Alfred Davis, als ein sehr wohlthätiger Mann bekannt, hat den hiesigen jüdischen Freischulen ein Geschenk van 6000 L. (72,000 fl,) gemacht. Herr Davis ist Mitglied des Vorstandes dieser Schulen. Feuilleton. Jlrunögkch. Zehntes C^pitel. Langsam schlichen die Tage und Wochen-dahin. Ach, der Glückliche merkt nicht den Flug der Zeit, aber dem Unglücklichen, werden die Stunden, zu Tage» und die Tage zu Wochen' ' ' Der alte Lindenstein suchte im Ordnen seintt Geschäfte Trost und Zerstreuung. Cr hatte mit ruhtzem Blick die Weltlage überschaut und erkannt, daß her Krieg nicht lange währen würde; er hatte daher all die enormen Summen, mit welchen sein Sohn engagirt gewesen war, in Prolongation gegeben. Da wftzde die mörderische Schlacht bei Solferino geschlagen;' die siegreichen Franzosen waren bis zu dem Festünasviereck Venetiens vorgedrungen, an welchem sich Napoleon nicht den Kopf blutig stoßen wollte; auch das erschöpfte Oesterreich ersehnte den Frieden, welchen denn die beiden Monarchen bei ihrer Zusammenkunft in Villafranca abschloffen. Der Telegraph brachte die unerwartete Kunde überallhin, und weil sie so unerwartet, steigerte sie die Papiere zu ungeahnter Höhe. Diesen Moment benutzte der alte Lindenstein und. verkaufte Alles mit so großer Avance, daß sein Gewinn alle erlittene Verluste bedeutend überstieg. Aber nur bis zu diesem Momente hatte die Spannkraft seines Geistes angehalten; jetzt ließ sie plötzlich nach, und der gewaltige Schmerz um den verlorenen einzigen Sohn brach mit um so größerer Macht hervor, jemehr er vordem war zürückgedrängt worden. Rach wenigen Wochen erkrankte der alte Lindenstein und starb. Lomse lebte sehr zurückgezogen; ihxe ganze Sorgfalt wandte sie auf die Erziehung ihres Sohnes. Als das Trauerjahr um ihren Gatten zu Ende war, , machte ihr der reiche Tabaksfabrikant Grunert einen Besuch. „Frau Lindensiein," sagte er, „ich kann nicht viele Worte machen; aber es wird Ihnen nicht Mgaygm sein, daß ich Sie bewundere und verehre, seit jGem Abende, den wir zusammen bei Reichmayers zugeb^racht haben." „„Was wollen Sie damit sagen, Herr Grunert?"" „Daß Sie genug getrauert haben um. hm armen Eduard. Wenn ich Ihnen nicht zu alt..bin, so..werden Sie die Meine. Die Versicherung kann ich Ihnen geben, daß Sie in mir einen treu ergebenen Gatten finden, für den Ihre leisesten Wünsche Befehle sein werden." „„Ich danke Ihnen, Herr Grunert, für das, was Sie mir bieten — allein ich kann es nicht annehmen. Ich habe meinen unglücklichen Eduard noch nicht vergessen; ich will nur für seinen Sohn leben."" Betrübt entfernte sich Grunert; er hatte fange geschwankt, ob . er den ihm ljebg^wordeiien Zustagesellenstand aufgeben sollte; und nun, nach gefaßtem Entschlüsse,,hatte er emen,Korb bekommen! Eines Tages kam, der,kleine, vun neunjährige -Alfred au8v-vAchii7nach Haus» nnh klagte stder heftige Kopfschmerzen; sein Köpfchen glühte. Sogleich